GP von Brasilien Barrichello in Schumachers Windschatten
São Paulo - Lokalmatador Rubens Barrichello will den Stier endlich bei den Hörnern packen und in der heimatlichen Arena zum ersten Mal den Triumphmarsch genießen. "Nach sieben Jahren ist dies der richtige Moment, einen Grand Prix zu gewinnen", verkündete der Formel-1-Pilot aus Brasilien vor seinem "Heimspiel" in São Paulo selbstbewusst - und katapultierte sich damit in Reihe eins der Schumacher-Konkurrenten. Der zweimalige Weltmeister aus Kerpen hat nun in Barrichello einen Gegner mehr. Aus der Ruhe brachte ihn dies zunächst dennoch nicht: Mit Strandbummel und Shopping in Rio de Janeiro bereitete sich "Schumi" am Dienstag auf den Grand Prix vor.
Läuft Barrichellos Ferrari wie beim zweiten Platz in Australien wieder wie geschmiert, könnte der kommende Sonntag zu einem Edelstein im Leben von "Rubinho" werden: Ein Sieg ausgerechnet in seiner Geburtsstadt - das wäre das Größte für den kleinen Brasilianer. Es wäre sein erster Erfolg beim achten Auftritt in Interlagos, bei seinem zweiten Rennen für Ferrari und im 115. Grand Prix seiner wechselvollen Karriere.
"Dies zu schaffen, wäre etwas Besonderes. Aber dafür müsste ich vor Michael starten", erklärte Barrichello und stellte klar: "In Interlagos ist die Pole Position mein Ziel." Soll sich sein großer Traum vom ersten Sieg erfüllen, müsste er im Rennen am Sonntag (Start: 19.00 Uhr MESZ/live bei RTL und Premiere World) aber nicht nur Auftaktgewinner Schumacher schlagen. Die Silberpfeile von McLaren-Mercedes mit Weltmeister Mika Häkkinen und David Coulthard werden nach dem Totalausfall in Melbourne besonders motiviert sein.
Auch Schumacher erwartet den ersten heißen Zweikampf zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes. "Die Silberpfeile werden zurückschlagen", sagte der 31-Jährige, "wir können uns nicht ausruhen." Dies konnte "Schumi" nur ein paar Tage mit der Familie in seiner Schweizer Wahlheimat. Ein Tag war für seinen persönlichen Sponsor ("Omega") reserviert; schon am Sonntag düsten der zweifache Weltmeister und Ehefrau Corinna ab nach Brasilien.
Auf dem Weg zum erhofften ersten Titel mit Ferrari stimmt bei Schumacher nach dem Traumstart in Down Under nicht nur die Motivation - auch am Material wird ständig "gefeilt". Sein roter Dienstwagen F1-2000 soll beim zweiten Saisonrennen in Brasilien (noch) besser werden. "Der Ferrari in Melbourne war fast perfekt", versicherte Ross Brawn, der Technische Direktor von Ferrari. "In Brasilien werden wir Neuigkeiten präsentieren, vor allem die Aerodynamik modifizieren." Das Ziel ist klar: Der zweite Sieg im zweiten Rennen - und das laut Brawn auf einer Piste, "die eigentlich schwierig für uns ist".
Der Sieg eines Brasilianers in São Paulo ist fast überfällig: Letztmals jubelten die heißblütigen Fans vor sieben Jahren einem Landsmann zu, dem legendären Ayrton Senna, der 1993 triumphierte und im Jahr darauf tödlich verunglückte. Schumacher gewann in seinen Weltmeister-Jahren 1994 und 1995. Landet diesmal Barrichello - vor Jahren etwas vorschnell schon als "zweiter Senna" hoch gejubelt - seinen Coup, wäre die Dauerdiskussion um den Nummer-1-Status neu entfacht. Obwohl eigentlich alles ganz klar ist. Schumacher über Barrichello: "Man kann niemanden per Vertrag langsamer machen. Wenn er schnell ist, dann ist er schnell. Dann ist er Nummer eins."