Interview mit Nick Heidfeld "Es ist immer noch unheimlich gefährlich"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Heidfeld, vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Heinz-Harald Frentzen kommende Saison für Sauber fahren wird. Was halten Sie von Ihrem neuen Teamkollegen?
Nick Heidfeld: Er hat viel Erfahrung, ist lange in der Formel 1 dabei und war ja sogar schon einmal Vizeweltmeister. Ich kann mir deshalb schon ein paar Sachen von ihm abgucken und noch etwas lernen. Für das Team ist es gut, zwei starke Fahrer zu haben.
SPIEGEL ONLINE: Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Ex-Markenkollegen Kimi Räikkönen? Sind Sie neidisch, dass der Finne seit dieser Serie für McLaren-Mercedes fährt?
Nick Heidfeld: Neidisch bin ich nicht, ich bin zufrieden mit meiner Arbeit bei Sauber. Kimi zeigt bei McLaren eine ganz gute Leistung im Vergleich zu David Coulthard. Ich glaube aber nicht, dass ich vergangenes Jahr bei Sauber einen schlechteren Job gemacht als er. Ich beobachte natürlich den Kimi schon ziemlich genau, wie er abschneidet. Mit ihm hatte ich nie große Probleme, wie überall zu lesen war. Neben der Strecke haben wir uns auch ganz gut verstanden, auf der Piste war es ein bisschen schwieriger.
SPIEGEL ONLINE: Wann wechseln Sie zu den "Silberpfeilen"? McLaren-Mercedes hat ja eine Option auf Sie.
Heidfeld: Ich habe einen Vertrag mit Sauber, und ich fühle mich sehr wohl in dem Team. Die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren ist gut und die Stimmung in der Mannschaft auch. Mein Ziel ist es jetzt erst mal, mit Sauber so gut wie möglich abzuschneiden und vielleicht den vierten Platz in der Konstrukteurswertung doch noch zu verteidigen. Darauf konzentriere ich mich im Moment.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein Lieblingsteam, für das Sie gerne einmal fahren würden?
Heidfeld: Wenn man mich fragt: Willst du mal für Ferrari fahren? Dann würde ich antworten: Wen würde das nicht reizen? Aber natürlich ist es mittelfristig mein Ziel, um die Weltmeisterschaft mitfahren zu können.
SPIEGEL ONLINE: Amtierender F1-Champion ist Michael Schumacher. Fährt er am besten? Oder hat er nur das beste Auto?
Heidfeld: Ich beurteile andere Piloten eigentlich nur sehr ungern. Aber ich fand es unglaublich, dass Michael schon beim siebtletzten Saisonrennen in Magny Cours Weltmeister wurde. Okay, dass er es wird, war schon irgendwo klar, aber nicht schon so früh in der Saison. Da kann man nur gratulieren. Er und Ferrari sind einfach das beste Paket.
SPIEGEL ONLINE: Sie fahren jetzt Ihre dritte Formel-1-Saison. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Heidfeld: Man merkt schon, dass sich mein Stellenwert generell verbessert hat - auch in der Formel 1 selbst, nicht nur bei den Zuschauern.
SPIEGEL ONLINE: Wie bewerten Sie die anhaltenden Finanzprobleme einiger F1-Teams? Steckt der PS-Zirkus in einer Krise?
Heidfeld: Es ist natürlich nicht so schön, zu sehen, was gerade mit Arrows passiert. Ich glaube, auf der finanziellen Seite haben wir bei Sauber weniger Probleme als die meisten anderen kleineren Teams. Das ist auch eine Stärke unseres Schweizer Teams und von Peter Sauber. Er wirtschaftet richtig.
SPIEGEL ONLINE: Wie sehr hat sich der Job der Piloten zu früher gewandelt, wie viel Ingenieurswissen ist nötig?
Heidfeld: Nach wie vor ist das Wichtigste, dem Ingenieur wirklich vermitteln zu können, was das Auto macht. Aber es ist immer von Vorteil, wenn man sich für die ganze Materie interessiert und Erfahrung hat.
SPIEGEL ONLINE: Ihr schwerer Crash beim Großen Preis von Österreich in Spielberg ist ja Gott sei dank gut ausgegangen, aber es war schon eine schlimme Schrecksekunde. Wie sieht es Ihrer Meinung nach mit der Sicherheit in der Formel 1 aus?
Heidfeld: Es ist immer noch unheimlich gefährlich. Das ist klar, wenn man mit 360 Stundenkilometern zum Beispiel in Monza irgendwo umfährt. Es kann immer etwas passieren. In der Formel 1 ist glücklicherweise jetzt einige Jahre nichts richtig Schlimmes mehr geschehen. Man darf jetzt nicht denken, die Formel 1 ist komplett sicher und man kann machen, was man will.
SPIEGEL ONLINE: Macht Sicherheit leichtsinnig?
Heidfeld: Das hoffe ich nicht. Auf der anderen Seite ist es unterbewusst schon der Fall. Wenn man in den 60ern oder 70ern abgeflogen ist, war es eventuell vorbei. Deshalb waren die Fahrer wahrscheinlich ein bisschen vorsichtiger.
SPIEGEL ONLINE: Am Sonntag steht in Spa-Francorchamps der Grand Prix von Belgien an. Was halten Sie von der Strecke?
Heidfeld: Es ist eine Piste, die ich mag. Sie ist aber nicht meine Lieblingsstrecke wie bei vielen anderen Piloten. Am meisten sticht die Eau-Rouge-Kurve heraus. Die ist auch für mich die interessanteste und extremste Kurve der Formel 1. Ich freue mich auf das Rennen.