Formel 1: Zuschauer wenden sich ab - DER SPIEGEL
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Motorsport Zuschauer wenden sich von Formel 1 ab

Die Macher in der Formel 1 wollen das Problem totschweigen, doch es ist offensichtlich: Die Rennserie steckt in der Krise, Ticketverkäufe und TV-Quoten sind rückläufig. Selbst drastische Preissenkungen ändern daran nichts.
Formel 1 in Shanghai: Viele Fans lehnen die neuen Regeln ab
Formel 1 in Shanghai: Viele Fans lehnen die neuen Regeln ab

Formel 1 in Shanghai: Viele Fans lehnen die neuen Regeln ab

Foto: Wu Hong/ dpa
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Der Große Preis von Österreich galt im vergangenen Jahr noch als beispielhaft dafür, wie ein engagierter Veranstalter ein erfolgreiches Rennen organisieren kann. Über 90.000 Zuschauer kamen beim Comeback des Rennens an den Red-Bull-Ring, lange vor dem Rennwochenende waren alle Tickets verkauft. Bereits am Donnerstag fuhren Schlangen an Autos und Motorhomes auf die Campingplätze, im Umkreis von 50 Kilometern war kein Zimmer mehr frei.

Niki Lauda veranlasste das zu spöttischen Äußerungen über die deutschen Veranstalter am Nürburging und in Hockenheim. Diese schafften es eben einfach nicht, genügend Zuschauer anzuziehen. "Man muss eben mehr bieten, ein richtiges Event schaffen - so wie das in Österreich passiert ist. Da hat man ja gesehen, dass es funktioniert", sagte Lauda.

Inzwischen ist die Zuschauerkrise der Formel 1 auch in Österreich angekommen. Die Hoffnung, nach der Absage des deutschen Grand Prix zusätzliche Fans speziell aus dem süddeutschen Raum anzuziehen, wurde enttäuscht. Viele von jenen, die im vergangenen Jahr für ein ausverkauftes Rennen sorgten, kommen nicht wieder. Nur rund 50.000 Tickets wurden im Vorverkauf abgesetzt. Am Donnerstag war rund um die Strecke kaum etwas los und Zimmer gibt es diesmal auch in der etwas näheren Umgebung.

Warum das so ist? "Weil Red Bull hinterherfährt", versuchen sich einige die Situation schönzureden. Die Wahrheit indes dürfte anders aussehen. Denn aus dem klassischen Motorsportreich England kommt ein weiteres Alarmsignal: Die Veranstalter des in zwei Wochen stattfindenden Silverstone-GP, bisher angesichts der britischen Rennsportbegeisterung immer ein Erfolg, kündigten eine spezielle Rabatt-Aktion an: Wer jetzt Tickets kauft, bekommt sie 44 Prozent billiger. Offiziell eine Aktion, um Lokalmatador Lewis Hamilton, der ja mit der Startnummer 44 unterwegs ist, zu unterstützen. Aber hätte man bisher genügend Karten verkauft, wäre wohl niemand auf diese Idee gekommen.

Eine Million Zuschauer weniger als die Frauen-WM

Es ist inzwischen nicht mehr zu übersehen: Das grundsätzliche Interesse an der Formel 1 geht überall zurück - wegen der Mercedes-Dominanz und des Reglements, das die Fans nie wirklich akzeptiert haben. Dass die Übertragung des Kanada-GP bei RTL zuletzt trotz bester Sendezeit um 20 Uhr eine Million Zuschauer weniger hatte als die Übertragung von der Frauenfußball-WM zwei Stunden später, spricht Bände.

Erste Anzeichen hatte es schon im vergangenen Jahr in Österreich gegeben. Wenn man mit Fans auf den Tribünen sprach, war oft zu hören: "Na ja, wir sind halt jetzt einmal gekommen, um zu schauen. Aber so begeistert, dass wir nun nächstes Jahr unbedingt wiederkommen werden, sind wir nicht. Für das, was die heutige Formel 1 bietet, ist das alles einfach zu teuer." Weil zumindest die meisten Formel-1-Fans eben das Geschehen auf der Strecke zusammen mit echter, lauter Rennatmosphäre eben doch wichtiger ist, als sämtliche Events und Konzerte im Umfeld, auch wenn The Boss Hoss oder Andreas Gabalier auftreten.

Lauda fällt dazu derzeit nur ein, sich zu wundern, dass Red Bull als Veranstalter die schlechten Vorverkaufszahlen relativ offen kommuniziert - immer nach der schönen Methode vieler Formel-1-Verantwortlicher, offenbar zu glauben, Probleme würden davon verschwinden, dass man sie einfach totschweige.

Immerhin gibt er zu, dass es eben wohl doch schwieriger sei, beim zweiten Rennen genauso ein Interesse zu generieren wie beim Comeback der Strecke im Rennkalender. Und dass man sich in Sachen Ticketpreise vielleicht doch irgendwann einmal etwas überlegen müsse. Die billigsten Tickets, die man derzeit für das Wochenende noch kaufen kann, kosten 250 Euro.

Die Formel-1-Fahrergewerkschaft GPDA hat vor knapp vier Wochen in Monaco im Internet eine Umfrage gestartet, bei der die Fans ihre Wünsche äußern sollten, wie sie sich eine attraktivere Formel 1 vorstellen. "Die Resonanz darauf war riesig", sagt Nico Rosberg.

Die Ergebnisse sollen an diesem Wochenende präsentiert werden. Man darf aber schon davon ausgehen, dass günstigere Tickets, lautere Motoren, ein leichter verständliches Reglement, mehr Fahrer- und weniger Teameinfluss in der Wunschliste ziemlich weit oben stehen werden.

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