Hockenheim Formel-1-Vertrag wird verlängert
Hockenheim - Der Große Preis von Deutschland wird auch in den nächsten Jahren so gut wie sicher auf dem Hockenheimring ausgetragen. Der super-moderne Lausitzring, dessen Geschäftsführer Hans-Jörg Fischer heftig um den lukrativen Formel 1-Lauf buhlte, scheint aus dem Rennen zu sein. "Herr Ecclestone hat in Aussicht gestellt, mit der Formel 1 weitere zehn Jahre hier zu bleiben, wenn wir uns über die Finanzierung der geplanten Umbaumaßnahmen einigen können", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) nach einem etwa 20 Minuten langen Gespräch mit Formel 1-Chef Bernie Ecclestone am Sonntag vor dem Rennen hoch zufrieden. "Das ist ein außerordentlich gutes Ergebnis. Wir haben das per Handschlag besiegelt."
Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) hatte nach seinem Treffen mit dem britischen Motorsport-Mogul am Samstag einen ähnlichen Eindruck: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Vertragsverlängerung in trockenen Tüchern ist", sagte er voller Optimismus. Er ging allerdings nur von einem neuen Sieben-Jahres-Vertrag aus. Der aktuelle Kontrakt endet 2001.
Teufel berichtete, dass sich das Land nun mit der Automobilindustrie und der Region Rhein-Neckar über die Aufteilung der auf 92,7 Millionen Mark veranschlagten Umbaumaßnahmen einigen müsse. "Ich gehe davon aus, dass wir das in den nächsten sechs Wochen zu Stande bringen", sagte der CDU-Politiker zuversichtlich. "Wir halten dieses Rennen im Automobilland Baden-Württemberg." Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) hatte Teufel begleitet. "Wir möchten, dass dieses traditionsreiche Rennen im Süden Deutschlands erhalten bleibt", sagte er. Dies sei von nationalem Interesse. Die Verhandlungen mit Ecclestone seien "gar nicht so schwierig" verlaufen.
Während sich die Spitzenpolitiker bei ihrem Wettlauf, Grand-Prix-Zampano Ecclestone vom Sinn einer Vertragsverlängerung zu überzeugen, an dessen Motorhome die Klinke in die Hand gaben, bewerteten die deutschen Spitzenpiloten die Angelegenheit relativ emotionslos. "Die Rennstrecke an sich hat keinen besonderen Reiz für Fahrer. Die Atmosphäre im Motodrom ist allerdings fantastisch und einzigartig", sagte der zweimalige Weltmeister Michael Schumacher.
Seinem Bruder Ralf ist es egal, ob der Große Preis von Deutschland weiterhin im Badischen stattfindet. "Ich bin überhaupt nicht nationalistisch. Wir können auch in Brandenburg fahren", meinte "Little Schu". Vom Sicherheitsaspekt sei vielleicht sogar der Lausitzring vorzuziehen. "Es entscheidet eh Ecclestone. Ich denke, wer am meisten bezahlt, bekommt auch den Grand Prix", wies Schumacher auf den finanziellen Aspekt hin. Heinz-Harald Frentzen "mag die Stimmung hier", könnte aber auch mit einem Standortwechsel leben.
Am stärksten sprach sich ein Schotte für den badischen Hochgeschwindigkeitskurs aus. "Hockenheim verdient seinen Platz im Kalender. Ich persönlich wäre enttäuscht, wenn es das Rennen hier nicht mehr gäbe", votierte McLaren-Mercedes-Pilot David Coulthard für eine Fortsetzung. DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert machte sich ebenfalls für die Traditionsstrecke vor der Konzern-Haustür stark. "Wir sollten für den Hockenheimring kämpfen. Wir haben das ja auch getan", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Döring, der in Begleitung von Hubbert mit Ecclestone verhandelt hatte, erklärte, der geplante Umbau werde "wahrscheinlich weniger als 70 Millionen Mark" kosten. Auf jeden Fall würden sich die Baumaßnahmen auf weniger als die bislang veranschlagten 92,7 Millionen Mark belaufen. Die Hockenheimring GmbH widersprach diesen neuen Zahlen: Für die Modernisierung seien sogar 94,2 Millionen erforderlich.
Ecclestone fordert von der Hockenheimring GmbH eine Verkürzung des 6,823 km langen Kurses auf etwa vier Kilometer. Zudem sollen 25.000 Sitz- und 10.000 Stehplätze sowie weitere Parkanlagen neu gebaut und die Infrastruktur modernisiert werden.
Fischer sieht seine Felle noch nicht davon schwimmen. Nach einem Gespräch mit Ecclestone kündigte der Lausitzring-Chef kämpferisch an: "Wenn es hier nicht klappt, werden wir es 2004 beim Nürburgring versuchen." In vier Jahren endet der Kontrakt auf der Eifelstrecke.