GP von Spanien Brawn feiert Doppelsieg in Barcelona
Hamburg - Der Erfolg hält an: Jenson Button hat den Großen Preis von Spanien gewonnen. Der Brawn-GP-Pilot setzte sich beim fünften Saisonlauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft in Barcelona vor seinem brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello durch. Button jubelte über Boxenfunk lautstark: "Fantastisch, fantastisch. Das Auto ist toll." Mark Webber aus Australien belegte im Red Bull nach 66 Runden den dritten Rang. Sebastian Vettel kam beim Europa-Auftakt im zweiten Red Bull auf den vierten Platz. Teamchef Christian Horner sagte: "Wir standen beim Start auf der schmutzigen Seite, Sebastian hat die ganze Zeit auf das Heck von Massa geschaut." Fünfter wurde Fernando Alonso im Renault vor Ferrari-Pilot Felipe Massa aus Brasilien. Button führt nach fünf Rennen mit 41 Punkten souverän vor Barrichello (27). Dritter ist Sebastian Vettel mit 23 Punkten.
Nick Heidfelds Hoffnung auf eine gute Platzierung beim Europa-Auftakt erfüllte sich an seinem Geburtstag nicht. Der 32-Jährige BMW-Sauber-Pilot sicherte sich als Siebter zwei Zähler. Nico Rosberg wurde im Williams-Toyota nach 307,104 Kilometern Achter. "Das Rennen war ganz schlecht zu fahren. Ich hatte Riesenprobleme mit dem Auto, mit der Hinterachse", so Rosberg. Toyota-Pilot Timo Glock ging als Zehnter leer aus, Adrian Sutil war kurz nach dem Start unverschuldet ausgeschieden.
Button hatte mit der Pole-Position optimale Voraussetzungen für seinen insgesamt fünften Grand-Prix-Sieg geschaffen. Nach 66 unspektakulären Runden hatte der Brawn-Fahrer in 1:37:19,202 Stunden 13 Sekunden Vorsprung vor Barrichello. "Zurückzukommen nach Europa und auf einer Strecke zu gewinnen, die ich immer schwierig fand - ein super Gefühl", so der Sieger nach dem Rennen.
Für die etablierten Teams blieb die erhoffte Wende aus. Ferrari verspielte den ersten Podestrang des Jahres, weil der lange drittplatzierte Felipe Massa am Schluss wegen Benzinmangels das Tempo drosseln musste und auf Rang sechs zurückfiel. Teamkollege Kimi Räikkönen musste sein Arbeitsgerät nach 18 Runden wegen eines technischen Defektes abstellen. Für McLaren-Mercedes kam es noch schlimmer: Titelverteidiger Lewis Hamilton wurde von Jenson Button überrundet und erreichte nur den neunten Platz. Der Finne Heikki Kovalainen musste wegen eines technischen Defektes seinen Silberpfeil schon nach sechs Runden aufgeben.
Für Adrian Sutil war das Rennen bereits in der ersten Runde vorbei. Der Force-India-Pilot kollidierte mit Jarno Trullis Toyota, nachdem der Italiener nach einem Dreher auf die Strecke zurückgekehrt war. "Es ging so schnell. Ich konnte gar nichts machen", sagte Sutil zum Crash in der dritten Kurve: "Mir ist aber nichts passiert." Trulli gab Nico Rosberg die Schuld, der ihn behindert habe. Auch die beiden Toro Rosso mussten das Rennen vorzeitig beenden. Das Safety Car musste den Grand Prix fünf Umläufe lang neutralisieren, während die Trümmerteile entfernt wurden.
Am Rande des Rennens in Barcelona hat nach Ferrari und BMW auch Toyota mit dem Ausstieg aus der Formel 1 gedroht, falls der Automobil-Weltverband Fia an der geplanten Einführung einer Budgetgrenze festhält. "Wenn sich nichts ändert, werden wir uns nicht einschreiben", sagte Toyotas Motorsportpräsident John Howett mit Blick auf die von der Fia festgelegte Einschreibefrist von 22. bis 29. Mai: "Und ich denke, mit dieser Meinung stehen wir unter unseren Wettbewerbern nicht allein da." Fia-Präsident Max Mosley will für 2010 eine freiwillige Budgetgrenze von rund 45 Millionen Euro durchsetzen und den Teams, die sich dafür entscheiden, mehr Freiheiten in der Aerodynamik und beim Motor einräumen. Experten schätzen diesen Vorteil auf bis zu zwei Sekunden pro Runde.
Für Toyota gäbe es auch andere Motorsport-Kategorien, in denen man unter deutlich anderen Voraussetzungen teilnehmen könnte, meinte Howett, stellte aber klar, dass die Formel 1 die erste Wahl sei: "Wir würden am liebsten bleiben und auf dem höchsten Level des Motorsports teilnehmen. Aber in der aktuellen Situation ist es unmöglich, eine Anmeldung abzugeben." In den nächsten Tagen soll es in London ein Gespräch der Teamvereinigung Fota mit Mosley geben, der wegen des Todes seines Sohnes Alexander am vorigen Dienstag seine geplante Reise zum Großen Preis von Spanien abgesagt hatte.
Renault droht zwar nicht mit Ausstieg, doch Teamchef Flavio Briatore stellt Forderungen: "Wir müssen verhindern, dass, wer auch immer, mit 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr ein Formel-1-Team betreiben kann. Wenn das ermöglicht wird, ist die Marke Formel 1 nichts mehr wert", sagte er der "Welt am Sonntag". Ausstiege von namhaften Konkurrenten seien mit aller Macht zu verhindern, sagte Briatore. "Ohne große, bedeutende Namen - und dazu gehört Ferrari - ist die Formel 1 weniger wert", so der 59-Jährige.
Der nächste WM-Lauf ist der Große Preis von Monaco in zwei Wochen in Monte Carlo (Sonntag, 14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).