Michael Schumacher "Ferrari-Ära begründen"
Hamburg - Bis Ende 2002 ist Schumacher, der für Ferrari in der vergangenen Saison die erste Weltmeisterschaft nach 21 Jahren gewann, noch bei der Scuderia unter Vertrag. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung besitzt der Kerpener jedoch eine Ausstiegsklausel: Wenn er zweimal in Folge Weltmeister wird, kann er den Rennstall wechseln. Ferrari-Pressesprecher Claudio Berro wird mit den Worten zitiert: "Ich möchte das weder dementieren noch bestätigen. Aber falls nötig, werden wir eine Lösung finden."
"Wenn ich sie hätte, wüsste ich das"
Schumacher-Manager Willi Weber erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Zu Vertragsinhalten äußere ich mich. Wir wollen den Vertrag bis Ende 2002 sehr gerne erfüllen." Der Weltmeister selbst betonte, dass es eine derartige Klausel nicht gebe: "Wenn ich sie hätte, wüsste ich das." Vielmehr möchte er nach dem heiß ersehnten Titel des Vorjahres die Scuderia nun in ein goldenes Zeitalter führen.
"Es ist eine Sache, die WM mit Ferrari zu gewinnen. Das andere ist, eine Ferrari-Ära zu begründen, wie zuletzt McLaren und Williams einige Jahre ganz oben zu stehen", beschreibt er die Ziele. Man könne sich keine WM-Titel vornehmen, aber versuchen, so viel wie möglich zu gewinnen. Stabilität sei wichtig, um sich weiter zu verbessern.
Präsentation des neuen Ferraris am 29. Januar
Entsprechend motiviert startet der Kerpener drei Monate nach seiner letzten Dienstfahrt beim Saisonfinale in Malaysia in die Vorbereitung für die am 4. März in Melbourne beginnende WM: Schon am 23. und 24. Januar, eine Woche früher als geplant, bestreitet Schumacher die ersten Testfahrten. Auch der Termin für die Präsentation des neuen Ferrari für 2001 steht. Das Team gab bei der traditionellen Ski-Woche in den italienischen Bergen bekannt, dass Schumachers künftiges Arbeitsgerät am 29. Januar am Firmensitz in Maranello offiziell vorgestellt wird.
Der dreimalige Champion kann die Rückkehr auf die Rennstrecke kaum erwarten. "Ich war schon im Dezember wieder heiß aufs Fahren. Aber das Team hat gesagt, ich soll noch zu Hause bleiben", berichtete er lächelnd. Selbst nachdem er sein großes Ziel, den Titel mit Ferrari, endlich erreicht hat, lässt seine Motivation keinen Deut nach. "Ich bin zum Rennfahren geboren. Sobald ich im Auto sitze, genieße ich das", betonte er. Er habe - trotz seiner Beinoperation - früher als im Vorjahr mit seinem Fitnessprogramm begonnen und bessere Werte als
früher. "Niemand muss sich Sorgen machen, dass meine Motivation nachlässt. Die Gefahr besteht nicht."
"Dann ist es Zeit aufzuhören"
Daher denke er auch noch lange nicht ans Aufhören. "Ich fühle mich sehr gut. Ich glaube, als Sportler kann man auf dem Level bis 35, vielleicht 36 weitermachen." Irgendwann gehe die Formkurve nach unten. Diesen individuellen Zeitpunkt müsse jeder selbst erkennen. "Dann ist es Zeit aufzuhören." Noch nicht festlegen mochte sich Schumacher, der kürzlich seinen 32. Geburtstag feierte, ob er seinen bis 2002 laufenden Vertrag bei Ferrari vorzeitig verlängert. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte mehrmals davon gesprochen, den
Superstar langfristig zu binden. "Ich bin noch zwei Jahre unter Vertrag. Es ist zu früh, jetzt schon weiter zu planen", so Schumacher dazu. "Ich möchte schauen, wie es mit Ferrari weitergeht und werde dann sehen, ob dies auch meine Zukunft ist."
Viel wird davon abhängen, wie lange Schumachers Vertrauensleute, Teamchef Jean Todt und Technikchef Ross Brawn, bleiben. Aber gerade bei den Ferrari-Skitagen von Madonna, wo der Pilot die Zeit im Schnee und lange Abende mit den Kollegen genoss, wurde deutlich, wie wohl sich der Rheinländer bei Ferrari fühlt. "Ich bin sehr zufrieden, so wie es jetzt ist. Man soll ja auch ein siegreiches Team nicht verändern." Auch mit seinem Teamkollegen Rubens Barrichello versteht Schumacher sich prächtig. Im Gegensatz zu früheren Partnern könne er ihm bei der Testarbeit vertrauen, lobte er den Brasilianer.