Formel 1: Mercedes braucht eine Stall - DER SPIEGEL
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Drei Thesen zur Formel 1 Racing ist kein Mannschaftssport

Das Duell zwischen Rosberg und Hamilton droht zu eskalieren - eine Gefahr für das gesamte Mercedes-Team. Bei Ferrari steht Vettel unter großem Erfolgsdruck. Alles Wichtige vor dem Rennen in Monaco.
Nico Rosberg und Lewis Hamilton
Nico Rosberg und Lewis Hamilton

Nico Rosberg und Lewis Hamilton

Foto: Bongarts/Getty Images
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Toto Wolff wird nicht müde, es zu betonen: Bei Mercedes steht das Team über allem. Der Gesamterfolg ist wichtiger als der des Einzelnen. Die beiden Fahrer, Nico Rosberg und Lewis Hamilton, haben sich dem unterzuordnen, predigt der Mercedes-Teamchef. Machen die beiden aber irgendwie nicht. Stattdessen erreichte ihr Zwist in Spanien einen neuen Höhepunkt. Jetzt gehts nach Monaco. Drei Thesen vor dem Rennen.

1. Der Konflikt bei Mercedes eskaliert ohne Stallorder

In Monaco liegt der Grundstein für die Spannungen zwischen Rosberg und Hamilton. 2014 hatte der Deutsche seinen Teamkollegen im Qualifying ausgebremst, startete von der Pole und siegte. Ein Jahr später traf Hamiltons Box kurz vor Rennende eine falsche taktische Entscheidung, wieder gewann Rosberg.

In Monaco profitierte Rosberg bisher im Teamduell, Weltmeister wurde im Anschluss aber zweimal Hamilton. Vor zwei Wochen in Spanien profitierte keiner der beiden, nach drei Kurven war das Rennen für beide beendet, sie hatten sich gegenseitig ausgeschaltet. Keine Punkte für Mercedes, dafür großer Ärger für Wolff und seine Vorstandskollegen.

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Foto: Manu Fernandez/ AP

Schon vor dem Rennen in Barcelona würdigten sich Rosberg und Hamilton keines Blickes. Danach erst recht nicht. Eiszeit zwischen den Mercedes-Piloten. Allerdings schien Hamilton den Crash deutlich gelassener zu nehmen - trotz der 43 WM-Punkte Rückstand. Rosberg war dagegen nach einem lockeren Start ins Rennwochenende am Ende wieder der Alte: angespannt und verbissen.

Jetzt also Monaco. Wolff sagte vor dem Rennen noch mal, wie wichtig es für Mercedes sei, beide Autos im Ziel zu wissen. Er betont aber auch stets, die beiden sportlich gegeneinander fahren lassen zu wollen. Und genau das ist gefährlich. Hamilton ist ein Egoist, für ihn war und ist sein eigener Erfolg immer wichtiger als der des Teams - Zurechtweisungen durch Wolff hin oder her. Und Rosberg? Der hat genug davon, sich erfolglos an die (internen) Regeln zu halten. Wolff wird mehr als mahnende Worte brauchen, um diesen Konflikt zu regeln - mit einer Stallorder. Racing in der Formel 1 ist eben kein Mannschaftssport.

2. Vettel verliert bei Ferrari seinen Nummer-eins-Status

Bei Ferrari waren die Rollen im Team klar verteilt - bisher zumindest. Sebastian Vettel ist vor zwei Jahren geholt worden, weil er um den Titel mitfahren soll. Für die erste Saison schrieb ihm das zwar noch niemand vor, trotzdem gewann er schnell Rennen. Nun, für das zweite Jahr, waren die Erwartungen - vor allem in der Fiat-Zentrale - ein wenig größer. Seine Bilanz bisher: zweimal Dritter, einmal Zweiter, zweimal ausgeschieden. Momentan erfüllt der vierfache Weltmeister die Erwartungen nicht.

Kimi Räikkönen sollte dagegen die klare Nummer zwei sein. Auf seine letzten Formel-1-Jahre kann der 36-jährige Finne noch einmal ganz entspannt mitfahren. Aber nach fünf Rennen ist Räikkönen plötzlich WM-Zweiter. Abgesehen von Australien hat er jedes Rennen beendet, stand nur in China nicht auf dem Podest. Ihm scheint die Rolle im Team zu liegen, Druck verspürt er keinen. Anders als Vettel, dem unter dem Titeldruck plötzlich Fehler unterlaufen.

Im Moment liegt Vettel 13 Punkte hinter Räikkönen, zudem war er zweimal im Qualifying langsamer als der Finne. Die kommenden Rennen werden über Vettels zukünftigen Status entscheiden - für die kommende Saison ist Nico Rosberg als Teamkollege bei Ferrari im Gespräch.

3. Kvyat ist schon jetzt der Verlierer der Saison

Die Red-Bull-Verantwortlichen hatten sich in Barcelona bemüht, Daniil Kvyats Degradierung von Red Bull zu Toro Rosso als Chance für den Russen darzustellen. Während jedoch Tauschpartner Max Verstappen sensationell das Rennen gewann, fuhr Kvyat vier Plätze hinter seinem neuen Teamkollegen Carlos Sainz ins Ziel.

Eine Rückkehr Kvyats in den Red-Bull-Boliden ist somit auszuschließen. Vielmehr muss der 22-Jährige um seine gesamte Formel-1-Karriere bangen, seine offen geäußerte Kritik an der Versetzung kam bei den Verantwortlichen nicht gut an. Motorsportchef Helmut Marko scheut keine unpopulären Maßnahmen, mit Pierre Gasly hat er bereits das nächste Talent in der Hinterhand.

Formel-1-Saison 2016