Titelkampf in der Formel 1 Vorteil Vettel
Red-Bull-Pilot Vettel: Sieg in Suzuka
Foto: ISSEI KATO/ REUTERSVor dem Großen Preis von Japan hatten sich Fernando Alonso und Ferrari noch auf der sicheren Seite gewähnt. Ihr Plan: So schnell wie möglich ins Ziel kommen und den 29-Punkte-Vorsprung im WM-Klassement gegenüber Sebastian Vettel halten. Der Plan ging nicht auf. Vettels überlegener und nie gefährdeter Sieg und Alonsos Ausfall gleich nach dem Start lassen Ferrari mit dem Rücken zur Wand stehen. Vier Punkte Vorsprung hat der Spanier nur noch vor Vettel, fünf Rennen stehen bis Saisonende aus.
Der frühere Formel-1- und Ferrari-Pilot Gerhard Berger hört deshalb schon das Grummeln in der Ferrari-Fabrik in Maranello: "Da gibt es jetzt Panik. Die sehen ihre Felle davonschwimmen." Tatsächlich hat der italienische Rennstall ein Problem. Red Bull hat sich in den vergangenen Rennen konstant weiterentwickelt und die Konkurrenz immer mehr abgehängt. Das neue DRS-System in Verbindung mit einer neuen, längeren Fahrzeugnase brachte nicht nur sieben Zehntel pro Runde auf dem Kurs von Suzuka. Sie führten zudem dazu, dass Vettel wieder eine Einheit ist mit seinem Fahrzeug, volles Vertrauen hat zu seinem Gefährt.
Bei Vettel stimmt die Harmonie mit dem Wagen
Und das Wichtigste: Vettel hat wieder Spaß am Fahren. "Die Harmonie zwischen Computersimulation, Windkanal und neuen Teilen auf der Strecke stimmt endlich wieder. Deshalb fährt Sebastian mit dieser unglaublichen Präzision", sagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko.
Ferrari muss jetzt nachziehen. Neue Entwicklungen können aber erst beim übernächsten Rennen in Indien in drei Wochen eingesetzt werden. In Korea muss Ferrari kommende Woche aus Risikogründen noch mit dem Suzuka-Paket auskommen. Dabei steht Ferrari mit jeder Weiterenwicklung vor einer schwierigen Aufgabe, denn der Rennstall hat ein robustes Auto gebaut, kein innovatives. Die Windkanaldaten weichen deshalb oft von den Werten ab, die die neuen Teile im Praxistest an der Strecke liefern. "Unsere neuen Teile müssen ab jetzt besser funktionieren", sagt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.
GP von Japan: Aus in Kurve eins
Alonso bleibt im Moment also nur eines: auf Red-Bull-Fehler hoffen. Noch wird die Lichtmaschine von Magneti Marelli in Verbindung mit dem Renault-Motor als Schwachstelle des Vettel-Fahrzeugs angesehen. Auch wenn bei den Rennen in Singapur und Suzuka die Lichtmaschine keine Probleme machte, die für Vettels Rennausfälle in Valencia und Monza gesorgt hatte.
Auf Fehler von Vettel selbst kann sich Alonso hingegen nicht verlassen, zu stark hat der Deutsche sich zuletzt präsentiert. Und Alonsos andere Verfolger? Kimi Räikkönen hat der Spanier vom Tempo her zwar im Griff, Lewis Hamilton dagegen nicht. Dessen McLaren ist im Moment einfach schneller als Alonsos Ferrari, weshalb der Brite noch eine kleine Chance im WM-Kampf besitzt. Aber auch er muss auf eine Red-Bull-Schwäche hoffen.
Alonso will Vettel provozieren
Alonso sagt: "Am Ende entscheidet der Kopf. Wer den klarsten Kopf hat und dann noch das gute Auto, der gewinnt." Gegner, die verunsichert seien, machten Fehler. Deshalb schwärzte er Vettel auch im Qualifying von Suzuka bei den Kommissaren an, Vettel hätte ihn blockiert. Die Kommissare beließen es nach einer Anhörung bei einer Verwarnung des Deutschen. Doch Vettel war das ohnehin egal.
Berger, in seiner aktiven Zeit selbst ein Meister der Psychospielchen, sagt: "Bei Vettel funktioniert die Provokation nicht. Er ist ein Mentalkiller, im positiven Sinn. Völlig klar im Kopf, lässt sich nie von außen beeinflussen." An dem Deutschen scheine sich Alonso die Zähne auszubeißen. Formel-1-Experte Eddie Jordan geht noch weiter: "So gut Alonso auch ist, bei Vettel sieht er rot. Nur bei ihm neigt er zu Fehlern. Das könnte im Extremfall sogar den Titel kosten."