GP von Spanien Doppelsieg der Silberpfeile
Barcelona - Ein verpatzter Boxenstopp von WM-Spitzenreiter Michael Schumacher hat Weltmeister Mika Häkkinen in Barcelona den Weg zum ersten Saisonsieg geebnet und damit das Titelrennen in der Formel 1 wieder etwas spannender gemacht. Der Finne gewann den Großen Preis von Spanien im McLaren-Mercedes nach 65 Runden mit 16 Sekunden Vorsprung vor seinem Teamkollegen David Coulthard (Schottland), der vergangenen Dienstag einen Flugzeugabsturz wie durch ein Wunder unverletzt überstanden hatte.
Schumacher, der beim ersten Boxenstopp seinen Chefmechaniker Nigel Stepney umfuhr, kam am Ende nicht über Platz fünf hinaus. Ein platter Reifen hatte ihn zwei Wochen vor dem Heimspiel auf dem Nürburgring um eine bessere Platzierung gebracht. In der Gesamtwertung führt "Schumi" nach dem fünften WM-Lauf mit 36 Punkten vor Häkkinen (22) und Coulthard (20).
"Ich habe doch gesagt, dass in diesem Jahr von der Pole Position aus nicht gewonnen wird", jubelte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach Häkkinens 15. GP-Sieg: "Wir waren schneller, unsere Boxenstrategie war super, alles war perfekt. Das war ein Rennen, das man sich einrahmen kann. Häkkinen hatte diesen Sieg lange verdient. Der WM-Titel wird nicht ohne uns vergeben."
Der Finne war nach seinem Hattrick in Barcelona - auch 1998 und 1999 hatte er vor Coulthard gewonnen - zunächst sprachlos: "Ich weiß gar nicht, wie ich ausdrücken soll, wie sehr ich mich freue. Ich war das ganze Rennen über schneller als Michael und habe nur auf den Boxenstopp gewartet. Die Saison ist noch lang, nichts ist entschieden."
Schumacher trug Platz fünf mit Fassung. "Die zwei Punkte können am Ende der Saison vielleicht sehr wichtig sein. Ich weiß, wie so eine Saison läuft. Es gibt Hochs und Tiefs. Heute hatten wir Probleme, aber ich bin sicher, dass wir die bis zum Nürburgring gelöst haben", meinte der Kerpener. "Nach dem zweiten Stopp habe ich gewusst, dass ich keine Chance mehr habe. Ich hatte einen schleichenden Plattfuß hinten links."
Zur Erleichterung des Kerpeners gab Stepney nach einer ersten Untersuchung nach dem Rennen schnell Entwarnung: "Es ist wohl nur ein gedehntes oder gerissenes Band. Es ist ein bisschen geschwollen", meinte der Brite. Zunächst war ein Beinbruch befürchtet worden.
Hochzufrieden mit Platz vier war BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger. "Es war eine starke Vorstellung von Ralf Schumacher. Das Manöver mit Michael war toll anzuschauen, aber am Ende waren wir die Verlierer, weil Ralf dadurch einen Platz auf dem Treppchen verloren hat. Aber im fünften Rennen zum vierten Mal in den Punkten: Was will man mehr?"
Bis zur 42. Runde sah Schumacher vor 60.000 Zuschauern wie der sichere Sieger aus. Der Ferrari-Star wehrte bis dahin auf der Rennstrecke alle Angriffe Häkkinens erfolgreich ab, der ihm im Windschatten folgte und wohl kaum eine Möglichkeit zum Überholen gefunden hätte. Als die beiden WM-Favoriten dann zeitgleich zum Nachtanken in die Box fuhren, dauerte der Halt des Deutschen die kleine Ewigkeit von 17,5 Sekunden. Da war Häkkinen jedoch schon längst wieder auf der Strecke, die Entscheidung war gefallen.
Schwacher Trost für Schumacher: Auch beim zehnten Barcelona-Start fuhr der 31-Jährige in die Punkte. Auf dem 4,730 km langen Circuit de Catalunya hatte Schumi am 2. Juni 1996 den ersten seiner bislang insgesamt 19 Ferrari-Siege gefeiert. Für McLaren-Mercedes war es nach Silverstone vor zwei Wochen der zweite Doppelsieg in Folge, für McLaren der insgesamt 37. seit 1968. Den dritten Platz belegte Ferrari-Pilot Rubens Barrichello (Brasilien) vor dem Kerpener Ralf Schumacher im Williams-BMW, der mit einem Blitzstart den Grundstein zum Erfolg gelegt hatte. Als Sechster landete auch der Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen im Jordan noch in den Punkterängen. Neuling Nick Heidfeld (Mönchengladbach) belegte im Prost den 16. und damit letzten Platz.
Schumacher, der am Start seinen Platz mit einem harten Manöver gerade noch gegen Häkkinen behauptete, konnte sich in der Anfangsphase an der Spitze etwa drei Sekunden von seinem Verfolger abgesetzen, danach blieb der Rückstand konstant. "Little Schu" und Coulthard folgten in gebührendem Abstand im Doppelpack. Beim ersten Durchgang der Boxenstopps gab es nur eine Veränderung: Coulthard verlor Platz vier an Barrichello. In der Folgezeit lieferten sich Schumacher und Häkkinen ein hartes Duell an der Spitze mit weniger als einer Sekunde Abstand. Ralf Schumacher konnte sich mit viel Kampf gegen Barrichello und Coulthard behaupten. Der Schotte eröffnete die zweite Boxenrunde in Umlauf 39 und konnte eine Runde später am Ende der Start-Ziel-Geraden Ralf Schumacher mit einem harten Manöver überholen. Eine Runde später wechselte dann in der Box die Führung, als Michael Schumacher und Häkkinen parallel reinkamen. Während der Stopp des Finnen problemlos lief, gab es bei der Ferrari-Crew erneut Schwierigkeiten mit dem Tankschlauch. Schumacher stand fast endlose 17,5 Sekunden und musste mitansehen, wie Häkkinen davonfuhr. In der 48. Runde musste Schumacher dann auch noch Coulthard passieren lassen, nachdem er eine Runde zuvor den Angriff des Schotten noch abgewehrt hatte.
Drei Runden später wurde der langsamer werdende Ferrari-Pilot von seinem Bruder Ralf angegriffen. Von dem harten Duell profitierte Barrichello, der auf Platz drei durchschlüpfte. Michael Schumacher rutschte auf Rang fünf ab und holte sich postwendend an der Box neue Reifen, hielt aber dennoch seine Position.