Grand Prix von Indien: Vettels unstillbarer Champagnerdurst
Indien-Sieger Vettel Pure Lust am Rasen
Sebastian Vettel ist nicht zu bremsen. Auch beim Großen Preis von Indien war das so. Es scheint, als habe der vorzeitige Titelgewinn den 24-Jährigen noch souveräner gemacht. Sein Sieg war zu jeder Zeit ungefährdet. Vettel sorgte sogar für den "Formel-1-Grand-Slam", gewann, ohne die Führung abzugeben, holte zuvor die Pole Position und sicherte sich auch noch die schnellste Rennrunde.
Für die sorgte Vettel in der letzten Runde des Debütrennens im Großraum Neu-Delhis. Interessant dabei: Er fuhr die schnellste Rennrunde gegen den Willen seines Teams. Nötig hatte er die schnellste Rennrunde nicht. Denn er führte souverän vor McLaren-Pilot Jenson Button, als er zum eigenen Spaß den Red Bull noch mal am schnellsten in der letzten Runde um den indischen Kurs bewegte.
"Wir wollten zwar, dass Sebastian das Auto ins Ziel trägt," sagte ein fast schon verzweifelter Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen, "aber so ist er halt. Er sucht ständig neue Herausforderungen - und wenn die darin besteht, sich die schnellste Rennrunde zurückzuholen."
Im Moment scheint es so, als gingen Vettel die Gegner aus. Also fährt er gegen sich selbst. Besonders Teamkollege Mark Webber muss die Überlegenheit Vettels zu denken geben. Er ist das beste Gegenargument für die Vettel-Kritiker, die behaupten, die Seriensiege des Doppelweltmeisters begründen sich nur auf der Überlegenheit seines Red-Bull-Boliden. Die Zahlen sprechen dagegen.
Vettel hat elf Saisonsiege, Webber gar keinen - mit dem gleichen Auto. Fest steht: Vettel wird auch die letzten beiden Rennen in Abu Dhabi und Brasilien voll auf Angriff fahren. Auch der Statistik wegen. Durch den Start-und-Ziel-Sieg in Indien hat Vettel jetzt bereits die meisten Führungskilometer in einer Saison, die je ein Pilot erreicht hat.
Mit seinem 21. Sieg hat der Red-Bull-Pilot nur einen Erfolg weniger als der Brite Damon Hill (22 Siege). Auch Nelson Piquets 23 Siege sind bei noch drei verbleibenden Rennen in Reichweite. Vettel kann 2011 noch weitere sechs Rekorde einstellen oder brechen.
Die meisten Saisonsiege: 2004 gewann Michael Schumacher auf dem Weg zu seinem siebten WM-Titel 13 Rennen. Vettel müsste alle noch ausstehenden Grand Prix gewinnen, um die Bestmarke zu egalisieren.
Die meisten Pole-Positions in einer Saison: Nigel Mansell stand 1992 14 Mal auf Startplatz eins. Vettel gewann bisher 13 Mal die Qualifikation. Er könnte die Marke also noch übertreffen.
Die meisten Podestplatzierungen in einer Saison: 2002 kam Michael Schumacher bei allen 17 Rennen unter die ersten drei. Vettel verpasste das Podium bisher nur am Nürburgring. Setzt der Heppenheimer seine Serie bis Saisonende fort, hätte er Schumacher um ein Podest überboten.
Die meisten Zielankünfte pro Jahr: 2008 kam BMW-Pilot Nick Heidfeld bei allen 18 Rennen ins Ziel. Auch Vettel ist noch nicht ausgefallen und könnte die Bestmarke auf 19 hochschrauben.
Der größte Punktevorsprung eines Champions: Überträgt man das Punktesystem aus 2002 auf 2011, hatte Michael Schumacher 2002 157 Punkte Vorsprung auf Rubens Barrichello. Vettel führt derzeit mit 135 Punkten vor Jenson Button. 50 Punkte kann er maximal noch holen.
Die meisten Punkte: Sicher ist jetzt schon, dass Vettel einen neuen Punkterekord aufstellt. Seine 256 Zähler aus dem Vorjahr hat er mit 349 Punkten bereits übertroffen.