Ab in den Urlaub: Vettel in den Bergen, Heidfeld am See
Formel-1-Sommerpause Wir sind dann mal weg
An Urlaub war für Franz Tost früher nicht zu denken. Zumindest nicht im Sommer. Von 2000 bis 2005 war der Österreicher beim Formel-1-Team von BMW verantwortlich für die Organisation. Zuständig dafür, dass Mensch und Maschine von München aus auf die Rennstrecken dieser Welt transportiert wurden. Pünktlich und komplett musste die Fracht ankommen, zu Testfahrten oder zu Rennen, von März bis November. Tost war rund um die Uhr beschäftigt und unterwegs.
Seit 2006 ist der 55-Jährige Teamchef bei Red Bulls Schwester-Team Toro Rosso. Das ist nicht etwa weniger anstrengend als der Job bei BMW, aber mittlerweile hat Tost im Sommer endlich mal Zeit. "Im August werde ich nach Wien fahren und mich um private Dinge kümmern", sagt er.
Möglich macht das die Sommerpause, die sich die Formel-1-Teams auch aus Kostengründen selbst auferlegt haben. Seit 2007 darf an 14 Tagen im August weder getestet noch in den Fabriken gearbeitet werden. "Nur Wartungsarbeiten sind erlaubt, zum Beispiel am Windkanal. Die werden aber von auswärtigen Firmen durchgeführt", sagt Tost. Noch nicht mal ein Austausch per E-Mail zwischen Mitarbeitern darf in der Urlaubspause stattfinden. Alle Teams müssen ihre Werkstore zwei Wochen zuschließen - wann genau, bleibt ihnen selbst überlassen.
Eine Kontrolle des Zwangsurlaubs gibt es nicht
Ferrari zum Beispiel hat seinen Zwangsurlaub bereits am Montag begonnen. Die Lichter in Maranello gehen erst wieder am 22. August an, genau 14 Tage später. Dann werden die Autos von Fernando Alonso und Felipe Massa sechs Tage vor dem Großen Preis von Belgien am 28. August (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit Ziel Spa-Franchorchamps verladen.
Die Teams vertrauen sich gegenseitig, dass die Pause auch tatsächlich eingehalten wird. "Kontrollieren tut keiner. Mails von der Firma aus sind zwar verboten, die privaten Laptops aber kann keiner kontrollieren", so Tost, der jedoch glaubt, dass sich alle aus seinem Team und von der Konkurrenz an die Regeln halten. "Ich zumindest lasse mich auf so was nicht ein. Geredet wird nämlich immer und am Ende ist man dann der Dumme", sagt Tost. Kommt heraus, dass ein Team die verordnete Pause nicht einhält, dann wird der Rennstall bestraft. Der Weltverband Fia hält sich allerdings heraus, denn die Sommerpause ist ein "Gentlemen's Agreement" der Teams. Eine mögliche Sanktion wäre eine Zahlung von rund zwei Millionen Euro an die Fia, ein Strafenkatalog existiert jedoch nicht.
Aber Verstöße sind unwahrscheinlich, schließlich wollen alle die Pause. Mercedes-GP-Chef Ross Brawn lobt: "Das war eine der besten Ideen, die wir je hatten. Jeder im Team hat den Urlaub nötig, weil jeder auf dem Zahnfleisch geht. Seit Anfang des Jahres stehen alle im Dauerstress und sind fast nur unterwegs, kaum noch zu Hause." Red-Bull-Technikchef Adrian Newey ergänzt: "Man muss abschalten können, sonst verliert man die ganze Kreativität."
Sebastian Vettel zieht es in die Berge von Mallorca
Das gilt auch für die Piloten. Weltmeister Sebastian Vettel schaltet in den Bergen von Mallorca ab. Bergsteigen und Mountainbikefahren stehen auf dem Programm. "Ich bin das ganze Jahr über unterwegs, habe sehr viel Hektik, sehr viel Stress und keine Zeit. Und dann kommt man in die Berge und plötzlich ist nichts. Komplette Ruhe. Diese Natur, diese Stille ist ungemein schön. Das ist für mich ein perfekter Ausgleich für den ganzen Trubel in der Formel 1", sagt Vettel.
Mercedes-Pilot Nico Rosberg wählt ebenfalls eine spanische Insel als Urlaubsort. "Ibiza", sagt Rosberg, "dort verbringe ich meine Zeit mit Vivian (Rosbergs Freundin, Anm. d. Red.) und ein paar Freunden." Die Insel ist eine Art Heimat für den 26-Jährigen. Er verbrachte auf Ibiza viel Zeit in seiner Kindheit, weil seine Eltern dort ein Haus besaßen. Im Urlaub wird Rosberg seinem Hobby nachgehen, der Fotografie. Sein Teamkollege Michael Schumacher hat hingegen nichts Großes geplant, sondern will die meiste Zeit im Kreise seiner Familie daheim in der Schweiz verbringen.
Auch Nick Heidfeld folgt dem Motto: Zu Hause ist es am schönsten. Der Lotus-Renault-Pilot bleibt mit Lebensgefährtin Patricia Papen in seiner Wahlheimat Stäffa am Züricher See. "Wir waren mal kurz auf Mallorca in diesem Jahr - es war schreckliches Wetter. Vor dem Nürburgring-Rennen hatten wir einen Kurzurlaub in Holland gemacht - es regnete die ganze Zeit. Also beschlossen wir, dieses Mal zu Hause zu bleiben", so Heidfelds Begründung.
Die Force-India-Piloten Adrian Sutil und Nico Hülkenberg zieht es dagegen in die Fremde. Sutil will mit seinem Vater und "viel Sport" ein, zwei Wochen am Gardasee verbringen. Ersatzfahrer Hülkenberg plant, "vielleicht spontan zwei Wochen an die italienische Riviera zu fahren und die Seele baumeln zu lassen."
Zurück in die deutsche Heimat zog es hingegen Virgin-Fahrer Timo Glock, der eigentlich seit einem Jahr im schweizerischen Steckborn lebt. In und um Wersau im Odenwald stehen tägliche Fahrten mit dem Rennrad durch das hügelige Südhessen auf dem Programm. Früher begegnete ihm dabei manchmal Vettel, der aus dem nahegelegenen Heppenheim kommt. Dieses Jahr wird Glock auf die Treffen verzichten müssen.