Haugs Warm-up: "Lewis ist der Rain Man" - DER SPIEGEL
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Haugs Warm-up "Lewis ist der Rain Man"

Gute Laune trotz schlechter Wetteraussichten: Mercedes-Sportchef Norbert Haug freut sich über einen der besten Regenpiloten in seinem Team. Lewis Hamilton soll am Wochenende endlich den ersten Mercedes-Sieg in Hockenheim nach zehn Jahren einfahren.
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SPIEGEL ONLINE: In Silverstone deklassierte Lewis Hamilton bei extremen Wetterbedingungen die Konkurrenz. Was macht ihn zu einem guten Regenfahrer? Was macht generell einen guten Regenfahrer aus? Die Wettervorhersage für das Rennen am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht von Schauern aus.

Hamilton in Silverstone: "Hau-Ruck-Aktionen ins Kiesbett"

Hamilton in Silverstone: "Hau-Ruck-Aktionen ins Kiesbett"

Foto: AFP

Haug: Ein guter Regenfahrer braucht zunächst ein gutes Auto, dem er vertraut. Es war für das Rennen in Silverstone mit Regen zu rechnen, das Team und Lewis gingen für das trockene Samstags-Qualifying deshalb einen Kompromiss bei der Abstimmung ein, der sich am Sonntag auszahlen sollte. Und Lewis Hamilton ist in der Tat der "Rain Man" der Formel 1. Er brillierte im letzten Jahr bei schwierigsten Bedingungen beim GP Japan in Fuji mit einem überlegenen Sieg, wiederholte dies in diesem Jahr mit seinem Sieg beim verregneten Monaco-Grand-Prix und setzte jetzt in Silverstone mit einem Vorsprung von über einer Minute ein weiteres Ausrufezeichen hinter sein bemerkenswertes Können. Der gute Regenfahrer muss überaus sensibel zu Werke gehen und ein Gefühl für die minimalste Bewegung seines Autos haben, um mit frühzeitigen Korrekturen an Lenkrad, Gas- und Bremspedal auf Kurs zu bleiben. Hau-Ruck-Aktionen sind bei diesen Bedingungen der sichere Weg ins Kiesbett.

SPIEGEL ONLINE: Seit 1998 hat kein Mercedes mehr auf dem Hockenheimring gewonnen. Was macht Sie zuversichtlich, dass sich das kommenden Sonntag ändern wird?

Haug: Tatsächlich haben wir in Hockenheim die nahezu magerste Siegesbilanz aller Strecken, auf denen die Formel 1 seit vielen Jahren antritt. Wir waren zwar oft schnell und chancenreich unterwegs, haben den ersten Platz aber dann nicht über die Distanz gebracht. Letzte Woche gab es ausgiebige Testfahrten auf dem Grand-Prix-Kurs von Hockenheim, bei denen unsere Fahrer mit einem Auto an drei Tagen über 1300 Kilometer - über vier Renndistanzen also - absolviert haben. Wir waren schnell und zuverlässig und sollten für unseren Heim-Grand-Prix gut aufgestellt sein.

SPIEGEL ONLINE: Ein Viertel der Formel-1-Piloten fährt kommenden Sonntag vor heimischem Publikum. Wie beurteilen Sie die Leistung der fünf deutschen Piloten zur Saisonhalbzeit?

Haug: Sie alle haben ihren Platz in der Formel 1 verdient und nicht dank Vaters Scheckbuch erhalten. Natürlich sind auch die Erfolgschancen der fünf deutschen Fahrer im Feld stark von den technischen Voraussetzungen ihrer Autos abhängig. Alle fünf Deutschen der aktuellen Formel 1 sind in der Lage, mit ihrer derzeitigen Ausrüstung auf sich aufmerksam zu machen. Wer das dann bei einem Rennen wie dem letzten in Silverstone nicht tut, hat - aus welchem Grund auch immer - eine gute Gelegenheit verpasst.

SPIEGEL ONLINE: In der vergangenen Woche durften die Teams testen. Hat Ihr Team Neuerungen am McLaren Mercedes vorgenommen?

Haug: Wir haben etliche Weiterentwicklungen ausprobiert und dabei einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Lewis Hamilton war nicht deshalb Schnellster bei den Tests, weil man ihm wenig Benzin in den Tank gab und neue Reifen aufschraubte.

SPIEGEL ONLINE: Drehen Sie bitte eine Runde mit uns um den Hockenheimring. Welches sind für Sie die rennentscheidenen Passagen?

Haug: Das fängt unmittelbar nach dem Start an. Die erste Kurve ist ein Nadelöhr, das im Rennen im sechsten Gang mit 250 Stundenkilometer gefahren wird. Ausbremsmöglichkeiten gibt es an der Haarnadelkurve nach der langen Geraden und unmittelbar vor der Mercedes-Tribüne, vor und hinter der traditionell die meiste Action herrscht. Vor ihr, weil am langsamsten Stück der Strecke ausgebremst und überholt werden kann, hinter ihr, weil es dort Live-Musik, Interviews mit unseren Formel-1-Piloten sowie Fahr- und Mitfahrmöglichkeiten im angrenzenden Fahrsicherheitszentrum gibt.

Die Fragen stellte Frieder Schilling.

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