Interview mit Michael Schumacher: "Plötzlich war Rubens vorn" - DER SPIEGEL
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Interview mit Michael Schumacher "Plötzlich war Rubens vorn"

Es war ein Sieg mit bitterem Nachgeschmack. Etliche Formel-1-Fans sprachen sogar von Betrug in Indianapolis. Doch Michael Schumacher, der seinen Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello auf der Ziellinie vorbeiziehen ließ, mimt den Unschuldigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Schumacher, Sie haben das ganze Rennen souverän geführt. Doch kurz vor der Ziellinie überlassen Sie dann Ihrem Teamkollegen Rubens Barrichello den Sieg. War das Absicht?

Michael Schumacher: Nein, das war so nicht geplant. Wir wollten einfach in Go-Kart-Manier nebeneinander über die Linie fahren, das haben wir nicht ganz geschafft.

Hatten Sie Ihre Aktion mit dem Team abgesprochen?

Schumacher: Wie gesagt, es gab keinen Plan. Das war meine persönliche Entscheidung. Das Team hatte mich gebeten, nichts zu tun. Dann fuhren wir nebeneinander über die Linie, und plötzlich war Rubens vorn. Wir wussen beide erst gar nicht, wer gewonnen hat. Wir mussten warten, bis wir es auf einer Videowand sahen.

Was genau hatte Ihnen das Team gesagt?

Schumacher: Ich hatte gefragt, ob ich ihn vorbeilassen könnte, und sie haben nein gesagt. Das Team wollte das nicht.

Können Sie erklären, warum amerikanische Fans, die viel Geld bezahlt haben, um dieses Rennen zu sehen, nicht beleidigt und verärgert sein sollten, weil sie ein Sportereignis mit einem manipulierten Ausgang gesehen haben?

Schumacher: Wenn man sieht, wie eng wir zusammenlagen, erkennt man, dass es keine Absicht war. Am Ende war Rubens der Sieger, und er verdient es. Ich war nicht glücklich darüber, was in Österreich abgelaufen ist. Hier konnte ich Rubens etwas zurückgeben. Es war nicht geplant, aber es ist einfach passiert.

Ist es nicht Ihr Job, immer alles dafür zu tun, um zu gewinnen?

Schumacher: Man muss im Leben ehrlich und fair sein. Das wollte ich sein.

Sie waren nach eigener Aussage immer fixiert auf Siege. Haben Sie jetzt ein Abo auf zweite Plätze?

Schumacher: Warten wir auf Japan, ich versuche es wieder. In Suzuka würde ich schon gerne wieder einen Sieg einfahren. Mir gefällt die Strecke, da würde ich vor dem Winterurlaub gerne noch gewinnen.

Aufgezeichnet von Thomas Straka, sid

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