GP von Australien Retter Rosberg
In diesen Tagen sind gewisse Parallelen zwischen der Formel 1 und dem Fußball nicht zu leugnen. Talentierten Balltretern reichen hierzulande oft eine Handvoll gelungener Bundesliga-Spiele, um von den Medien zum Nationalspieler berufen zu werden. Allerdings sah man solche Akteure wenig später dann sehr selten im deutschen Dress. Ein ähnliches Phänomen war zu Beginn dieser Woche auch in der Formel 1 zu beobachten. Der Unterschied: Das Talent hatte erst einen einzigen überzeugenden Auftritt abgeliefert.
Die Rede ist von Formel-1-Neuling Nico Rosberg. Das Fachmagazin "Motorsport aktuell" hatte in seiner neuesten Ausgabe vor dem Großen Preis von Australien am Sonntag (6 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) über Rosbergs möglichen Wechsel zu McLaren-Mercedes spekuliert. Wie sonst eher im Fußball üblich, war sogar eine hohe Ablösesumme (25 Millionen Dollar) im Gespräch. Der Rennstall wiegelte ab. "Über eine gemeinsame Zukunft in der Formel 1 sprechen wir derzeit nicht", sagte ein McLaren-Sprecher, um nachzuschieben: "Wir sind von Nicos Leistung in dieser Saison beeindruckt, und wir kennen ihn gut."
Mit der "beeindruckenden Saisonleistung" muss der McLaren-Sprecher wohl Rosbergs siebten Platz beim Auftaktrennen in Bahrein gemeint haben. Denn am vergangenen Wochenende fuhr der 20-Jährige zwar im Qualifying zum Großen Preis von Malaysia auf einen viel versprechenden dritten Rang, sein Rennen war allerdings nach zehn Runden aufgrund eines Motorschadens beendet. Bei allem Respekt für seine Leistungen erscheint Rosbergs Kür zu einem Spitzenfahrer nach diesen beiden Rennen doch etwas voreilig.
Hinter dem Vorstoß des deutschen Automagazins könnte neben der Veröffentlichung einer vermeintlich exklusiven Information eine ganz andere Intention gesteckt haben. Schließlich ist der Erfolg der hiesigen Medien eben auch von dem der deutschen Identifikationsfiguren in der Königsklasse abhängig. In diesem Bereich drohen in den nächsten Jahren Mangel. Weltmeister Michael Schumacher, 37, dreht derzeit wohl seine Abschiedsrunden im Ferrari, dessen Bruder Ralf, 30, taugt aufgrund mangelnder Erfolge bei Toyota kaum zu einem quotenträchtigen Nachfolger. BMW-Mann Nick Heidfeld, 28, hat das Image des ewigen Talents.
Da ist es gut, einen jungen charismatischen Piloten in der Hinterhand zu haben, der noch dazu einen berühmten Vater mit zahlreichen Erfolgen aus der Vergangenheit (Keke Rosberg) aufweisen kann. Der Junior freut sich über die Schlagzeilen der vergangenen Tage. "Dass so über mich gesprochen wird, ist fantastisch, speziell für einen jungen Fahrer wie mich. Ich denke, etwas Besseres hätte gar nicht passieren können", so Nico Rosberg, der betonte, sich bei Williams sehr wohl zu fühlen. "Ich bin glücklich da, wo ich bin."
Fia-Ultimatum hat wohl gefruchtet
Vielleicht nicht glücklich, aber zumindest sehr zufrieden sind der Weltmotorsport-Verband Fia und F1-Vermarkter Bernie Ecclestone. Die fünf abtrünnigen Hersteller um BMW und DaimlerChrysler, die sich in der Grand Prix Modelers Association (GPMA) zusammengeschlossen haben, schrieben sich jüngst für die Saison 2008 ein. Das Ultimatum von Fia-Präsident Max Mosley, der die Abweichler aufgefordert hatte, sich bis spätestens bis zum 31. März zu melden oder auf ein Mitspracherecht zu verzichten, hat anscheinend gefruchtet. Eine Konkurrenzserie zur F1, mit der neben den beiden deutschen Herstellern auch Renault, Toyota und Honda gedroht hatten, wird es vorerst nicht geben.
Als Verlierer im Machtkampf mit der Fia sieht sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nicht. "Die Hersteller haben nicht klein beigegeben. Sie fühlen sich nicht in die Knie gezwungen." Von Rebellion ist allerdings auch nichts mehr zu sehen. So gaben Toyota und die Fia bekannt, dass ab der kommenden Saison der Große Preis von Japan wieder auf der herausgeputzten Toyota-Strecke in Fuji statt in Suzuka ausgetragen wird.
Dennoch sind bei Weitem nicht alle Details geklärt, auch wenn Ecclestone dies immer wieder gerne betont. Denn das "Concorde Agreement", das ab 2008 gelten soll und bis 2012 die Verteilung der Erlöse regelt, haben die GPMA-Teams noch nicht unterschrieben. "Wir wollen einen Teil des Kuchens haben", sagte Haug, der zugleich "eine klare Steigerung der Einnahmen, ein liberales Reglement und eine deutliche Kostensenkung" von Ecclestone fordert.
Haugs zukünftigen Piloten, Fernando Alonso, der ab 2007 für McLaren fährt, beeinflussen die Streitigkeiten derzeit überhaupt nicht. Der Weltmeister strotzt vor Selbstvertrauen. "Das Auto war in den ersten beiden Rennen perfekt. Ich denke, dass wir überall sehr schnell sein werden", sagte der Renault-Pilot und betonte: "Jetzt will ich in Melbourne gewinnen."
Auch Michael Schumacher, der mit elf Punkten in der WM-Wertung sieben Zähler Rückstand auf Alonso hat, konzentriert sich auf das Rennen. "Mit uns muss man wieder rechnen, das ist ein tolles Gefühl", sagte er. Mit Ecclestone muss sich Schumacher nicht herumärgern. Ferrari hat wie sechs weitere Teams das Agreement bereits vor einiger Zeit unterzeichnet - genau wie Rosbergs Williams-Rennstall.