Haugs Warm-Up "Diese Kurve ist einmalig"
SPIEGEL ONLINE: Die Strecke in Spa wird von den Fahrern geliebt, aber auch gefürchtet wie kaum eine andere. Welche Abschnitte finden Sie besonders attraktiv, und wo darf man keinen Fehler machen?
Haug: Fehler darf man in Spa - wie auf den meisten Rennstrecken übrigens - so gut wie nirgendwo machen. Am forderndsten und spektakulärsten ist natürlich die Bergauf-Kurve "Eau Rouge", die bei Trockenheit mit Vollgas gefahren wird. In die Einfahrt geht es mit 320 Stundenkilometern. Diese Kurve ist einmalig im Grand-Prix-Kalender und wird es wohl ewig bleiben.
SPIEGEL ONLINE: In den vergangenen Jahren hat Kimi Räikkönen besonders gut in Spa ausgesehen - sowohl auf McLaren-Mercedes als auf Ferrari. Warum liegt ihm der Kurs besonders?
Haug: Schwer für mich, eine Frage zu beantworten, die die aktuelle Form eines konkurrierenden Fahrers betrifft. Mit uns hat Kimi in Spa 2004 und 2005 zweimal hintereinander gewonnen, weil wir ihm das beste Auto gestellt haben und er damit den besten fahrerischen Job gemacht hat. Ich habe allerdings keine Bedenken, dass unsere Fahrer mit Räikkönen mithalten können, wir müssen ihnen dazu das beste Auto mit der besten Abstimmung geben, die beste Strategie finden und die besten Boxenstopps absolvieren, dann fahren sie vorne mit oder gar ganz vorne.
SPIEGEL ONLINE: In den vergangenen vier Rennen hat McLaren-Mercedes verblüffend konstante Ergebnisse erzielt: Ein Fahrer auf Platz eins oder zwei, der andere auf vier oder fünf. Was verrät das über Ihre Taktik - und die Stärke der Konkurrenz?
Haug: Wir haben in den letzten vier Rennen dreimal 14 und einmal 13 von jeweils 18 möglichen Punkten und in diesen vier Rennen 25 Punkte auf den Spitzenreiter gut gemacht. Vor vier Rennen lagen wir 33 Punkte zurück, jetzt, vor Spa, sind es noch acht. Am Ende wollen wir nicht acht Punkte Rückstand haben, sondern mindestens einen Punkt Vorsprung. Dazu gehört absolute Zuverlässigkeit und bester Speed. Wir alle arbeiten hart, um beides in jedem Rennen zu garantieren. Unsere Fahrer Lewis Hamilton und Fernando Alonso haben bereits letztes Jahr die meisten Punkte aller Fahrerkombinationen gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Ein so erfolgreiches Debüt wie das von Lewis Hamilton kann es in absehbarer Zeit nicht mehr geben, oder?
Haug: Warum?
SPIEGEL ONLINE: Es wird immer wieder kritisiert, dass die stark begrenzte Zahl an Testkilometern pro Team die Entwicklung der Nachwuchsfahrer ausbremst - weil die nicht mehr zum Üben kommen.
Haug: Lewis Hamilton hatte wohl weniger Formel-1-Testkilometer als viele Neueinsteiger vor ihm. Er hat all seine Formel-1-Fahrerfahrung nach Saisonende gesammelt. Bis zum November 2006 hatte Lewis keine ernsthaften Formel-1-Testfahrten gemacht. 2007 beendete er seine ersten neun Formel-1-Rennen neunmal in Folge auf dem Podium. Sein sechstes Rennen, den GP von Kanada, gewann er genauso wie sein siebtes eine Woche später in Indianapolis.
SPIEGEL ONLINE: Er ist also schlicht ein Ausnahmefahrer oder wie lässt sich das erklären?
Haug: Lewis hat Unglaubliches geleistet, er hatte und hat dabei ein sehr gutes Auto und ein sehr gutes Team um sich. Nur in dieser Kombination kann man fortgesetzt ganz vorne fahren. Lewis kann das seit seiner Premiere bisher besser als all seine Konkurrenten. Kein anderer Fahrer hat in diesen 29 Rennen annähernd so viele Punkte geholt wie er. Man kann also junge Fahrer nach wie vor erfolgreich in die Formel 1 bringen.
SPIEGEL ONLINE: Die Testperioden reichen also aus, damit sich neue Talente beweisen können?
Haug: Ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Teams auf spezifische Testtage zur Nachwuchssichtung einigen würden, wir würden diese Idee sicher unterstützen.
Die Fragen stellte Jörg Schallenberg