Hamiltons dritter Platz in Spa Crash Test Dummies
Die Ferrari-Piloten zerstörten schon in der ersten Kurve ihr Rennen
Foto: JOHN THYS/ AFPAusgangslage: Sechs der sieben vergangenen Rennen gewann Lewis Hamilton - so hat der Titelverteidiger im Zweikampf mit Teamkollege Nico Rosberg einen 43-Punkte-Rückstand in eine 19-Punkte-Führung umgewandelt. Eigentlich spricht wenig für den Deutschen, aber Hamilton musste beim Großen Preis von Belgien aus der letzten Reihe starten. Diese Chance galt es für Rosberg zu nutzen. Und die anderen Top-Teams? Ferrari kam mit den heißen Verhältnissen in den Ardennen gut zurecht und rückte wieder an Red Bull heran.
Ruhmreiche letzte Startreihe: Formel-1-Regeln muss man nicht immer verstehen, wie das Qualifying-Theater zu Beginn der Saison oder das Hin und Her beim Boxenfunk gezeigt haben. Neues Beispiel gefällig? Mercedes und McLaren tauschten im Laufe des Wochenendes verschiedene Bestandteile der Motoren an den Boliden von Lewis Hamilton und Fernando Alonso - in der Summe bekamen die beiden Weltmeister jeweils 60 Strafplätze aufgebrummt. 60 Plätze zurück bei 22 Rennwagen. Alonso, ohnehin genervt vom Regelchaos in der Formel 1, kommentierte die Versetzung auf seine Weise:
Provisional grid. First row for Lewis and me. #penalties #60and55places 🙄🙄 https://t.co/e6eVuGaA6i
— Fernando Alonso (@alo_oficial) August 27, 2016
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Ergebnis: Rosberg erfüllte die Pflicht souverän und gewann in Spa sein sechstes Saisonrennen. Im optimalen Fall hätte er wegen Hamiltons Strafversetzung sogar die WM-Führung übernehmen können, aber ein kurioses Rennen ermöglichte dem Briten Platz drei. Vor dem nächsten Rennen in Monza am kommenden Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat Hamilton noch neun Punkte Vorsprung. Auf Platz zwei landete Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo.
Startphase: Max Verstappen hatte sich in der Qualifikation den zweiten Platz hinter Rosberg gesichert und ging als einziger Fahrer aus der Spitzengruppe mit superweichen Reifen ins Rennen. Wegen des besseren Grips rechneten viele Experten mit einem Angriff des Niederländers auf Rosberg - aber es kam anders: Verstappen kam nicht gut weg und so drängten sich die Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen von hinten neben den Red-Bull-Piloten. In der ersten Kurve wurde es zu eng für drei Autos, Vettel ließ seinem Teamkollegen zu wenig Platz und so kam es zur Kollision. Alle drei Autos wurden beschädigt, es gab eine virtuelle Safety-Car-Phase - und Hamilton lachte sich am Ende des Feldes ins Fäustchen.
Today's race #F1 pic.twitter.com/fZ7w3sXY3J
— Dan Rigsby (@Dan_Rigsby) August 28, 2016
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Rennabbruch: Doch es kam noch besser für Hamilton. Der Reifenplatzer von Carlos Sainz und der Unfall zwischen Jenson Button und Pascal Wehrlein spielten dem von hinten durch das Feld pflügenden WM-Spitzenreiter bereits in die Karten - aber dann kam der spektakuläre Crash von Kevin Magnussen. In der legendären "Eau Rouge"-Kurve brach das Heck des Dänen aus, der Renault-Fahrer lenkte zu stark ein und landete im Reifenstapel. Zunächst versuchte die Rennleitung die Schäden an der Strecke in einer Safety-Car-Phase zu reparieren, dann entschied sie sich aber für einen Rennabbruch. Das Fahrerfeld war kräftig durchgemischt worden, Alonso und Hamilton gingen nach der Wiederaufnahme von Platz vier und fünf aus zurück ins Rennen.
Oldie vs. Youngster: Kimi Räikkönen ist mit 36 Jahren nicht nur der älteste Fahrer im Feld, er ist auch der Schweigsamste. Wenn der Routinier aus sich rausgeht, muss etwas passiert sein. Wie beim Großen Preis von Ungarn, als er sich zunächst per Boxenfunk und später auch vor Journalisten über ein Manöver von Verstappen echauffierte. Der Niederländer, mit 18 Jahren der mit Abstand jüngste Formel-1-Fahrer, muss immer mal wieder Kritik für seinen Fahrstil einstecken. Diese Diskussionen dürften nach Spa neue Nahrung bekommen. Wieder verteidigte Verstappen seinen Platz vor Räikkönen mit grenzwertigen Mitteln, der Finne landete deshalb neben der Strecke. "Sein einziges Interesse ist, mich von der Strecke zu drängen", sagte Räikkönen per Funk zu seinen Mechanikern. Am Ende rächt er sich auf seine Art, wurde Neunter und drängte den Elften Verstappen so aus den Punkten.
Verstappen-Fans an der Strecke in Spa-Francorchamps
Foto: Charles Coates/ Getty ImagesDer niederländische Schumacher: Auch wenn Verstappen einen Rückschlag hinnehmen musste, wird er dieses Wochenende in guter Erinnerung behalten. Schon Stunden vor Rennbeginn bildeten sich rund um die Strecke kilometerlange Staus und viele Fans aus seiner niederländischen Heimat feierten auf den Campingplätzen und den Tribünen eine Oranje-Party. Eine solche Begeisterung für einen Fahrer gab es zuletzt in den Anfangsjahren von Michael Schumacher.