Großer Preis von Silverstone: Vettel erst mit Plattfuß, dann mit Bleifuß
Formel 1 Webber triumphiert in Silverstone
Hamburg - Mark Webber hat den Großen Preis von Großbritannien gewonnen. Der Red-Bull-Pilot setzte sich am Sonntag in Silverstone vor dem WM-Führenden Lewis Hamilton (McLaren) und Nico Rosberg im Mercedes durch. Durch den zweiten Platz baute der 25-jährige Hamilton seine Führung in der WM-Wertung deutlich aus und liegt jetzt mit 145 Punkten zwölf Zähler vor seinem Landsmann und Teamkollegen Jenson Button (133), der von Startplatz 14 noch auf Rang vier nach vorne fuhr. Webber (128) ist wieder Dritter.
Pech hatte Sebastian Vettel, der trotz einer beeindruckenden Aufholjagd vom Ende des Feldes als Siebter lediglich sechs Punkte holte, nachdem ihm McLaren-Pilot Lewis Hamilton unabsichtlich das rechte Hinterrad aufgeschlitzt hatte. Besonders ärgerlich: Noch im Qualifying war Vettel auf die Pole-Position gefahren, vor seinem Teamkollegen Webber.
"Phantastisch Jungs, nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer", sagte Webber nach der Zieldurchfahrt über Boxenfunk, und brachte noch einmal seinen Frust zum Ausdruck, dass er am Samstag für die Qualifikation seinen neuen Frontflügel an Vettel abtreten musste und hinter ihm nur auf Startplatz zwei gelandet war. "Gut gemacht, Mark. Jetzt kannst du lächeln", antwortete Red-Bull-Teamchef Christian Horner.
Auf der Pressekonferenz nach dem Rennen legte Webber dann nach: "Ganz ehrlich, ich hätte niemals einen Vertrag für nächstes Jahr unterschrieben, wenn ich gewusst hätte, dass dies die Art ist, wie sich die Dinge entwickeln", sagte er.
In der 28. Runde musste das Safety-Car auf die Strecke
Direkt hinter Vettel fuhren Adrian Sutil im Force-India (Mercedes), Rekordweltmeister Michael Schumacher im zweiten Mercedes und Williams-Pilot Nico Hülkenberg auf den Plätzen acht bis zehn in die Punkteränge. Timo Glock kam im Virgin auf Rang 18.
Webber erwischte gegenüber Teamkollege Vettel den besseren Start und zog vor der ersten Kurve an ihm vorbei auf Platz eins. Hinter Vettel startete Hamilton ebenfalls stark, berührte aber mit seinem Frontflügel leicht das rechte Hinterrad des Red Bull, das daraufhin Luft verlor. "Das war Pech für Sebastian", sagte Horner. Vettel rutschte dadurch gleich zweimal von der Strecke, fing sein Auto jeweils mit viel Mühe ab und musste zum Reifenwechsel die Box ansteuern. Anschließend war er mit großem Abstand Letzter.
Webber und Hamilton dagegen hatten an der Spitze freie Fahrt und setzten sich ab. Dahinter folgten Kubica und Rosberg, die beide an Alonso vorbeigegangen waren. "Ich hatte einen guten Start, aber dann hat mich Robert Kubica ein bisschen aufgehalten. Das war nicht einfach, weil Fernando Alonso hinter mir Druck gemacht hat", sagte Rosberg. "Der dritte Platz ist natürlich gigantisch für uns."
Schumacher gewann in der ersten Runde drei Plätze und fuhr auf Rang sieben vor, Button verbesserte sich sogar um sechs Positionen auf den achten Platz. Schumacher eröffnete in Runde elf die geplanten Reifenwechsel, verlor im Anschluss allerdings einen Platz an Sauber-Pilot Kamui Kobayashi. Für Rosberg, der vier Runden später stoppte, lief es besser. Er schob sich an Kubica vorbei. Hamilton (Runde 16) und Webber (Runde 17) hielten ihre Positionen an der Spitze.
Alonso kassiert Durchfahrtsstrafe
Der komfortable Vorsprung der beiden Führenden ging verloren, als in der 28. Runde das Safety-Car auf die Strecke musste, weil der Sauber von Pedro de la Rosa Teile seines Heckflügels verloren hatte. Schumacher war zu diesem Zeitpunkt Achter, direkt vor Sutil und Hülkenberg, Vettel lag auf Rang 15. Auf dem vierten Platz lag Ferrari-Pilot Alonso, der erst nach dem Ende der Safety-Car-Phase in der 30. Runde eine Durchfahrtstrafe antreten konnte, weil er in einem harten Zweikampf mit Kubica eine Kurve abgekürzt hatte. Der Spanier fiel wie schon bei seinem Heimspiel in Valencia weit zurück.
Während sich nach Freigabe des Rennens Webber und Hamilton schnell wieder absetzten, setzte Button Rosberg unter Druck. Schumacher verlor Platz sieben in einem harten Zweikampf mit Sutil. Vettel kämpfte sich Position um Position nach vorne und war in der 37. Runde als Zehnter erstmals wieder in den Punkterängen. Danach überholte er erst Hülkenberg und in der 41. Runde nach einem konsequenten Manöver auch Schumacher, der sich heftig gewehrt hatte. Danach hing Vettel aber lange hinter Sutil fest, den er erst in der vorletzten Runde überholen konnte.
"Wenn man gewinnen kann, dann ist das natürlich kein Trost", sagte Vettel über seine Aufholjagd und die damit verbundenen sechs WM-Punkte. Durch das schwache Abschneiden in England fiel er in der WM-Wertung vom dritten auf den vierten Platz zurück.