Formel 1 Reförmchen statt Revolution
London - "Die Formel 1 ist durch die Dominanz von Ferrari langweilig geworden. Das Interesse der Medien und Zuschauer an der Formel 1 geht zurück, die Werbungseinnahmen sinken und die Kosten steigen, deshalb müssen wir etwas tun", beschwört Max Mosley den Reformwillen in der 26-köpfigen Kommission, deren Beschlüsse am 13. Dezember vom World Council der Fia abgesegnet werden müssen, in dem unter anderem der deutsche ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk sitzt.
Die zwölf Vertreter der Rennställe können allerdings alle Änderungen blockieren, weil für technische Neuerungen Einstimmigkeit und für sportliche Regeländerungen 18 Stimmen nötig sind. Die Teams stimmten sich am Donnerstag und Freitag in gemeinsamen Geheimsitzungen in London ab, "damit uns Max Mosley mit seinen Wahnsinnsvorschlägen nicht in eine Ecke treibt", so Jaguar-Teamchef Niki Lauda. Das Ergebnis: "Wir wollen die Weltmeisterschaft fair gewinnen und nicht dadurch, dass Ferrari eingebremst wird", bringt BMW-Motorenchef Mario Theissen die Mehrheitsmeinung der Rennställe auf den Punkt. Ganz ungeschoren dürfte der Serien-Weltmeister Michael Schumacher aber trotzdem nicht davonkommen.
Lauda spricht sich beispielsweise für eine "Abschaffung der Teamorder" aus, zudem wollen die Rennställe über die Streichung von Schumachers Lieblingsrennen in Spa aus dem Kalender 2003 diskutieren. Von Mosleys revolutionärem Neun-Punkte-Plan dürfte dafür aber kaum etwas übrigbleiben - speziell seine Lieblingsidee des Fahrertauschs (jeder Fahrer fährt für jedes Team) hat keine Chancen.
Höchstwahrscheinlich eingeführt wird ein neuer Qualifikationsmodus, um den bisher durch das Freie Training eher langweiligen Freitag aufzuwerten. Künftig soll es je zwei 30-minütige "Qualifying Sessions" am Freitag und Samstag geben, die zusammengerechneten Zeiten ergeben die Startaufstellung. Möglicherweise darf dabei künftig jeder Fahrer einzeln starten.
Noch wichtiger ist Mosley im Hinblick auf die Zukunft der finanziell angeschlagenen Hinterbänkler-Teams eine Kosteneinsparung von jährlich "mindestens 500 Millionen Euro". Durchsetzbar scheinen von den Mosley-Ideen die Beschränkung der Testfahrten auf zwölf Tage pro Jahr und die Reduzierung der Motorenzahl. Michael Schumacher beobachtet die ganze Diskussion gelassen aus der Ferne, er sieht für die Zukunft der Formel 1 trotz seiner Dominanz nicht schwarz: "Die Formel 1 wird sich von selbst regulieren. Die anderen werden schon rankommen."