Mika Häkkinen Sorgen im Champagnerregen
Spielberg - Für Sieger Mika Häkkinen und sein McLaren-Mercedes-Team wird der Große Preis von Österreich zur Nerven aufreibenden Hängepartie. Über dem finnischen Weltmeister schwebt wegen eines fehlenden Siegels an einer beschlagnahmten elektronischen Kontrollbox das Damoklesschwert einer Disqualifikation. "Im Verlauf dieser Woche werden die drei Rennkommissare von Spielberg auf Basis des Berichtes des Technischen Delegierten der Fia ihre Entscheidung treffen", sagte Agnes Kaiser, eine Sprecherin des Internationalen Automobil-Verbandes Fia, am Montag in Genf.
Michael Schumacher würde ein nachträglicher Wertungsausschluss des finnischen Formel-1-Weltmeisters jedoch keinen Vorteil bringen. Denn in diesem für Häkkinen schlimmsten Fall würde dessen Teamkollege David Coulthard auf Platz eins hochgestuft. Der Silberpfeil des Schotten blieb bei der obligatorischen, stichprobenartigen Untersuchung durch Jo Bauer, dem Technischen Delegierten der Fia, und dessen siebenköpfigen Kontrolleursstab unbeanstandet.
"Häkkinen auf Kohlen", titelte der britische "Daily Express" mit Bezug darauf, dass dem Finnen bis zum Votum der drei Rennkommissare eine heiße Woche bevorsteht. Der "Daily Star" mutmaßte: "Schweißausbruch bei Häkki. Fehlendes Siegel bringt Zweifel über Mika-Sieg." Im Ferrari-Land löst dagegen der kontinuierlich schrumpfende Vorsprung Schumachers Schweißausbrüche aus. "Jetzt läuten die Alarmglocken für die WM", warnte "Tuttosport" vor einem erneuten Scheitern der "Roten" im Titelrennen.
WM-Spitzenreiter Schumacher droht beim Heim-Grand-Prix in Hockenheim am letzten Juli-Wochenende erstmals in dieser Saison die Wachablösung. Sein derzeitiger Sechs-Punkte-Vorsprung auf seinen schärfsten Verfolger Coulthard würde im Fall einer Disqualifikation Häkkinens sogar auf zwei Zähler zusammenschrumpfen. Vor dem Großen Preis von Deutschland stünde es dann statt 56:50 nur noch 56:54 für den zweimaligen Weltmeister aus Kerpen. Der Ferrari-Star, auf dem A1-Ring nach dem Rammstoß des Brasilianers Ricardo Zonta bereits in der ersten Kurve ausgeschieden, war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es ist jedoch bekannt, dass er zu schwebenden Verfahren grundsätzlich nichts sagt.
Die "Technik-Lawine" kam in der Steiermark erst ins Rollen, als das McLaren-Mercedes-Lager freudetrunken und ausgiebig bei Steirer Volksmusik, Sekt und reichlich Bier den fünften Sieg - darunter vier Doppelerfolge - in den letzten sieben Rennen feierte. "Davon lassen wir uns die gute Laune nicht verderben", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug gelassen. "Wir wissen, was wir tun." Er und seine Mitstreiter befürchten keinerlei Sanktionen.
In der Tat ist mit der Beschlagnahme der Kontrollbox des Motormanagements keine Schuldzuweisung verbunden. Bauer (Spitzname: Der Pedant) lädt jetzt die Software herunter, kontrolliert alles genau und schickt dann seinen Bericht nach Genf. Auf dieser Basis entscheiden die Rennkommissare. Im Fall eines nachgewiesenen Regelverstoßes können die Strafen von einer Geldbuße bis hin zur Disqualifikation reichen.
"Es hätten zwei Siegel an der Box sein müssen", so Bauer. "Es war aber nur eines da. Meine Software-Leute bringen diese Marken vor dem Grand Prix an." Der Saarländer wies darauf hin, dass im Vorjahr bei Jordan und McLaren-Mercedes schon einmal zwei Motorensiegel gefehlt hätten. Damals gab es nach der Analyse keinerlei Sanktionen für die Betroffenen.
Von der Beschlagnahmung erfuhr Schumacher erst zu Hause in Vufflens am Genfer See. Er hatte nach seinem dritten "Nuller" im vierten Grand Prix in Österreich seine "Unglücksstelle" bereits 15 Minuten vor Rennende frustriert verlassen. "Jetzt muss ich halt versuchen, beim Heim-Grand-Prix in Hockenheim meine Pechsträhne zu beenden", betonte Schumacher. Häkkinen, von der Zitterpartie noch nichts ahnend, hatte gejubelt: "Der Sieg tut mir nach den vielen Rückschlägen vor allem in Hinblick auf die Titelverteidigung gut. Ich muss jetzt aber auf dem Boden bleiben und kühlen Kopf bewahren."