Jean Todt: "Wir wollen das Rennen gewinnen" - DER SPIEGEL
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Jean Todt "Wir wollen das Rennen gewinnen"

Nach den letzten beiden Siegen der McLaren-Mercedes ist der Vorsprung von Michael Schumacher in der WM-Wertung geschmolzen. Dennoch gibt sich Ferrari-Rennleiter Jean Todt im Interview zuversichtlich, den Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring am Sonntag gewinnen zu können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Todt, befürchten Sie, nach den jüngsten beiden Doppelerfolgen der Silberpfeile Ihren Vorsprung in der WM-Wertung wieder zu verlieren?

Jean Todt:

Wir haben die ersten drei Rennen gewonnen und die letzten beiden verloren. Wir liegen noch vorn. Klar ist, wenn wir nicht gewinnen, siegen sie und umgekehrt.

So nahe wie in dieser Saison war Ferrari dem ersten Titelgewinn seit 1979 noch nie...

Todt: Es ist viel zu früh, darüber zu reden. Wenn nur noch zwei, drei Grand Prix zu fahren wären, könnten wir angesichts unseres Vorsprungs darüber reden. Aber noch stehen zwölf Rennen aus.

Ist es für Ferrari von Vorteil, dass die beiden Schumacher-Verfolger Mika Häkkinen und David Coulthard fast gleichauf liegen und sich derzeit zu neutralisieren scheinen?

Todt: Nein, das macht es nicht leichter für uns.

Könnte dieses Jahr Coulthard Michael Schumachers schärfster Rivale werden?

Todt: Psychologisch spricht mehr für Häkkinen, aber manchmal ist die Psyche nicht entscheidend.

Befürchten Sie personelle Konsequenzen, falls es wieder nicht mit der WM klappen sollte?

Todt: Ich persönlich fürchte keine Konsequenzen. Ich arbeite sehr hart, seit ich bei Ferrari bin. Das Team hat sich seit meinem Arbeitsantritt im Juli 1993 stark verbessert. Wenn mich jemand austauschen möchte, habe ich damit kein Problem. Aber derzeit bin ich glücklich mit Ferrari, und Ferrari ist glücklich mit mir.

Weshalb ist Ferrari in dieser Saison so stark?

Todt: Wir waren auch schon im Vorjahr stark. Leider hatte Michael zur Saisonmitte seinen schweren Unfall in Silverstone. Wir sind dennoch Konstrukteurs-Weltmeister geworden und haben den Fahrer-Titel mit Eddie Irvine erst im letzten Rennen verloren. 1997 und 1998 haben wir die Fahrer-WM ebenfalls erst beim Finale verloren. Wenn man alle Formel-1-Teams seit 1997 nimmt, war Ferrari das beständigste. Das sind Tatsachen.

Teilen Sie die Meinung, der Ferrari und der McLaren-Mercedes seien inzwischen gleichwertige Rennwagen?

Todt: Ich denke, wir liegen sehr eng beieinander.

Was erwarten Sie beim Großen Preis von Europa?

Todt: Wir wollen das Rennen gewinnen.

Das Gespräch führte Elmar Dreher.

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