Interview mit Michael Schumacher "Es war ein wunderschönes Gefühl"
Herr Schumacher, wie fühlt man sich, wenn man vom kleinen Bruder
besiegt wird
Michael Schumacher:
Es war ein wunderschönes Gefühl. In dem Moment, als Ralf vor mir war, ging mir eigentlich nur Freude durch den Kopf. Unsere Eltern können stolz auf uns sein, sie haben sicher beiden die Daumen gedrückt.
Was hat Sie an dem zweiten Platz so erfreut?
Schumacher: Ich war mächtig stolz, weil es so etwas noch nicht in der Formel 1 gegeben hat. Es war das erste Mal, dass zwei Brüder die ersten beiden Plätze belegt haben. Damit gehen wir in die Geschichte ein.
Sie haben das Rennen lange angeführt. Ab wann haben Sie gedacht, dass es nicht reichen könnte?
Schumacher: Als Ralf nach der Safety-Car-Phase meinen Vorsprung wieder aufgeholt hat, habe ich gespürt, dass es sein Tag sein wird.
Es war das erste richtige Duell zweier Brüder um den Sieg. Wie haben Sie es erlebt?
Schumacher: Ich habe wirklich alles versucht, dagegen zu halten, das hat ja auch lange funktioniert. Es war ein enger und harter Kampf, aber sehr fair.
Wie stolz sind Sie auf Ihren Bruder?
Schumacher: Ich bin sehr stolz auf Ralf. Ich habe einen anderen Blickwinkel als alle anderen; denn ich war schon zu einer Zeit dabei, als Ralf noch Go-Kart fuhr. Ich war damals sein Mechaniker. Deshalb bin ich darauf bedacht, dass es ihm gut geht und er gute Resultate erzielt. Ich habe bereits drei Weltmeisterschaften und 48 Rennen gewonnen. Deshalb bin ich viel entspannter und habe überhaupt kein Problem damit, ihn so gute Rennen fahren zu sehen.
Sehen Sie in Ihrem Bruder jetzt einen WM-Rivalen?
Schumacher: Auch wenn BMW-Williams bislang immer durchgekommen wäre, hätte das keinen Einfluss auf die WM gehabt. Unser Hauptkonkurrent ist McLaren-Mercedes.
Sie führen die Gesamtwertung jetzt mit 18 Punkten vor David Coulthard an. War Montreal schon eine Vorentscheidung im Titelrennen?
Schumacher: Auch im vergangenen Jahr haben das viele gedacht, aber dann bin ich in Zeltweg und Hockenheim jeweils in der ersten Runde ausgefallen, und alles war wieder offen. Deshalb lasse ich mich in dieser Saison auf keine Spekulationen ein.
Aufgezeichnet von Ralf Loweg, sid