Michael Schumacher Champagnerdusche im Maracana
Rio de Janeiro - Michael Schumacher hat in Brasilien eine Champagnerdusche verpasst bekommen, ehe überhaupt der erste Kilometer gefahren war. Fußball-Weltstar Ronaldo höchstpersönlich "taufte" den Formel-1-Champion nach dem gemeinsamen 10:9-Erfolg in einem Benefizspiel im berühmten Maracana-Stadion.
Als gutes Omen für den sonntäglichen Anlauf zum siebten Rennerfolg in Serie gab's für den Ferrari-Star, der einen Elfmeter eiskalt verwandelte, einen goldenen Siegerpokal obendrauf. Ganz nebenbei half der deutsche Unicef-Botschafter mit seinem Auftritt den von der Aktion "Crianca Esperanca" unterstützten Kindern in Not.
"Mit solchen Stars zu kombinieren, ist eine Ehre"
"Das war viel mehr als eine willkommene Abwechslung und eine
Trainingseinheit für das Rennen. Ich spiele ohnehin gern Fußball, aber mit solchen Stars zu kombinieren ist eine Ehre und macht noch viel mehr Spaß", meinte der "Zauberfuß" aus Kerpen.
Nach 90 schweißtreibenden Minuten im bei 35 Grad Celsius kochenden
Riesenkessel Maracana prasselte das Lob von der versammelten
Fußball-Prominenz auf den "Bleifuß" nieder. "Der kann wirklich
Fußball spielen. Wir haben toll kombiniert und einen gemeinsamen Boxenstopp an der Wasserflasche eingelegt", sagte der bei seinem Comeback gleich fünfmal erfolgreiche Sturmpartner Ronaldo. Weltstar Zico gab Schumi die "Note acht" (von zehn).
Eiskalter Elfmeterschütze
Schumacher bedankte sich höflich für die Blumen, aber "ich
weiß schon, wie ich das einzuordnen habe". Immerhin bewies der beim Schweizer Fußball-Drittligisten FC Echichens aktive Deutsche auch abseits seines Ferrari seinen Killerinstinkt. Nach 29 Minuten knallte er einen Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 4:1 eiskalt in die linke Ecke des Gehäuses, in das Weltstar Pelé 1969 sein legendäres 1000. Tor geschossen hatte.
Zudem bereitete der 32-Jährige zwei weitere Treffer gekonnt
vor, darunter das Siegtor zum 10:9 von Zicos Sohn Bruno. Die
Belohnung der 20.000 Fans mit "Schumacher, Schumacher"-Sprechchören dauerte allerdings nur einige Sekunden, dann erkämpften sich die Anhänger seines abwesenden brasilianischen Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello mit "Rubinho"-Rufen die Oberhand.
Ein paar Dribblings zu viel
Schumacher juckte der in Brasilien hochgekochte angebliche
Zwist mit Barrichello überhaupt nicht. Stattdessen freute sich der auch im 200.000 Fans fassenden Maracana manchmal zu eigensinnige Raser, sich "einen großen Traum erfüllt" zu haben: "Wir haben letztes Jahr in Rom gegen das deutsche Fußball-Weltmeisterteam von 1990 gespielt. Aber das hier im größten Stadion der Welt war noch einmal eine Steigerung." Wie der selbst zweimal erfolgreiche Zico mit 48 Jahren alles vorbereite, sei "traumhaft". Am meisten habe er
jedoch von Ronaldo gelernt: "Den habe ich gleich zu einem Spiel der Formel-1-Mannschaft eingeladen." Dieses soll möglicherweise im Juni in Genua stattfinden.
Seinem größten Wunsch ("Wenn es überhaupt etwas gibt, was ich
mir wünsche, dann möchte ich gern besser Fußball spielen. Die
Jungs, die ein tolles Ballgefühl haben, beneide ich schon.") ein Stück näher, düste Schumacher am Abend nach dem Spiel mit dem Privatjet von Rio nach São Paulo. Auf der Rennstrecke von
Interlagos will sich der "Zauberfuß" wieder zum "Bleifuß"
verwandeln: "Ich gehe davon aus, dass wir wieder ganz vorn dabei sind."
Von Lars Becker, sid