Freies Training Gebrüder Schumacher vorneweg
Barcelona - Am Schumacher-Tag hat David Coulthard in Barcelona die letzten Zweifel an seiner körperlichen und mentalen Verfassung ausgeräumt. Der Schotte fuhr nur drei Tage nach dem Flugzeugabsturz, den er wie durch ein Wunder unverletzt überstand, im ersten freien Training zum Großen Preis von Spanien (Sonntag 14.00 Uhr/live in Premiere World und RTL) auf den fünften Platz. Damit gewann der 29-Jährige im McLaren-Mercedes das interne Duell gegen seinen Teamkollegen und Weltmeister Mika Häkkinen aus Finnland, der Siebter wurde.
"Ich fühle mich gut, die Prellung am Beckenknochen bereitet mir keine Probleme. Ich möchte allen danken, die mir die Möglichkeit gegeben haben, mich auf dieses Rennen zu konzentrieren", meinte Coulthard nach seinem mit Spannung erwarteten Auftritt auf der Rennstrecke. Der Schotte benötigte auf dem 4,730 km langen Circuit de Catalunya 1:22,651 Minuten für seine beste Runde. Damit war er mehr als eine halbe Sekunde langsamer als WM-Spitzenreiter Michael Schumacher, der im Ferrari in 1:21,982 Bestzeit fuhr.
"Ich bin zufrieden, das war ein guter Tag für die Abstimmung des Autos. Die meiste Arbeit haben wir aber beim Testen in der vergangenen Woche hier erledigt", sagte Michael Schumacher. Der Kerpener führt in der WM-Wertung vor dem fünften Rennen mit 34 Punkten klar vor Silverstone-Sieger Coulthard (14) und Häkkinen (12), die in den vergangenen beiden Jahren in Barcelona jeweils einen McLaren-Doppelerfolg feierten: Häkkinen siegte zweimal vor Coulthard und Schumacher.
Auf die zweite Position fuhr überraschend Michaels Bruder Ralf im BMW-Williams (1:22,509) vor dem Brasilianer Rubens Barrichello im Ferrari (1:22,549) und Jordan-Pilot Jarno Trulli (Italien/1:22,582). "Es war ein störungsfreier Tag. Das bringt Stabilität, weil wir jetzt mehr Zeit für die Abstimmungsarbeit des Autos haben", sagte BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger.
Heinz-Harald Frentzen aus Mönchengladbach, der Reifen schonte und deshalb nur drei Runden drehte, kam im Jordan-Mugen-Honda auf den neunten Rang (1:23,495). "Warum soll ich heute meine Kräfte vergeuden?", meinte Frentzen. Formel-1-Neuling Nick Heidfeld (Mönchengladbach) landete im Prost auf Platz 18 (1:24,582).
Der "Fall Coulthard" sorgte auch am Freitag für die meisten Schlagzeilen und beschäftigt sogar die Psychologen. "Wenn einem so was passiert ist, wird die Gefahr zur Banalität. Man muss aber aufpassen, dass man die Gefahr nicht unterschätzt und denkt: Es kann einem nichts mehr passieren", warnt der Essener Sportpsychologe Dr. Uli Kuhl. Er weiß aus Erfahrung, "dass so ein Unglück manchmal die ganze Lebenseinstellung verändern kann".
Der frühere Formel-1-Pilot und Coulthard-Berater Martin Brundle hat indes keine Bedenken: "David hat sich total unter Kontrolle. Er hat mir nach Silverstone gesagt, dass er keinen Fehler machen kann und sich unschlagbar fühlt." Brundle, der 1996 in Melbourne einen schweren Unfall unverletzt überlebte, kann die Gefühle des Freundes gut nachvollziehen: "Auch ich bin damals dem Tod knapp entkommen. Ich spürte eine Euphorie, die unvergleichlich ist. Man genießt jeden Tag, jede Stunde. Jedes Mal, wenn man die Augen aufmacht, ist das ein Bonus."