Formel-1-Reform Hersteller blasen Boykott ab
Hamburg - "Von einem Boykott kann keine Rede sein", sagte Guido Stalmann von BMW, einer der Sprecher der Vereinigung Grand Prix World Championship (GPWC), in der sich die Automobilkonzerne Ferrari, BMW, DaimlerChrysler (McLaren-Mercedes), Ford (Jaguar) und Renault zusammengeschlossen haben.
Stalmann beendete damit Spekulationen, wonach die Hersteller mit einem Startverzicht beim Auftakt-Grand-Prix am 9. März in Melbourne gedroht haben sollen. Sieben Wochen vor dem Saisonstart stehen die Zeichen dennoch auf Sturm. Die Autohersteller formulierten am Wochenende noch einmal deutlich ihren Widerstand gegen die Radikalreform, die Technikchefs der Teams lehnen die Vorschläge der Fia ebenfalls ab.
Die Chef-Ingenieure der Teams halten die vom Automobilweltverband präsentierten Beschlüsse für undurchführbar. Dies sickerte nach der Sitzung der technischen Arbeitsgruppe der Fia am Freitagabend durch. Vor allem das Elektronikverbot ist bis zum Rennen in Melbourne angesichts der knappen Zeit nur schwer zu realisieren. Eine Verschiebung des endgültigen Verbots deutet sich an.
Mosley deutet Entgegenkommen an
Fia-Präsident Max Mosley signalisierte bereits Kompromissbereitschaft. "Wenn eine Änderung viel Geld kostet, sind wir bereit, möglicherweise bis zum Ende der Saison zu warten", so der Brite in RTL. Mosleys Überraschungscoup vom Mittwoch war auch eine Machtdemonstration gegenüber der GPWC. Nach Ansicht der Hersteller stimmen die Fia-Beschlüsse nicht "mit den vertraglichen Rahmenbedingungen der Formel 1" überein.
Die Konzerne sehen aber keine Chance, juristisch gegen das Mosley-Diktat vorzugehen. Die Hersteller drohten jedoch erneut damit, ab 2008 eine eigenen Serie zu gründen. Es gebe bereits detaillierte Pläne. Mosley ficht das kaum an und gibt sich selbstbewusst. Die Fia will für Hinweise auf Regelverstöße eine Belohnung von bis zu einer Million Dollar aussetzen.
Ferrari-Boss auf Gegenkurs zu übrigen Herstellern
Ohnehin scheint die GPWC-Front zu bröckeln. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo jedenfalls begrüßt die radikalen Änderungspläne und geht damit auf Konfrontationskurs zu den übrigen Herstellern und seinem eigenen Teamchef Jean Todt. "Ich finde ich es richtig, dass es in der Formel 1 endlich zu einer radikalen Erneuerung kommt. Seit zu langer Zeit stand alles still, ich bin neugierig", sagte di Montezemolo der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".
"Ein wenig frische Luft ist willkommen, vor allem, weil sich das mit dem Versuch eines Kostenabbaus verbindet", so der Chef des fünfmaligen Weltmeisters Michael Schumacher, "ich bezweifle zwar, dass es tatsächlich zu einer Eindämmung der Ausgaben kommen wird, doch es ist richtig, es zumindest zu versuchen."
Neuverteilung der F1-Einnahmen gefordert
Zu bedenken gab di Montezemolo, dass nicht alle Veränderungen so kurzfristig wie geplant umgesetzt werden könnten. Er warnte aus Sicherheitsgründen vor dem Verbot des Funkverkehrs von der Box zum Fahrer. Man müsse einen anderen Weg finden, den Piloten im Falle drohender Gefahren zu informieren.
Di Montezemolo drängt darüberhinaus auf eine Neuverteilung der F1-Gelder. "Im Moment bekommen die Holding SLEC und Bernie Ecclestone 78 Prozent von den Einnahmen und 22 Prozent bleiben für die Teams übrig. Unter diesen Bedingungen kann das System nicht bestehen", sagte der Ferrari-Boss.