Formel 1 Prost ist pleite
Paris - Am Donnerstag wurde vor dem Handelsgericht in Versailles das Insolvenzverfahren eingeleitet. Gleichzeitig ordneten die Richter eine sechsmonatige Beobachtungszeit an. Der Weiterbetrieb des Rennstalls, bei dem 300 Angestellte beschäftigt sind, ist dadurch vorerst gewährleistet.
"Das Insolvenzverfahren ist die beste Lösung für den Fortbestand des Teams. Es gibt nur einen Weg, auf einer neuen Basis zu beginnen: Wir müssen unsere Schulden zurückzahlen", sagte Prost auf einer Pressekonferenz in der Teamzentrale in Guyancourt und bestätigte den Schuldenstand von 65 Millionen Mark. "Wir werden weiter kämpfen und haben noch nicht das Handtuch geworfen. Wir müssen in der Lage sein, einen Plan auszuarbeiten, der die Präsenz des Teams für die komplette Saison 2002 sichert", sagte Prost. Dafür wären rund 150 Millionen Mark nötig.
Mit dem nötigen Großsponsor im Rücken hofft Prost darauf, den im August verpflichteten deutschen Piloten Heinz-Harald Frentzen halten zu können. Frentzen, der in vergangenen Saison nach seinem Rauswurf beim englischen Jordan-Team fünf Grand-Prix' für den Rennstall des Franzosen gefahren war, hat sich für die kommende Saison (beginnt am 3. März in Australien) noch nicht für ein Team entschieden. "Frentzen will bleiben, und wir wollen ihn halten. Aber wir müssen ihm Garatien geben", so Prost.
Steigt Interbrew im Prost-Team ein?
Bereits im September hatten Prosts Anwälte vor einem Finanzloch von über 60 Millionen Mark gewarnt. Prost hatte auf eine Rettung seines gleichnamigen Rennstalls durch arabische Geldgeber gehofft, nachdem etliche Sponsoren abgesprungen waren. Eine Übernahme durch den Brasilianer Pedro Diniz, seinen früheren Piloten und Geschäftspartner, war für Prost nicht in Frage gekommen. Laut der französischen Sporttageszeitung "L'Equipe" lehnte der Teamchef auch ein Angebot des deutschen Bertelsmann-Konzerns ab, den Rennstall zu unterstützen.
Gerüchten zufolge soll derzeit der belgische Interbrew-Konzern Prost ein konkretes Angebot gemacht zu haben. Interbrew ist weltweit eines der größten Brauerei-Unternehmen und hatte vor kurzem den deutschen Bierbrauer "Beck's" aufgekauft.
Alain Prost hatte seine Fahrerkarriere 1993 nach dem Gewinn seines vierten WM-Titels beendet. Von seinen insgesamt 199 Formel-1-Rennen gewann er 51. Vor vier Jahren machte Prost sein eigenes Team auf. In der abgelaufenen Formel 1-Saison hatte das Prost-Team lediglich vier Punkte eingefahren.