Haugs Warm-Up Räikkönen hat nur getrödelt
SPIEGEL ONLINE: Nach Heikki Kovalainens Unfall in Barcelona gab es eine Diskussion um die Sicherheit. Manche Beobachter bemängelten, dass sich die jungen Fahrer angesichts der hohen Standards zu sicher fühlen und zu viel riskieren - teilen Sie diese Ansicht?
Haug: Nein, diese Ansicht teile ich nicht. Heikkis Unfall hat als Ursache eine defekte Felge, die von ihrem Hersteller in einem Fertigungsgang nicht korrekt bearbeitet wurde. Der Grund seines Unfalls lag nicht in zu risikoreicher Fahrweise.
Barcelona-Sieger Räikkönen: Hätte doppelten Vorsprung herausfahren können
Foto: DPASPIEGEL ONLINE: Ferrari scheint diese Saison zu dominieren - wie realistisch erscheint Ihnen die Chance, die Roten im Verlauf der kommenden Monate noch einzuholen? In welchem Bereich muss dabei am meisten gearbeitet werden?
Haug: In den 38 Runden, die nach der Safety-Car-Phase beim letzten Grand Prix in Barcelona gefahren wurden, lag der erstplazierte Ferrari maximal knapp acht Sekunden vor dem Drittplazierten Lewis Hamilton und der Spitzenreiter ist dabei sicher nicht spazierengefahren. Wir nehmen trotzdem an, dass Raikkönen auch einen doppelt so großen Abstand hätte herausfahren können.
Um diesen Vorsprung aufzuholen, müssen wir uns weiter in allen Bereichen steigern. Vor allem müssen wir aber jeweils die Punkte machen, die möglich sind, und das haben wir - aus ganz unterschiedlichen Gründen - bei keinem der bisherigen vier Grand Prix geschafft.
In Melbourne verlor Kovalainen seinen Platz hinter Spitzenreiter Hamilton wegen der Safety-Car-Phase und belegte im Ziel Rang fünf statt zwei. In Malaysia wurden unsere Autos von den Startplätzen drei und vier auf die Ränge acht und neun zurückversetzt, und Lewis verlor zusätzlich 20 Sekunden ohne sein Verschulden beim Boxenstopp. In Bahrain machte Lewis einen Fehler beim Start, fiel von Rang drei zurück auf neun und fuhr anschließend auf Alonso auf. In Barcelona schließlich gab es den Unfall von Heikki - leicht nachzurechnen, dass bei all diesen Zwischenfällen eine zweistellige Punktesumme auf der Strecke blieb und unseren Konten fehlt.
SPIEGEL ONLINE: Super Aguri hat sich von der Formel 1 zurückgezogen. Ist das eigentlich ein Verlust?
Haug: Jedes Team, das sich aus der Formel 1 zurückzieht, ist grundsätzlich ein Verlust. Leider ist die Zahl jener, die es nicht geschafft haben, in der Formel 1 zu bleiben, viel größer als die Anzahl derer, die sich dauerhaft etabliert haben, was nur zeigt, wie hoch die Anforderungen in der Formel-1-Weltmeisterschaft sind.
Die Fragen stellte Jörg Schallenberg
Eine Leserfrage von Florian Pachale aus Hamburg:
Haben Sie jemals ernsthaft daran gedacht, Ralf Schumacher für McLaren-Mercedes fahren zu lassen?
Haug: Wir haben dieses Thema nie diskutiert. Es ging bei unseren Gesprächen von Anfang an um die DTM.