Nach Barrichello-Sieg Jetzt heißt es zwei gegen zwei
Neuss - "Barrichello hat Schumacher die Weltmeisterschaft gerettet", behauptete Ferrari-Technikchef Ross Brawn nach dem ersten WM-Sieg des 28 Jahre alten Brasilianers beim Chaos-Grand-Prix von Deutschland. Doch vor allem hat Barrichello sich selbst in den Kreis der möglichen Weltmeister gefahren: Sein Rückstand auf den WM-Führenden Schumacher (56 Punkte) beträgt nur noch zehn Punkte. Die beiden Mercedes-McLaren-Piloten Mika Häkkinen und David Coulthardt haben nach elf von 17 Rennen je 54 Zähler. "Das wird ein Riesenfinale", jubelte die "Bild"-Zeitung.
Doch Barrichello winkt ab, will nicht gegen Schumacher fahren. "Daran möchte ich nicht denken oder darüber reden. Dieser Sieg ist für mich im Moment genug. Es ist großartig, bei Ferrari zu arbeiten", sagte Barrichello: "Jeder redet von Nummer eins oder Nummer zwei, aber das spielt für mich keine Rolle. Sie haben mir ein perfektes Auto gegeben. Ferrari ist wie eine große Familie."
Der erste Formel-1-Sieg nahm den Brasilianer sichtlich mit. "Es ist so lange her, ich hatte schon das Gefühl dafür verloren", stammelte Barrichello, der 1991 in der britischen Formel-3-Meisterschaft seinen letzten Rennsieg gefeiert hatte. In der Formel 1 löschte er nun mit dem ersten Sieg im 124. Rennen den bisherigen Rekord von Mika Häkkinen aus, der 96 Grand Prix auf den ersten Erfolg warten musste. Selbst Konkurrent David Coulthard meinte: "Niemand verdient diesen Sieg mehr als Rubens. Das war überfällig."
In der Ferrari-Heimat Italien überschlugen sich die Zeitungen mit Lobeshymnen für die Nummer 1B der Scuderia, die zumindest für einen Tag die Nummer 1A war, wie die "Gazzetta delle Sport" befand: "Barrichello, ein Triumph wie im Roman. Rubens für einen Tag wie Schumacher." Tuttosport stellte ihn auf eine Stufe mit Senna: "Lieber Senna, er ist dir als Nachfolger würdig."
Schumacher, der kurz nach dem Start einen Unfall hatte und damit zum vierten Mal in fünf Rennen ausfiel, wurde gnadenlos kritisiert. "Die 800 Meter von Schumacher - jetzt ist er das Problem", meinte "La Repubblica" und stellte den Kerpener an den Pranger: "Die Tifosi begeistern sich viel mehr für die Siege der menschlicheren und sympathischeren Nummer zwei wie schon Eddie Irvine und nun Barrichello. Schumi schätzen sie, aber sie lieben ihn nicht und verzeihen ihm keinen Fehler. Er ist kalt und arrogant."
Flavio Briatore, Schumachers Ex-Chef bei Benetton und jetzt Vorgesetzter von Fisichella, lästerte ebenfalls: "Schumacher ist der übliche arrogante Mensch." Auch Fisichella wollte die Vorwürfe des Kerpeners nicht auf sich sitzen lassen und verteidigte sich: "Ich habe meine Linie gehalten, Michael hat den Fehler gemacht."