Hamilton-Sieg in China: Silberpfeil zielt auf Gold - DER SPIEGEL
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Hamilton-Sieg in China Silberpfeil zielt auf Gold

Fehlerfrei und Spaß dabei: Mercedes-Pilot Hamilton ist nach seinem Triumph in Shanghai der Top-Favorit auf den WM-Titel in der Formel 1. Für Aufsehen sorgte der zweite Platz von Ferrari-Fahrer Massa, der kurz vor dem Ziel seinen Teamkollegen überholte.
Von Frieder Schilling
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Es war ein perfektes Rennen - für Lewis Hamilton. McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis war die Ehre vorbehalten, den Sieger als erstes anzufunken: "Viel Disziplin", lobte er seinen Fahrer, "genau das müssen wir nach Brasilien mitnehmen." Dann schickte er die trockenen Eckdaten eines perfekten Wochenendes hinterher: "Pole Position, Sieger des Rennens, schnellste Rennrunde." Hamilton gab das Lob später in seiner bescheidenen Art zurück: "Das Team hat einen phänomenalen Job gemacht, das Auto ist so toll zu fahren."

Mit sieben Punkten Vorsprung vor Ferrari-Pilot Felipe Massa und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein wird Hamilton in zwei Wochen nach Brasilien fliegen. In 22 seiner 34 Rennen ist der junge Brite nun aufs Podium gefahren – eine beeindruckende Bilanz.

Hamilton bot auf dem Kurs in Shanghai ein fehlerfreies Rennen: Ein perfekter Start ("Sicher einer meiner besten des Jahres"), dann setzte er sich von den roten Verfolgern ab. Nach sechs Runden lag er bereits dreieinhalb Sekunden vor Kimi Räikkönen, sechs vor Massa. "Im Grunde war es ganz einfach", sagte Hamilton bei der Pressekonferenz. Nach seinem zweiten und letzten Boxenstopp habe er "die Reifen geschont, den Motor geschont und es einfach kontrolliert nach Hause gefahren".

Der silberne Triumph wäre fast perfekt gewesen - wenn nicht Pilot Nummer zwei Heikki Kovalainen ausgefallen wäre. Ein Reifenschaden in Runde 35 zwang den Finnen zu einem waghalsigen, temporeichen Ritt Richtung Box. Bei Rückkehr auf die Strecke fand er sich dann im hinteren Teil des Feldes wieder. Wenige Runden vor Schluss - Punkte waren nicht in Sicht - entschied man sich, Kovalainen aus dem Rennen zu nehmen. Der Motor sollte geschont werden. Denn ein Tausch hätte eine Strafversetzung um zehn Startplätze in São Paulo bedeutet, also den Verlust eines Adjutanten für Hamilton - und wichtige Punkte in der Konstrukteurswertung. Denn in dieser hat McLaren-Mercedes in China an Boden verloren.

Elf Punkte Rückstand weist das Tableau auf Ferrari aus, nur zehn Vorsprung auf BMW. Der Fahrertitel ist der deutlich prestigeträchtigere, aber auch ein Triumph der Marke ist wichtig. Hier geht es neben dem Titel um viel Geld. Die Formel 1 schüttet am Ende der Saison proportional zur Plazierung aus. Und die dutzenden Techniker und Ingeneure haben ebenfalls ein Interesse an der Spitzenposition, denn auch in ihren Verträgen werden Prämien relativ zum Endergebnis festgeschrieben sein.

Bleibt das meist diskutierte Überholmanöver des Tages: In Runde 45 zog Massa am Ende der Start- und Zielgeraden locker an Räikkönen vorbei. Ein Manöver unter Teamkollegen, das mit echtem Racing soviel zu tun hatte wie Marcel Reich-Ranicki mit Neun Live - und sicherlich auch niemanden überraschte. Stefano Domenicali hatte dafür später eine Erklärung parat, bei der es zweifelhaft ist, ob die Telemetriedaten sie stützen würden: "Massa war einfach schneller als Räikkönen", so der Ferrari-Teamchef. "Und Kimi ist keiner, der da was riskiert." Eine mögliche Teamorder, im Reglement verboten, wurde verneint. Auf Mercedes-Seite hielten die Verantwortlichen sich mit Kommentaren zurück.

Eine Untersuchung, geschweige denn eine Strafe, wird es nicht geben, auch wenn es fraglich ist, welchen Sinn eine solche Regel hat, wenn sie ignoriert wird.

Aber jedes Team hätte in einer solchen Situation mit großer Wahrscheinlichkeit ähnlich gehandelt, vielleicht ein bisschen unauffälliger. Zwei Punkte sind zwei Punkte. Und sollten diese Massa in seiner Heimat zum Titelgewinn verhelfen – schon in wenigen Wochen hätten die meisten Runde 45 in China vergessen. In Erinnerung bleiben wird nur der Triumph. Von Hamilton oder Massa. Egal, ob das Rennen ereignisreich sein wird oder nicht.