GP von Frankreich: Doppelsieg der Silberpfeile - DER SPIEGEL
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GP von Frankreich Doppelsieg der Silberpfeile

David Coulthard und Mika Häkkinen haben in der Hitze von Magny-Cours kühlen Kopf bewahrt und den drohenden Alleingang von Michael Schumacher gestoppt. Coulthard siegte vor Häkkinen, Schumacher hingegen fiel 12 Runden vor Schluss an zweiter Position gelegen mit einem Motorschaden aus.
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Magny-Cours - Als Michael Schumachers Hoffnungen auf eine vorgezogene WM-Feier in Rauch aufgingen, nutzte McLaren-Mercedes die Gunst der Stunde und machte mit dem dritten Doppelsieg der Saison durch David Coulthard (Schottland) und Weltmeister Mika Häkkinen (Finnland) das Titelrennen in der Formel-1-WM 2000 wieder spannend. Beim Großen Preis von Frankreich gewann Coulthard vor fast 100.000 Zuschauern nach 72 Runden überlegen sein drittes Saisonrennen nach Silverstone und Monte Carlo und bescherte den Silberpfeilen den ersten Erfolg in Magny-Cours überhaupt. In der WM-Gesamtwertung verkürzte der Schotte den Rückstand auf Spitzenreiter Schumacher nach dem neunten von 17 Rennen auf nur noch zwölf Punkte.

Schumacher war schon vor dem Silberpfeil-Formationsflug traurig in der Ferrari-Box verschwunden. Der Kerpener hatte das Rennen bis zum ersten Boxenstopp diktiert und angeführt, musste Coulthard dann allerdings in einem beinharten Duell die Führung überlassen und in Runde 59 aufgeben, als Rauchwolken aus dem Ferrari-Heck einen kapitalen Motorschaden ankündigten.

"Plötzlich hörte ich komische Geräusch, die Motorleistung ließ nach", sagte Schumacher nach dem zweiten Ausfall in dieser Saison nach Monaco. Der Deutsche räumte selbstkritisch ein, dass Ferrari offenbar über die Distanz im Vergleich zu McLaren Probleme habe. "Ich will jetzt aber nicht über die Ursache spekulieren. Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit, das müssen wir erst genau untersuchen", meinte Schumacher, in Magny-Cours mit vier Siegen ungekrönter Formel-1-König.

Nach Schumachers Aus war der Weg für Häkkinen zum zweiten Platz frei. Der Finne durfte Coulthard aber nicht mehr angreifen und kam mit einem Rückstand von 14,4 Sekunden ins Ziel. Für McLaren war es der dritte Doppelschlag in dieser Saison nach Silverstone und Barcelona und der insgesamt 38. seit 1968. In der Gesamtwertung belegt Häkkinen mit 38 Zählern weiterhin den dritten Platz hinter Schumacher (56) und Coulthard (44), dessen Vertrag am Freitag für ein weiteres Jahr verlängert worden war.

Die Ferrari-Ehre rette der Brasilianer Rubens Barrichello auf dem dritten Rang vor Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (Kanada) im BAR-Honda. Ralf Schumacher holte als Fünfter im BMW-Williams zwei WM-Punkte, die Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen (Jordan) und Nick Heidfeld (Prost) gingen auf den Plätzen sieben und zwölf leer aus.

Im Titelkampf haben die McLaren durch den Doppelsieg kräftig Boden gut gemacht. "Natürlich bin ich enttäuscht, weil ich wichtige Punkte verloren habe", meinte Schumacher: "Bis zu meinem ersten Boxenstopp hatte ich noch alles unter Kontrolle. Ich habe immer gewarnt, dass die WM noch lange nicht entschieden ist, es bleibt spannend. Technische Defekte können jedem passieren, das gehört zum Motorsport."

Zu der Beinahe-Kollision mit Coulthard, als Schumacher im Kampf um Platz eins rigoros die Tür zumachte und der McLaren-Pilot erbost den "Stinkefinger" zeigte, sagte der Kerpener: "Ich verstehe nicht, warum David sich aufregt. Es ist doch selbstverständlich, dass ich meinen Platz verteidige. Aber er sieht solche Situationen ja oft völlig anders." Allerdings erhob auch McLaren-Teamchef Ron Dennis heftige Vorwürfe gegen den Deutschen: "Das ist eine ganz schlimme Unart, typisch für Schumacher."

Coulthard entschuldigte sich später für "meine unsportliche Geste", blieb aber bei seiner Meinung: "Das war nicht sehr sportlich und obendrein auch gefährlich." Das zweite und für ihn erfolgreiche Überholmanöver bezeichnete der Schotte dann allerdings als "hart, aber fair".

Ausgelassen feierte McLaren-Mercedes die sportliche Wiederauferstehung, nachdem Schumacher in dieser Saison schon fünf Rennen gewonnen hat und gähnende Langeweile drohte. "Vielleicht war das die Wende. David ist großartig gefahren und hat den Sieg verdient", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Noch beim Start trickste Ferrari die silberne Konkurrenz aus. Schumacher, der zum 27. Mal auf der Pole Position stand, behauptete problemlos den Spitzenrang. Dahinter schob sich Barrichello auf Platz zwei, Coulthard und Häkkinen blieb das Nachsehen. Doch dann unterlief Barrichello ein kleiner Fahrfehler, den Coulthard sofort ausnutzte und sich an dem Brasilianer vorbei an die zweite Stelle schob. Danach legte das Spitzen-Quartett zwischen Runde 22 und 26 jeweils den ersten Boxenstopp ein.

Coulthard war danach der schnellste Fahrer, kam Schumacher immer näher. In Runde 34 kam es beinahe zum Crash zwischen den beiden. Sechs Runden später hatte Schumacher keine Chance, als sich Coulthard vorbeischob, dabei berührten sich die Fahrzeuge mit den Rädern. Zwischen der 44. und 46. Runde kamen die ersten Vier zu ihren jeweils zweiten Stopps an die Box. An der Reihenfolge änderte sich zunächst nichts, bis Schumacher langsamer wurde, Häkkinen kampflos den zweiten Platz überlassen musste und danach den defekten Ferrari abstellte.

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