GP von Monaco "Hier wird Adrenalin freigesetzt"
Monte Carlo - Eigentlich kann Michael Schumacher so schnell nichts aus der Bahn werfen. Doch immer, wenn die Formel 1 in Monaco gastiert, bekommt der zweimalige Weltmeister glänzende Augen. Voller Hochachtung und Respekt spricht der Kerpener über das 3,36 Kilometer lange Kurven-Labyrinth, die ultimative Mutprobe für jeden Rennfahrer. "Diese Strecke ist einzigartig, eine Herausforderung, weil sie immer wieder sehr viel Adrenalin freisetzt. Man muss in jeder Sekunde verdammt vorsichtig sein, darf sich keinen Fehler erlauben", meint der Ferrari-Star, mit bisher vier Siegen der aktuell erfolgreichste Fahrer im Fürstentum.
Sollte Schumacher am Sonntag (14 Uhr/live in Premiere World und RTL) der fünfte Erfolg in Monte Carlo nach 1994, 1995, 1997 und 1999 gelingen, könnte er dem ersten WM-Titel mit Ferrari ein großes Stück näherkommen. Gleichzeitig hätte der Deutsche ein weiteres Kapitel Formel-1-Geschichte geschrieben, denn er würde mit dem Engländer Graham Hill gleichziehen, der es ebenfalls auf fünf Monaco-Siege brachte. Nur der legendäre Brasilianer Ayrton Senna war mit sechs Triumphen beim berühmtesten Grand Prix der Welt noch erfolgreicher.
"Logisch fühle ich mich als Favorit", sagt Schumacher, der vier der bisherigen sechs Saisonrennen gewann, räumt jedoch sofort ein: "Zusammen mit Häkkinen, Coulthard und Barrichello. Diese vier Autos sind im Moment in der Lage, aus eigener Kraft ein Rennen zu gewinnen, und einer dieser vier wird es auch diesmal machen." Im WM-Klassement liegt Schumacher (46 Punkte) bereits 18 Zähler vor Weltmeister Mika Häkkinen, der auch schon einmal den Sieger-Pokal aus den Händen von Fürst Rainier in Empfang nehmen durfte (1998).
"Mika ist Michael ein ebenbürtiger Gegner, unter allen Bedingungen", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der davor warnt, die Silberpfeile abzuschreiben: "Der Titel wird bestimmt nicht ohne uns vergeben. Wir sind jetzt in der Rolle des Jägers, aber da kann man angreifen. Wir können die Sache ganz relaxed angehen, denn wir waren schon zweimal Weltmeister. Die anderen müssen den Titel erst noch holen."
Für Schumachers Manager Willi Weber steht das Ergebnis in Monte Carlo eigentlich schon fest: "Michael wird das Rennen machen, denn das ist seine Strecke. Hier kann er seine fahrerischen Stärken voll ausspielen." Sein Schützling erklärt den unvergleichlichen Reiz und Nervenkitzel beim Tanz durch die engen Straßenschluchten: "Es gibt immer wieder Momente, in denen man in Monte Carlo kurz davor ist, die Leitplanke zu berühren. Aber gerade das gibt den ganz speziellen Kick, dort zu fahren."
Fast schon vorentscheidend kann in Monaco der Startplatz sein, da Überholen auf dem Stadtkurs, mit einem Rundenschnitt von knapp 150 km/h die langsamste Formel-1-Rennstrecke der Welt, so gut wie unmöglich ist. "Ein Platz in der ersten Reihe sollte es schon sein, das ist hier die halbe Miete", sagt Schumacher. Seit dem Großen Preis von Ungarn am 15. August 1999 in Budapest (Mika Häkkinen) hat allerdings kein Fahrer mehr ein Rennen von der Pole Position aus gewonnen.