Formel 1 Russischer Milliardär will eigenes Team
Toronto - Die Midland Group, eine auf der britischen Kanalinsel Guernsey registrierte internationale Handels- und Investmentfirma, plant nach eigenen Angaben den Einstieg in die Formel. In einer Pressemeldung teilte das Unternehmen heute mit, dass es ein neues Team komplett aufbauen und nicht ein bereits bestehendes aufkaufen wird.
Gespräche mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone seien bereits geführt worden. Die Midland Group beschäftigt über 50.000 Menschen und ist derzeit unter anderen in Toronto beim Bau des Trump Towers engagiert.
Nach Angaben von Alexander Shnaider, Vorsitzender und Mitgründer von Midland, wird das Chassis des Autos in Zusammenarbeit mit dem italienischen Rennwagen-Hersteller Dallara gebaut. Der Hauptsitz des Rennstalls wird in der Nähe von London sein. Wer den Motor liefert, sei noch offen. "Wir führen Gespräche mit den üblichen Verdächtigen, aber noch gibt es nichts zu verkünden. Ich denke, im Januar, Februar sollten wir alles mitteilen können", wurde der 36-Jährige auf der offiziellen Formel-1-Webseite zitiert.
Shnaider wurde in St. Petersburg geboren und besitzt die kanadische Staatsbürgerschaft. "Natürlich wird das Team einen russischen Beigeschmack haben, und mittelfristig hoffen wir auch, einen russischen Fahrer in die Formel 1 zu bringen", sagte Shnaider, der vor allem in seiner alten Heimat Geschäfte macht. Parallelen zu dem vom russischen Öl-Tycoon Roman Abramowitsch geführten Premier-League-Club FC Chelsea, der mit Millionen die besten Fußballer der Welt nach London gelockt hat, sind durchaus erkennbar.
Der Etat des Rennstalls soll sich auf 100 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) pro Jahr belaufen. Ob diese Summe reicht, um tatsächlich siegfähig zu sein, ist allerdings fraglich. Die Spitzenteams geben derzeit zwischen 350 Millionen und 400 Millionen Dollar aus. Noch hat Shnaider keinen Teamchef engagiert. Er selbst wolle nur den Aufbau des Rennstalls koordinieren und später das Tagesgeschäft delegieren, meinte er.
Die Meldung von dem geplanten Einstieg eines neuen Teams kommt in einer kritischen Phase der Formel 1. Nach dem Ausstieg des Autokonzerns Ford zum Saisonende droht das mit Ford verbundene Jaguar-Team aus der Formel 1 zu verschwinden, falls nicht ein Käufer für den Rennstall gefunden wird. Auch Jordan und Minardi, die von der ebenfalls zum Verkauf stehenden Rennmotorschmiede und Ford-Tochter Cosworth beliefert werden, müssen um ihre Existenz bangen. Die Zahl der Teams könnte sich somit von zehn auf sieben reduzieren. Formel-1-Chef Ecclestone schlug bereits vor, dass ab 2005 jedes Team drei, statt zwei Autos einsetzen soll.