Malaysia-Sieger Vettel: Dominator mit Reserven - DER SPIEGEL
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Malaysia-Sieger Vettel Dominator mit Reserven

Sebastian Vettel feierte in Malaysia einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Eindrucksvoll bewies der Titelverteidiger, dass er mit seinem Können und dem besten Auto das Feld nach Belieben kontrollieren kann. Und auch nach Renn-Ende zeigte Vettel Größe.
Malaysia-Sieger Vettel: "Alles andere als ein Spaziergang"
Malaysia-Sieger Vettel: "Alles andere als ein Spaziergang"

Malaysia-Sieger Vettel: "Alles andere als ein Spaziergang"

Foto: Clive Mason/ Getty Images
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Den anstrengendsten Teil des gesamten Rennwochenendes beim Großen Preis von Malaysia schien Sebastian Vettel bei der Siegerpressekonferenz absolvieren zu müssen. Er strahlte wie der Lausbub Michel aus Lönneberga bei der Rechtfertigung einer seiner Streiche über beide Ohren. Und es hatte den Anschein, als müsste er selbst über sich lachen, als er seine Rennanalyse zum Besten gab.

"Es war ein sehr hartes Rennen", grinste der 23-Jährige, "alles andere als ein Spaziergang, ich musste immer auf der Hut sein - denn gerade bei einem so anstrengenden Rennen wie in Malaysia kann immer alles passieren."

Doch war es wirklich so schwer für den amtierenden Weltmeister, das zweite von bisher zwei gefahrenen Rennen der Formel-1-Saison zu gewinnen?

Trotz Vettels Zurückhaltung auf der Pressekonferenz, es sah anders aus. Der Sieg geriet nie in Gefahr, nachdem Vettel den Vorteil seines besten Startplatzes beim Sprint zur ersten Kurve nutzen konnte und damit den Verfolgern die größte Möglichkeit nahm, ihn überholen zu können. Von da an verwaltete er mehr oder weniger seinen Vorsprung und passte clever sein eigenes Tempo dem Speed seiner Verfolger an.

Ob die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button hinter ihm lauerten, ob Fernando Alonso im Ferrari den Anschluss suchte, ob Teamkollege Mark Webber mal Vollgas gab: Vettel hatte auf jede Attacke seiner Gegner die passende Antwort.

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Zwei Dinge verdeutlichen, wie überlegen Vettel in seinem Red Bull auch beim zweiten Saisonrennen war. Erstens: Als der Kommandostand von Red Bull ihn bat, aus Sicherheitsgründen (Red Bull wollte keinen unnötigen Defekt der sensiblen Apparatur riskieren) das Kers-System nicht mehr zu nutzen und somit auf 80 Zusatz-PS zu verzichten, fuhr Vettel die Kurven halt ein bisschen schneller - seinen Rundenzeiten schadete das nicht, diese wurden erstaunlicherweise sogar bis zu einer halben Sekunde besser.

Zweitens: Wie viel Reserven Vettel im Notfall noch hatte, zeigte die beste Rundenzeit seines Teamkollegen Webber. Der Australier fuhr mit frischen Reifen in 1:40.571 Minuten die schnellste Runde des Rennens. Vettels bester Umlauf wurde mit 1:41.539 Minuten notiert. Vettel, der mit dem neuen Red Bull RB7 und den Eigenarten der Pneus des neuen Reifenherstellers Pirelli viel besser klarkommt als Webber, hätte dessen Bestzeit wohl ohne Probleme unterbieten können.

"Sebastian fuhr mehr oder weniger spazieren"

Deshalb sagte Teamchef Martin Whitmarsh vom derzeit einzigen ernstzunehmenden Vettel-Jäger McLaren halb anerkennend und halb frustriert: "Sebastian war nie richtig am Limit. Er fuhr mehr oder weniger spazieren."

Was Vettel über seine Leistung im Cockpit ausmacht, zeigt eine andere Reaktion nach dem Rennen. Kaum hat er seinen Glitzerhelm abgesetzt, beginnt die Verwandlung zum nachdenklichen jungen Mann, der schnell über seinen eigenen Tellerrand hinausblicken kann. Er freute sich aufrichtig über den dritten Platz seines ehemaligen Teamkollegen bei BMW, Nick Heidfeld: "Kaum einer hatte es so verdient auf dem Podium zu stehen wie Nick Heidfeld. Viele hatten ihn schon abgeschrieben, aber das zeigt nur, was man von Vorurteilen dieser Art halten soll. Nick kann sich mit Recht auch wie ein Sieger fühlen."

In der Tat: Der Renault-Pilot bewies mentale Stärke, weil er den Kritikern trotzte, die ihn für das Desaster beim Auftaktrennen in Melbourne verantwortlich machten. Heidfeld war direkt nach dem Rennen damals nach Hause geflogen und beschloss im Schoß seiner Familie, das Pech von Melbourne nicht als Trend anzusehen, sondern als Ausnahme. Er wollte das wenige Positive vom Auftaktrennen mit nach Malaysia nehmen. Der dritte Platz vom Teamkollegen Vitaly Petrov in Australien hatte nämlich gezeigt: Die Lotus-Renault haben das Potential zu Spitzenresultaten. "Und ohne arrogant zu klingen", sagte Heidfeld, "ich wusste: Was Vitaly kann, kann ich auch."

Den Worten ließ er Taten folgen. Im Qualifying in Malaysia war er Sechster, mit einem starken Start folgte er Vettel als Zweiter in die erste Kurve, am Ende war er Dritter - und happy: "Ich hatte ein nahezu perfektes Wochenende. So muss es weitergehen."

Der Plan der Konkurrenz: von Red Bull kopieren

Die Verantwortlichen von Mercedes dürfen nicht so denken. Dem Pech von Melbourne folgte die Ernüchterung von Malaysia. Michael Schumacher gelangen zwar die ersten zwei WM-Punkte, aber das ist auch der einzige positive Aspekt des Malaysia-Wochenendes. Fakt ist: Mercedes ist im Moment nur fünftbestes Team, der Abstand zu Red Bull beträgt mindestens 1,5 Sekunden pro Runde, die anfängliche Hoffnung, man könne zumindest mit Renault oder Ferrari auf Augenhöhe sein, hat sich nicht erfüllt.

Mercedes hat eine Menge Arbeit vor sich. Läuft alles gut zusammen, könnten in China wieder Punkte möglich sein. Mehr aber nicht. Ein großer Schritt scheint nur mit der Entwicklung eines neuen Autokonzepts möglich zu sein: Das heißt im Klartext: Das Team muss versuchen, den Red Bull so gut wie möglich zu kopieren.

Das gleiche gilt für Ferrari. Nach zwei Saisonrennen ist die Scuderia die Enttäuschung der Saison. Das Auto ist besonders im Qualifying zu langsam, im Rennen ist Nummer-zwei-Pilot Felipe Massa zu langsam und Starfahrer Alonso zu ungeduldig. Durch eine unnötige Kollision mit Lewis Hamilton und dadurch folgendem Zusatzstopp sowie 20-Sekunden-Strafe durch die Rennkommissare hatte sich der Spanier um die Chance gebracht, am Ende Dritter statt nur Fünfter zu werden.

Sein Team wirkt führungslos wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Man wolle jetzt die "flexiblen" Frontspoiler des Red Bulls kopieren, wurde in Maranello die nächste Verbesserungsmaßnahme angekündigt.

Aber so einfach ist das nicht, denn Red-Bull-Designer Adrian Newey warnt: "Du kannst nicht einfach unseren Flügel nehmen und auf ein anderes Auto schrauben. Denn er gehört zu einem Gesamtkonzept, bei dem die Wirkungsweise jedes Teils die Wirkungsweise des nächsten beeinflusst." Ferrari wirkt im Moment so, als würde man panisch mit der Schrotflinte schießen, um Treffer zu landen, statt mit einem Präzisionsgewehr das Ziel anzuvisieren.