Red-Bull-Pilot Verstappen: Retter der Formel 1
Formel-1-Versprechen Verstappen Circus Maximus
Es gibt Formel-1-Weltmeister, an die man sich kaum noch erinnert. Dann gibt es Weltmeister, die die Geschichte dieses Sports entscheidend mitgestaltet haben. Und es gibt Legenden. Legenden wie Ayrton Senna, dessen Mythos schon lange vor seinem tödlichen Unfall geschrieben wurde. Legenden wie Michael Schumacher, der auch fast drei Jahre nach seinem schweren Ski-Unfall noch unzählige Fans in seinen Bann zieht. Max Verstappen hat das Zeug, auch zu so einer Formel-1-Legende zu werden.
Senna, Schumacher und Verstappen eint die Erinnerung an dieses eine ganz besondere Rennen, das ihr zuvor schon gezeigtes Ausnahmetalent zementierte und als früher Meilenstein in ihren Karrieren angesehen wird:
- Senna deklassierte 1985 die Konkurrenz auf der überfluteten Strecke von Estoril. Beim ersten Sieg in seinem 16. Formel-1-Rennen waren insgesamt 17 Fahrer ausgeschieden, der Brasilianer fuhr dagegen bei mäßiger Sicht ein einsames Rennen an der Spitze und leistete sich keinen einzigen Fehler.
- Schumacher siegte 1992 erstmals in Spa-Francorchamps; den Grundstein für seine außergewöhnliche Anziehungskraft legte er jedoch acht Rennen zuvor. Im Regen von Barcelona pflügte Schumacher so viel schneller durch das Feld als die anderen Fahrer, dass er als Zweitplatzierter auch dem technisch deutlich überlegenem Williams-Renault mit dem späteren Weltmeister Nigel Mansell sehr nah kam.
- Verstappens Ausnahmetalent ist seit seinem Einstieg bei Toro Rosso 2015 verbrieft. Doch es dauerte 38 Rennen, bis sich die Formel-1-Welt vor ihm verneigte. Der Niederländer lotete im strömenden Regen von Brasilien alle denkbaren Fahrlinien aus, fand so völlig andere Bremspunkte und überholte in den letzten 16 Runden insgesamt elf Fahrer.
Red-Bull-Pilot Verstappen: Retter der Formel 1
Ob und wann Verstappen Weltmeister wird, ist ungewiss. Das hängt auch an Dingen, die der 19-Jährige nicht beeinflussen kann. In der kommenden Saison greifen neue aerodynamische Regeln, die die Autos schneller fahren und aggressiver wirken lassen sollen. Ob die Dominanz von Mercedes damit gebrochen werden kann, wird von vielen Experten bezweifelt. Verstappen ist klarer Befürworter der Veränderungen; fünf Sekunden schneller fahren zu können ist nach seinem Geschmack. Eine Garantie in Sachen Konkurrenzfähigkeit hat er damit nicht.
Und trotzdem hat Verstappen das Zeug zum Retter der Formel 1. Denn auch wenn das Krisengerede nach einer spannenden Saison mit spektakulären Rennen abnimmt, gibt es immer noch zu viele Dinge, die die Formel 1 aus Sicht der Zuschauer unattraktiv erscheinen lassen: Komplexe Technik, hohe Kosten, Rückzug aus Europa, Überlegenheit von Mercedes, zu wenig echte Überholmanöver, langweilige Fahrer. Da kommt ein Multitalent wie Verstappen genau richtig.
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Der Sohn von Jos Verstappen, in den neunziger Jahren erfolgloser Teamkollege von Michael Schumacher, vereint viele Fähigkeiten, die ihn vom restlichen Fahrerfeld abheben. Das Talent mag er vom Vater geerbt haben, vor allem wurde der junge Verstappen aber von Kindesbeinen an auf die Formel 1 vorbereitet. "Alles, was ich in meinem Leben tue, hat mit Rennsport zu tun", sagt Max Verstappen. Die absolute Fokussierung auf seinen Job mag in Sachen Persönlichkeitsentwicklung grenzwertig sein - es machte ihn ungewöhnlich früh zu einem Siegfahrer.
Das Rennen in Brasilien hat aber auch gezeigt, wie unkonventionell Verstappen fährt. Hinter dem Safety Car verließ er immer wieder die vermeintliche Ideallinie, um Grenzen auszuloten. So wusste er, wo Überholmanöver möglich waren und mit seinem Instinkt, der auch an Senna und Schumacher erinnert, ließ er die mit den nassen Bedingungen kämpfenden Fahrerkollegen stehen.
Verstappen liefert auch sonst Schlagzeilen. Er legt sich mit etablierten Fahrern an, greift dabei schon mal zu brenzlichen Manövern, lässt sich im Anschluss aber weder maßregeln noch einschüchtern und bewegt sich dabei zwischen Respektlosigkeit und Arroganz. Das ergibt eine Mischung, die kein anderer Fahrer in der Formel 1 bietet. Sebastian Vettel nicht, Nico Rosberg - der neue Weltmeister ohne Ecken und Kanten - zweifelsfrei nicht, aber auch der charismatische Lebemann und Instinktfahrer Lewis Hamilton wird außerhalb seiner Heimat nicht so verehrt, wie es einst Senna und Schumacher wurden.
Jetzt muss Verstappen nur noch Weltmeister werden.