GP von Japan: Der doppelte Schumacher - DER SPIEGEL
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GP von Japan Der doppelte Schumacher

Wenn Fernando Alonso am Sonntag in Suzuka ins Rennen geht, hat er gleich beide Schumacher-Brüder vor sich - und dazu offenbar noch die schlechteren Reifen an seinem Renault. Der Chef des Spaniers wirft Ferrari unfaires Verhalten im Qualifying vor.
Von Jörg Schallenberg
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Damon Hill hat sicher Recht. Zwar nicht unbedingt mit seiner pünktlich zum Großen Preis von Japan verbreiteten Ansicht, dass Michael Schumacher der Formel 1 nicht gut getan habe – aber dafür mit der schönen Erkenntnis: "Psychisch ist Michael kugelsicher." Hill, der Formel-1-Weltmeister von 1996, muss es wissen. Zu seiner aktiven Zeit duellierten sich der Brite und der Deutsche aufs Heftigste – und es spricht für Schumacher, dass er solche Attacken, wie jene, als er Hill 1994 von der Piste und sich damit zum Titel rammte, schon lange nicht mehr nötig hat.

Die nervenaufreibende Aufholjagd im Laufe der Saison hat der – noch - siebenfache Weltmeister offenbar ebenso locker weggesteckt wie die verbalen Attacken seines Konkurrenten in den vergangenen Wochen. Nachdem beide Ferrari am Samstag in die erste Startreihe für das Rennen (Sonntag 7 Uhr / Liveticker SPIEGEL ONLINE) fuhren, sieht es zudem danach aus, dass die punktgleichen Titelrivalen Schumacher und Alonso (je 116 Zähler) womöglich im Rennen gar nicht aufeinander treffen. Der Renault-Pilot startet nur von Platz fünf neben seinem Teamgefährten Giancarlo Fisichella. Zwischen den Ferrari und den Renault haben sich ausgerechnet die beiden Toyotas von Ralf Schumacher und Jarno Trulli geschoben.

Diese Konstellation kann Alonso ganz und gar nicht gefallen. Nun hat er nicht nur gleich zwei Schumachers vor sich, sondern zudem zwei hoch motivierte Piloten, die im Heimatland ihres Arbeitgebers zeigen wollen, was in ihnen und in den Boliden steckt. Denn das kostspielige Formel-1-Engagement von Toyota ist im Mutterkonzern mangels Erfolgen schon seit langem in die Kritik geraten.

Für ein gutes Abschneiden von Trulli und dem jüngeren Schumacher-Bruder sprechen aber nicht nur die selbstbewussten Aussagen des Deutschen, der ein Podiumsplatz anstrebt, sondern insbesondere ihr Reifenlieferant. Sowohl Ferrari als auch Toyota setzen im Gegensatz zu Renault auf Bridgestone und scheinen damit in Suzuka entscheidende Vorteile im Rennen zu besitzen. Das sieht auch Ralf Schumacher so: "Ich rechne damit, dass wir uns die Renaults vom Leib halten können, wenn wir beim Start vor ihnen bleiben."

Seinem großen Bruder wäre das sehr recht, auch wenn er nach dem Qualifying nur darauf spekulieren wollte, dass sein Teamkollege Massa Alonso bremsen werde: "Ich wäre nicht böse, wenn Fernando Dritter wird und ich gewinne. Das wäre eine optimale Konstellation für uns alle."

Renault-Teamchef Flavio Briatore ist dagegen nicht gut auf Massa zusprechen. "Er ist ein kleines Kind. In jeder Hinsicht klein!", wetterte der Italiener am Samstag. Laut Briatore soll der Ferrari-Pilot Fernando Alonso im Qualifying blockiert haben. Der Renault-Boss kündigte an, mit Renndirektor Charlie Whiting über den Vorfall sprechen zu wollen: "Aber es wird nichts passieren. Wir kennen seine Antwort bereits."

Beim Großen Preis von Italien im September war Alonso um zehn Startplätze nach hinten versetzt worden, weil er Michael Schumacher in der Qualifikation behindert haben soll. Mittlerweile hat der Welt-Rennverband Fia allerdings wegen der damaligen Renault-Proteste seine Regeln geändert, so dass nun nur noch ein absichtliches Blockieren bestraft werden kann. Massa war sich keiner Schuld bewusst: "Das war in der ersten Runde. Da war er kurz hinter mir. Dann bin ich rübergezogen, und das wars. So ist das halt im Qualifying." An der Startaufstellung dürfte sich bis zum Rennbeginn nichts mehr ändern. An Schumachers Vorteilen auch nicht.