GP von Indianapolis Ralf Schumachers Schrecken
Indianapolis - Was hatten die Formel-1-Piloten nicht gespottet am vergangenen Wochenende. Ralf Schumacher hatte es ihnen aber auch einfach gemacht. Beim GP von Kanada drehte sich der Toyota-Fahrer wegen seiner falschen Reifenwahl mehrmals in der gleichen Kurve von der Piste. Er fuhr in die Box, doch dort stand schon Teamkollege Jarno Trulli. Vor lauter Frust raste Schumacher durch die Boxengasse und bekam dafür eine Durchfahrtsstrafe. Schließlich musste er sein Auto als Schlusslicht abstellen.
Es war der traurige Höhepunkt einer bisher verkorksten Saison Schumachers. Gerade mal einen Punkt holte er aus den vergangenen sechs Rennen, insgesamt hat er acht Zähler auf dem Konto. Heute, zum Auftakt des Grand Prix von Indianapolis, wird Schumacher 31 Jahre alt, beim Rennen am Sonntag (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will er vorne mitmischen. "Es wäre das schönste Geburstagsgeschenk für mich, wenn ich hier zum ersten Mal ganz weit vorn ins Ziel kommen würde", sagt Schumacher.
Für ein gutes Resultat ist es höchste Zeit. Toyota ging mit einem 300 Millionen Budget in die Saison, WM-Siege, ja auch der Titel waren das Ziel. Doch davon ist man weit entfernt. Der Druck auf Ralf Schumacher wächst. Zurecht, ist er doch mit 17 Millionen Euro Jahresgehalt Bestverdiener in der Formel 1 hinter Bruder Michael (35 Millionen) und Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen (20). Toyota ist unzufrieden, jedenfalls hat bisher noch niemand mit Schumacher über eine Verlängerung seines Vertrages über 2007 hinaus gesprochen.
Und ausgerechnet in dieser schwierigen Phase steht das Rennen in Indianapolis, Schumachers Angstkurs, auf dem Programm. 2004, damals noch im BMW-Williams, sorgte ein Reifenplatzer hier für den brutalen Einschlag seines Autos in die Mauer, bei dem er sich zwei Wirbel brach und sechs Rennen pausieren musste. Ein Jahr später, im Toyota, widerfuhr ihm bei Tempo 300 nach einem wiederholten Reifenschaden ein ähnlicher Crash. Er war längst Zuhause, als bei der größten Farce der Formel-1-Geschichte die 14 mit Michelin bereiften Autos aus Sicherheitsgründen nicht starten konnten. Es fuhren nur sechs Boliden mit Bridgestone-Reifen, die Fans warfen Bierbüchsen auf die Strecke, und Sieger Michael Schumacher wurde beschimpft.
"Dreimal hintereinander Pech geht einfach nicht. Deshalb gehe ich mit einem ganz normalen Gefühl an das Rennen ran", sagt Ralf Schumacher: "Mit Bridgestone haben ja einen anderen Reifenhersteller." 2005 war Toyota noch mit Reifen der französischen Firma Michelin unterwegs.
Auch Michael Schumacher setzt auf Bridgestone-Gummis. Er will beim GP der USA seinen vierten Sieg in Folge feiern. Doch klingen seine Worte vor dem Rennen wie Durchhalteparolen, zu groß scheint der 25-Punkte-Vorsprung von Weltmeister Fernando Alonso. "Wir haben klare Fortschritte gemacht. Wir entwickeln, kämpfen, mehr können wir nicht tun", erklärt der Ferrari-Pilot, der in den USA noch nie schlechter als auf Rang zwei platziert war.
Am unbeschwertesten tritt Williams-Pilot Nico Rosberg in Indianapolis auf. Er wird wohl auf das erste freie Training am Freitag verzichten. Stattdessen gönnt sich der 21-Jährige das zeitgleich stattfindende WM-Viertelfinale zwischen der deutschen Mannschaft und Argentinien. "Wir werden wohl aussetzen, und darüber freue ich mich", sagt Rosberg. "Dann kann ich Fußball im Fernsehen anschauen."