Mercedes-Desaster: Ein Rennen zum Vergessen - DER SPIEGEL
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Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Mercedes-Desaster Ein Rennen zum Vergessen

Das erste Formel-1-Rennen der Saison endete für Mercedes in einem Fiasko. Der ehrgeizige Rennstall verlor beide Wagen nach Unfällen und blieb davor weit hinter den Spitzenteams zurück. Michael Schumacher und Nico Rosberg waren frustriert - eine Erklärung blieb das Team aber schuldig.
Von Clemens Gerlach
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Zwei Fahrer, eine Meinung. "Das erste Wochenende der Saison war eine Enttäuschung", sagte Nico Rosberg am Sonntag nach dem Grand Prix von Australien in Melbourne. Mercedes-Teamkollege Michael Schumacher drückte es etwas galanter aus: "Der Saisonstart verlief leider nicht so, wie wir es erhofft hatten. Wir sollten dieses Rennen jetzt schnell abhaken und uns auf den nächsten Grand Prix in Malaysia konzentrieren."

Aus Sicherheitsgründen zog die Teamführung Schumacher in der 19. von 58 Runden aus dem Verkehr. Der MGP W02 des 42-Jährigen war nach einer Kollision mit Jaime Alguersuaris Toro Rosso in der dritten Kurve nicht mehr fahrbar. Da halfen auch zwei Boxenstopps nichts. "Das Team sagte dann, es hat keinen Sinn mehr, es ist zu gefährlich", so Schumacher, der in der Qualifikation am Samstag Elfter geworden war.

Sehr enttäuscht war auch Rosberg, der zumindest das interne Duell mit Startplatz sieben abermals für sich entschieden hatte. Der Zorn des 25-Jährigen - "Ich habe nicht erwartet, dass wir im Niemandsland sind" - richtete sich zunächst gegen den Brasilianer Rubens Barrichello, der ihn mit seinem Williams gerammt hatte. "Das war kein Supermanöver von ihm", schimpfte Rosberg, für den in der 22. Runde Feierabend gewesen war.

Auch wenn für das jeweils frühe Aus der Mercedes-Fahrer die Unfälle entscheidend waren, auf der Strecke selbst hatten Rosberg und Schumacher zuvor keineswegs überzeugen können. Auf die Spitzenteams fehlte wieder einmal einiges. "Es wäre auch ohne diese Zwischenfälle schwer für uns geworden", gab Schumacher zu.

Mercedes hat keine Erklärungen für die schwachen Leistungen

Beim Rennen auf dem 5,303 Kilometer langen Kurs im Albert Park von Melbourne kam Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull zu einem sicheren Start-Ziel-Sieg. Der 23-Jährige benötigte für die 307,574 Kilometer 1:29:30,259 Stunden. Zweiter mit einem Rückstand von 22,297 Sekunden wurde Lewis Hamilton (McLaren). Renault-Fahrer Witali Petrow holte als erster russischer Fahrer bei einem Formel-1-Rennen einen Podestplatz.

"Außer Spesen nichts gewesen. Dies war der härteste unserer bisher 20 Grands Prix für Mercedes", klagte Motorsportchef Norbert Haug, "vom ersten Training an hatten wir diverse technische Probleme. Unsere Performance war deshalb von Freitag an nicht so wie sie hätte sein sollen."

Hinreichende Erklärungen für die schwachen Leistungen hatte bei Mercedes aber niemand, zumindest sprach darüber öffentlich keiner. Man hätte dies ja auch als Eingeständnis verstehen können, dass die Fortschritte nach der enttäuschenden Saison 2010 doch nicht so groß wie erhofft sind.

"Wir müssen verstehen, was fehlt"

"Besonders tut es mir für unsere Jungs hier und in der Fabrik leid, die im Winter sehr gut und sehr hart gearbeitet haben, aber aus irgendeinem Grund konnten wir ihre Arbeit am gesamten Wochenende nicht in Ergebnisse umsetzen", formulierte Schumacher nebulös.

Der Rekordweltmeister (sieben Titel), der bei Tests gute Ergebnisse erzielt hatte, wirkte ratlos. "Es reicht nicht, um über vordere Plätze nachzudenken. Wir müssen verstehen, was fehlt", sagte Schumacher.

Offenkundig hatte im Rennen das Energierückgewinnungssystem KERS nicht funktioniert, auf den Geraden fehlten so ein paar PS. "Wir stehen vor einem Rätsel, aber wir müssen es lösen. Und ich traue uns das auch zu", sagte Haug.

Mit den verstellbaren Heckflügeln, eine weitere Neuerung in dieser Saison, gab es ebenfalls Probleme. "Wir haben gute Zutaten, aber wir nutzen sie nicht zusammen", sagte Teamchef Ross Brawn.

Auf das Prinzip Hoffnung setzte Rosberg. "Wir konzentrieren uns jetzt auf das Positive." Dass es in 14 Tagen beim nächsten Rennen besser läuft, mag er aber nicht beschwören. "Es wird interessant sein zu sehen, wie wir uns in Malaysia schlagen."

Teamchef Ross Brawn blieb ebenfalls im Ungefähren: "Jetzt werden wir das Rennen hinter uns lassen, uns neu formieren und den Blick nach vorne richten."

mit Material von dpa und sid