Grand Prix von Australien Michael Schumacher siegt im Chaosrennen
Melbourne - Schumacher siegte am Sonntag beim Großen Preis von Australien zum dritten Mal in Folge. Für den Ferrari-Piloten, der auf Nummer sicher ging und noch im modifizierten Vorjahresauto fuhr, war der Erfolg in Melbourne der insgesamt 54. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere.
Der 33-Jährige, der 1:35:36,701 Stunden benötigte und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 193,011 Stundenkilometern erreichte, verwies nach 58 Runden Juan Pablo Montoya im BMW-Williams auf den zweiten Platz. Der Kolumbianer lag bereits 18,628 Sekunden zurück. Dritter wurde vor 127.000 Zuschauern am Albert-Park-Circuit der finnische McLaren-Mercedes-Debütant Kimi Räikkönen, der 25,067 Sekunden nach Schumacher ins Ziel kam.
Massenkarambolage beim Start
Der erste von 17 WM-Läufen, den nur acht von 22 Fahrern beenden konnten, begann chaotisch. Beim Start auf dem 5,303 Kilometer langen Kurs krachte Ralf Schumacher (BMW-Williams) ins Heck des zweiten Ferrari-Piloten Rubens Barrichello. Der Brasilianer, der von der Pole-Position aus gestartet war, hatte zwei Mal die Linie gewechselt.
Der jüngere Schumacher-Bruder fuhr auf und löste eine Massenkarambolage aus. Ralf Schumachers Fahrzeug flog drei Meter hoch durch die Luft und landete auf den vier Rädern, ehe es ins Kiesbett rutschte. "Ich hatte wirklich Glück, dass ich mich nicht überschlagen habe und an der Stelle eine große Auslaufzone ist. Ich habe mich wie ein Passagier im Flugzeug gefühlt", sagte Ralf Schumacher, der unverletzt blieb.
"Rubens trägt Scheuklappen"
"Die Richtungswechsel sind in keiner Weise regelkonform, da muss schon etwas unternommen werden. Er darf nur einmal die Linie wechseln", gab Schumacher Barrichello die Schuld, "wenn Rubens vorne liegt, trägt er Scheuklappen. Ich habe versucht, ihn zu überholen. Er hat mich geblockt und dann gebremst."
Barrichello - Spitzname: "Rambochello" - verteidigte sein Fahrmanöver: "Ich habe nicht zu früh gebremst, im Gegenteil: Ich habe später als üblich gebremst, da ich befürchtete, es könnte was passieren. Ralf hat da wohl noch Vollgas gegeben und wäre kaum um die Kurve gekommen."
Rennleitung verzichtete auf Neustart
Insgesamt acht Autos waren in den Unfall verwickelt und konnten nicht weiterfahren. So musste auch Nick Heidfeld seinen Sauber-Petronas in der Box abstellen. Schon beim Saisonauftakt in Australien vor einem Jahr hatte es einen spektakulären Crash gegeben. Bei dem Unfall war damals ein Streckenposten von einem herumfliegenden Reifen erschlagen worden.
Die Rennleitung verzichtete trotz des Unfalls am Sonntag auf einen Abbruch und schickte das Safety Car zur Neutralisierung auf die Strecke. "Die rote Flagge wäre besser gewesen", plädierte Michael Schumacher später für einen Neustart. Die Verantwortlichen entschieden nach Analyse der Bilder und Anhörung der beiden Hauptbetroffenen auf Rennunfall, womit Strafen für Barrichello und Ralf Schumacher ausblieben.
Frentzen und Arrows-Kollege disqualifiziert
Vor der Einführungsrunde waren die beiden Arrows mit Heinz-Harald Frentzen und dem Brasilianer Enrique Bernoldi wegen eines Motorendefekts stehen geblieben und mussten aus der Boxengasse ins Rennen gehen. Viel Freude hatte Frentzen in seinem ersten Grand Prix für Arrows jedoch nicht: Der frühere Williams-Pilot wurde in der 19. Runde disqualifiziert, weil er bei Roter Ampel aus der Box gefahren war.
"Mein Motor stoppte, weil nicht genügend Saft auf der Batterie war", sagte Frentzen, "das rote Licht habe ich nicht gesehen, das war ein Fehler." Auch Bernoldi wurde später wegen eines Regelverstoßes aus dem Rennen genommen.
Schumacher auf dem Weg zum fünften WM-Titel
Von all dem Trubel unberührt fuhr Michael Schumacher, der in dem Startunfall nicht verwickelt wurde, weil er ins Gras geflüchtet war, ganz souverän seinen dritten Sieg hintereinander in Melbourne heraus. "Das war ein perfekter Saisonstart, den wir uns nicht ganz so erträumt hatten", sagte Schumacher und kündigte weitere Großtaten an: "Ich gehe mal davon aus, dass wir in diesem Jahr noch viel Spaß haben werden."
Der viermalige Weltmeister, der diese Saison mit dem Argentinier Juan Manuel Fangio (fünf WM-Titel) gleichziehen kann, übernahm erstmals in der zwölften von 58 Runden die Führung von David Coulthard (McLaren-Mercedes), der von der Piste abgekommen war. Schumacher lag allerdings nur für Sekunden vorn, denn Montoya konterte, überholte den Ferrari-Konkurrenten spektakulär und fuhr an die Spitze.
Rundenbestzeiten für Schumacher
Fünf Runden später revanchierte sich Michael Schumacher jedoch bei Montoya und setzte sich wieder an die Spitze des dezimierten Feldes. "Das war ein toller Kampf mit fast gleichwertigen Autos", sagte der weltbeste Fahrer über das Duell mit dem F1-Hotshot. Dank einer Rundenbestzeit nach der nächsten baute Schumacher seine Führungsposition kontinuierlich aus.
Wegen der Probleme mit dem neuen Ferrari F2002 war Schumacher sicherheitshalber mit dem zuverlässigen Vorjahresmodell ins Rennen gegangen. "Die Reifen haben eine große Rolle gespielt. Meine wurden am Schluss immer besser, als sie die richtige Temperatur hatten", lobte Schumacher die neuen Bridgestone-Pneus.
Überraschungen durch Räikkönen und Minardi
Während Coulthard seinen "Silberpfeil" wegen eines Getriebeschadens in der 36. Runde abstellen musste, sorgte sein McLaren-Mercdes-Teamkollege Räikkönen als Dritter mit dem ersten Podestplatz seiner Karriere für Furore. "Ich freue mich, auch wenn ich durch einen Fehler Platz zwei verloren habe", sagte der junge Finne, der zudem mit 1:28,541 Minuten die schnellste Rennrunde fuhr.
Eine Überraschung schaffte auch der Australier Mark Webber im Minardi-Asiatech als Fünfter hinter Jaguar-Pilot Eddie Irvine. Von seinen Landsleuten wurde Webber überschwänglich gefeiert.
Einen gelungenen Einstand feierte in Melbourne auch Formel-1-Einsteiger Toyota: Der in Köln beheimatete Rennstall holte durch den Sechsten Mika Salo (Finnland) auf Anhieb den ersten WM-Punkt. Das nächste Rennen ist der Große Preis von Malaysia, der als zweiter von insgesamt 17 WM-Läufen am 17. März in Kuala Lumpur stattfindet.