Geldspritze Ecclestone will Minardi nicht sterben lassen
Montreal - "Wir beide haben das Geschäft per Handschlag besiegelt, das reicht mir. Ich werde meinen neuen Teilhaber jedenfalls mit offenen Armen empfangen", sagte Stoddart am Sonntag. Die Höhe der Summe - angeblich sind es vier Millionen Dollar - mochte der Australier allerdings nicht bestätigen. "Es ist genug Geld, um ein Lachen in mein Gesicht zu bringen", so Stoddart.
Ecclestone wollte kein großes Aufheben um die Rettungsaktion machen. "Wir sollten mit dem ganzen Geschwätz aufhören und mit dem Sport weitermachen. Wir alle sind Racer und keine Bankiers", sagte der Brite. Trotz Ecclestones Engagement werde er auch in Zukunft die "totale Kontrolle" bei Minardi behalten, versprach Stoddart: "Bernie ist mein passiver Investor. Er hat alles eingefädelt, weil er nicht will, dass die Formel 1 durch irgendeine Krise Schaden nimmt, solange er dabei ist."
Minardi, seit 1985 weitgehend erfolglos in der Formel 1 aktiv, drohte als drittes Team in nur zwei Jahren nach Prost und Arrows durch die enormen Kosten für den Rennzirkus in den Ruin getrieben zu werden. Derzeit sind nur zehn Rennställe in der Königsklasse engagiert, bei jedem weiteren Ausstieg müssten laut Fia-Präsident Max Mosley sechs der verbliebenen Teams je drei Autos einsetzen. Neben Minardi, dessen Saisonetat unter 30 Millionen Euro liegt, haben auch Jordan und Sauber mit finanziellen Problemen zu kämpfen.
Stoddarts Drohung zahlte sich aus
Mit Ecclestone soll bei Minardi alles besser werden, hofft Stoddart: "Bernie ist der beste Sponsorenauftreiber der Welt. Allein sein Name reicht schon, und die Leute stehen bei uns Schlange. Ab jetzt wird Minardi die Budgets haben, von denen wir bisher nur geträumt haben." Noch vor zwei Tagen schien ein Einstieg Ecclestones bei Minardi unmöglich zu sein, hatten sich doch beide Parteien öffentlich gestritten.
Stoddart hatte die reicheren Rennställe auf einer Pressekonferenz der Lüge bezichtigt und sich lautstark über deren mangelnde Unterstützung beklagt: "Leider machen manche Teamchefs Versprechungen, die sie dann nicht einhalten." Der Minardi-Teamchef drohte damit, die Zustimmung seines Teams zu künftigen Regeländerungen doch zu verweigern, die die F1-Kommission erst kürzlich vereinbart hatten. Ecclestone zeigte sich sehr verägert, besann sich dann aber eines Besseren. Sein Kalkül ist klar: Das Aus für ein weiteres Team würde die ohnehin in der Krise steckende Formel 1 weiter schädigen.