Interview: "Jetzt beginnt die entscheidende Phase" - DER SPIEGEL
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Interview "Jetzt beginnt die entscheidende Phase"

In einem Interview äußert sich Ferrari-Teamchef Jean Todt über die derzeitige Situation bei der Scuderia, die Aussichten in den verbleibenden sieben Rennen und die Probleme mit den Reifen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Michael Schumacher will nach zuletzt drei Ausfällen in vier Rennen seine Pechsträhne beim Großen Preis von Deutschland am Sonntag beenden. Glauben Sie, er kann in Hockenheim wieder gewinnen?

Todt

: Ich hoffe.

Befürchten Sie, dass McLaren-Mercedes wegen des besseren Motors auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im Vorteil ist?

Todt: Das wird sich zeigen.

Heißt das, Sie sind optimistisch und glauben daran, Ihren Doppelsieg vom Vorjahr wiederholen zu können?

Todt: Man hofft natürlich immer, Platz eins und zwei belegen zu können.

Ist die WM jetzt in einer Schlüsselphase? David Coulthard und Mika Häkkinen haben in der Fahrerwertung fast zu Schumacher aufgeschlossen und McLaren-Mercedes war vor dem Zehn-Punkte-Abzug wegen eines fehlenden Prüfsiegels in der Konstrukteurs-Wertung erstmals an Ihnen vorbei gezogen?

Todt: Es sind noch sieben Rennen bis zum Saisonende, und wir liegen nur noch knapp vor ihnen. Das bedeutet, dass jetzt die entscheidende Phase beginnt. In den sieben Grand Prix fällt die WM-Entscheidung. Wir geben alles, aber ich kann das Ergebnis nicht vorhersagen.

Sind Sie angesichts des aktuellen Standes noch sicher, dass Schumacher Weltmeister wird?

Todt: Ich habe nie behauptet, dass ich mir darüber sicher bin. Ich hoffe, dass wir es schaffen.

Sind Sie zuversichtlich, es dieses Jahr im fünften Anlauf zu schaffen?

Todt: Wir haben den besten Fahrer, ein sehr gutes Team. Deshalb glaube ich, dass wir gute Arbeit leisten. Wir werden sehen, was passiert.

Ist die Entscheidung der Rennkommissare, Häkkinen die zehn Punkte für seinen Österreich-Sieg zu lassen, ein Vorteil für Schumacher im Titelrennen, da Coulthard so weiterhin sechs Zähler hinter ihm liegt, oder eher ein Nachteil, weil nun auch Häkkinen gute Chancen hat?

Todt: Wir können uns das nicht aussuchen und müssen uns auf die Realität einstellen. Natürlich wäre es besser gewesen, Häkkinen würde 18 statt acht Punkte zurückliegen. Aber ich muss die Entscheidung der Rennkommissare respektieren.

Stimmen die Meldungen, dass Ferrari Einfluss auf die Entscheidung genommen hat?

Todt: Das ist lächerlich. Wie könnten wir da einbezogen gewesen sein. Wir haben um eine exakte Auslegung der Regeln gebeten und einen Brief an die Stewarts geschrieben, in dem wir unsere Sicht dargestellt haben. Aber das ist normal.

Ist das Urteil gerecht?

Todt: Es ist nicht meine Aufgabe, die Entscheidung zu bewerten.

Ferrari hatte bei den letzten Grand Prix mehrere technische Probleme. Haben Sie die jetzt im Griff?

Todt: Wir hatten in Österreich kein technisches Problem.

Aber vorher: Zum Beispiel in Monaco und Magny-Cours.

Todt: Ja, in Monaco die Aufhängung und in Magny-Cours der Motor.

Und die Probleme mit den Reifen?

Todt: Die haben wir gelöst. Wir haben einen Weg gefunden, die hohe Reifentemperatur zu senken. Außerdem glaube ich, dass es in Hockenheim nicht so heiß wird.

Ferrari war im Vorjahr für seine Zuverlässigkeit bekannt. Es scheint, als ob sich dies in dieser Saison etwas verändert hat?

Todt: Ein bisschen. Aber wir arbeiten daran, die Zuverlässigkeit zu verbessern. Das ist schwierig.

Wie lange werden Sie, Schumacher und der Technische Direktor Ross Brawn noch bei Ferrari bleiben?

Todt: Hundertprozentig bis zum Saisonende 2001. Danach wird man sehen.

Aufgezeichnet von Elmar Dreher

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