Nick Heidfeld "Deutlich mehr Spaß"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Heidfeld, zum Ende der Test in Jerez hat das wochenlange Tauziehen um Kimi Räikkönen ein Ende. Gestern Abend erteilte ihm der Internationale Automobilverband (Fia) die so genannte Superlizenz, die "Lizenz zum Rasen".
Nick Heidfeld: Das hat mich für Kimi sehr gefreut und ich habe ihm gleich gratuliert. Er stand ja besonders in letzter Zeit unter einem enormen Druck. Trotzdem hat er sich in den vergangenen Tagen in Jerez super verkauft: Keinmal gedreht - auch an den Regentagen nicht. Er ist sehr gute Zeiten gefahren und immer ruhig geblieben.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind nun mit 23 schon der Routinier bei Sauber. Ihr neuer Kollege ist noch jünger und hat nichts zu verlieren: Ein gefährlicher Konkurrent im eigenen Stall?
Heidfeld: Ja, auf jeden Fall. Ich bin zwar die Nummer eins im Team, aber wenn ich gegen ihn verliere, bin ich der Depp. Aber im Augenblick mache ich mir darüber noch keine Sorgen. Kimi hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen, aber bei mir lief es in Jerez ja noch besser.
SPIEGEL ONLINE: Zweimal waren Sie Viertbester. Der Zehnzylinder-Motor von Ferrari scheint Ihnen Spaß zu machen.
Heidfeld: Es ist ein ganz anderes Fahrgefühl als mit dem Peugeot-Motor bei Prost, deutlich angenehmer zu fahren. Speziell im unteren und mittleren Drehzahlbereich hat er eine viel bessere Leistung, ist dadurch auch besser zu kontrollieren, und das Heck ist ruhiger. Bei Prost hatten wir in der Vorbereitung mit sehr viel mehr technischen Problemen zu kämpfen. Es hat jetzt rundum deutlich mehr Spaß gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Trotzdem ist es ja eine "alte Karre". Ihr neuer Dienstwagen ist in sechs Wochen fahrbereit, dann allerdings mit Schumis WM-Motor. Das lässt hoffen.
Heidfeld: Deswegen werden wir in der kommenden Saison aber bestimmt nicht Weltmeister. Wir sind gut ausgerüstet, aber das ist ja nicht die neueste Ausbaustufe des Ferrari-Motors, da sichert sich Ferrari natürlich selber Vorteile.
SPIEGEL ONLINE: Konkret: Was haben Sie sich denn für die kommende Saison vorgenommen?
Heidfeld: Wir hoffen, dass wir ein paar Mal in die Punkteränge fahren und vielleicht in den nächsten drei Jahren auch mal auf dem Podium stehen.
SPIEGEL ONLINE: Ist nun also alles besser als bei Prost?
Heidfeld: Ja, bisher schon, denn das Entscheidende ist - und das hab ich jetzt schon gemerkt -, der Wagen, das Material und der Motor sind einfach viel besser. Aber konkret kann ich das jetzt noch nicht sagen, das wird sich aber bestimmt zeigen, wenn es vielleicht nicht so läuft oder eben besonders gut.
SPIEGEL ONLINE: Kritiker hielten Ihnen vor, Sie würden mit dem Druck nicht fertig. Stimmt das?
Heidfeld: Nein. Ehrlich gesagt, hab' ich im letzten Jahr auch keinen besonderen Druck verspürt. Als Formel-1-Neuling konnte keiner von mir außergewöhnliche Dinge erwarten.
SPIEGEL ONLINE: Das dürfte sich in diesem Jahr ändern, denn Ihr Team steht unter zusätzlichem Druck des Sponsors. "Red Bull" hat mit dem Ausstieg gedroht, falls es keine besseren Ergebnisse gibt. Fährt bei Ihnen die Angst mit?
Heidfeld: Nein, momentan jedenfalls noch nicht. Und ich gehe davon aus, dass wir solche Ergebnisse erzielen werden, dass es gar keinen Grund für unseren Sponsor und Teilhaber gibt, auf ein anderes Pferd zu setzen.
SPIEGEL ONLINE: Diese Woche schockte eine andere Nachricht die deutschen Formel-1-Fans. Ab 2003 könnten die Rennen nur noch im Bezahl-Fernsehen übertragen werden.
Heidfeld: Na ja, drei Jahre sind noch ein bisschen hin. Warten wir mal ab. Aber ein Vorteil ist sicherlich, dass dann die Übertragungen der Rennen nicht mehr andauernd durch Werbung unterbrochen werden.