GP von Österreich Opfer im eigenen Stall
Zeltweg/Rom/Hamburg - Nach dem Großen Preis von Österreich zeigte Italiens Presse besonders viel Mitleid. "Schumacher ist der Marionettenspieler, Barrichello die Marionette", stellte "La Repubblica" fest. Die Konkurrenz hingegen kritisierte jenen Bremsbefehl scharf, den Teamchef Jean Todt seinem Fahrer Rubens Barrichello siebenmal über Bordfunk in die Ohren schrie: "Let Michael pass for the championship!" Nachdem er sich fünf Runden lang gesträubt hatte, tat der Brasilianer schließlich wie ihm geheißen, und ließ den an dritter Position liegenden Schumacher vorbeiziehen.
Eine Kastration des Sports?
"Wenn man den Sport kastriert, ist er vielleicht eines Tages nicht mehr interessant. Mir tut es schrecklich leid für einen, der ein phantastisches Rennen gefahren ist und nicht das bekommt, was er verdient", mischte sich DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert in die Geschäfte der "Roten" ein. McLaren-Teamchef Ron Dennis spottete: "Warum sollen wir deren Strategie übernehmen und Rennen verlieren?"
Sogar im in Sachen Ferrari zum Realitätsverlust neigenden Italien hagelte es Kritik: Von "Schande" war die Rede, die Integrität der Scuderia wurde offen in Frage gestellt. "Es ist enttäuschend, zu sehen, wie der prestigeträchtigste Rennstall der Welt schäbige Tricks benutzt, um ein Ergebnis zu verbessern", schrieb der "Corriere dello Sport". Und auch die Kollegen jenseits des Apennin appellierten an die Rennsportetikette. "Schumi, hast du das nötig?" fragte "Bild".
"Es geht um viel Geld"
Schumacher selbst, der Barrichello für sein Kadergehorsam dankte ("Rubens war sehr generös") reagierte kühl. "Wenn am Ende zwei Punkte für den Titel fehlen, dann ist das Geschrei groß. Es geht um viel Geld, und am Ende zählt nur der WM-Titel." "Rubinho" sah das unmittelbar nach Rennende anders: "Ich kann mein Herz jetzt nicht öffnen. Ich muss erst mit meinem Team reden", entgegnete er Anfragen von Journalisten, "da ist einiges klarzustellen".