Minardi Der australische Samariter
London - Ein australischer Geschäftsmann soll der Retter für das Formel-1-Team von Minardi werden. Paul Stoddart hat am Dienstag den maroden Rennstall für eine nicht genannte Summe - gemunkelt werden 100 Millionen Mark - erworben und hofft, sein Team noch rechtzeitig zum Saisonstart der Formel 1 am 4. März in Melbourne auf Vordermann zu bringen.
Bislang hat der Rennstall keinen Fahrer für das neue Jahr verpflichtet, und auch die Motorenfrage war noch nicht geklärt worden. Auf Testläufe musste ebenfalls verzichtet werden. Stoddart, ein selbst erklärter Formel-1-Freak, der alte Rennautos sammelt und schon ein Formel-3000-Team unterhält, verdient sein Geld mit einer europäischen Charterfluggesellschaft ("European Aviation"). Als erste Maßnahme will er die Beziehungen des Minardi-Rennstalls nach England verbessern.
"Mit sofortiger Wirkung wird der Minardi-Hauptsitz in Faenza die Kontakte zu den besser ausgerüsteten Formel-1-Herstellern in Ledbury, England intensivieren", hieß es in einer Pressemitteilung von Minardi. "Die Absicht ist, die Fabriken in Italien und England im Tandem arbeiten zu lassen. Eine Umsiedlung nach Großbritannien ist aber nicht beabsichtigt."
Stoddart und das Minardi-Team müssen sich jetzt so schnell wie möglich nach Fahrern und einem Motorenlieferant umsehen, soll die Saison 2001 gerettet werden. Im Gespräch als Pilot ist unter anderen Fernando Alonso aus Spanien. Als Motor wird ein europäischer Zehn-Zylinder, vermutlich eine aufgemöbelte Version des im letzten Jahr benutzten Ford-Fondmetals, gehandelt.
Stoddart hatte bereits vor drei Jahren versucht, das zum Verkauf stehende Traditionsteam Tyrell zu erwerben. Den Zuschlag damals erhielt aber der BAR-Rennstall. Sollte der Australier Minardi noch rechtzeitig zum Saisonstart sein Team auf Vordermann bringen, wäre er der erste Teambesitzer vom fünften Kontinent seit dem legendären Jack Brabham 1972.