Interview mit Norbert Haug "Wir wollen Weltmeister werden"
Herr Haug, seit zwölf Jahren sind Sie Motorsportchef bei Mercedes. War das Ihre bisher schwierigste Formel-1-Saison?
Norbert Haug: Wer lange im Sport aktiv ist, bekommt Erfahrung mit schwierigen Jahren. Das war nicht anders, ehe wir 1998 zum ersten Mal Weltmeister geworden sind. Schon im vierten Jahr unserer Partnerschaft mit McLaren waren wir zum ersten Mal ganz oben und im fünften Jahr zum zweiten Mal. Dass dann ein Abschwung kommen kann, liegt im Wesen des Sports.
Trotzdem, die "Silberpfeile" haben die Vize-Weltmeisterschaft in der Konstrukteurswertung an den Rivalen BMW-Williams verloren. In der Fahrerwertung gehören David Coulthard und Kimi Räikkönen vor dem letzten Rennen noch nicht einmal zu den Top vier. Zufrieden können Sie da doch nicht sein.
Haug: Die Punktabstände hinter den Ferrari-Fahrern sind minimal. Es ist zwar schön, wenn man Zweiter werden kann, aber unser Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Für uns gilt: Wir müssen in der Lage sein, um Siege zu fahren. Das haben wir in diesem Jahr nur selten erreicht. Doch seit wir in Monaco gewonnen haben, hat nur Ferrari mehr Punkte gemacht als wir.
In der Formel 1 ist nach der Ferrari-Siegesserie eine Regeldiskussion entbrannt. Was halten Sie davon?
Haug: Wegen der Ferrari-Dominanz brauchen wir keine Regeländerung.
Glauben Sie wirklich, dass Sie die Überlegenheit von Ferrari nächste Saison brechen können?
Haug: Wir haben die Weichen richtig gestellt. Wir schaffen die Wende, auch wenn Ferrari zwangsläufig 2003 der große Favorit ist. Unser Team hatte noch nie mehr Lust auf die Formel 1 als jetzt.
Wie erklären Sie sich die dominierende Rolle von Michael Schumacher und Ferrari?
Haug: Ferrari ist 1997, 1998 und 1999 drei Mal hintereinander jeweils im letzten Rennen am Titel vorbeigeschrammt. Das hat das Team sicher sehr intensiv zusammengebracht - ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht. Ferrari hat eine sehr erfahrene Truppe, viele davon waren früher mit Michael Schumacher bei Benetton. Ferrari hat mit Michael Schumacher einen blendenden Fahrer, Analytiker, Motivator und Antreiber.
Welche Rolle spielen die Reifen?
Haug: Das ist ein weiterer Baustein. Der Reifen wird speziell für den Ferrari gebaut. Sie haben kein kompliziertes Auto. Es ist sicherlich eines der besten Rennautos, das je gebaut worden ist. Wir hatten 1998 so einen Wurf von Fahrzeug - und wir kriegen so einen Wurf wieder hin. Ganz bestimmt.
Das Interview führte Volker Gundrum, dpa