Niki Lauda: Lockruf der Raubkatze - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Niki Lauda Lockruf der Raubkatze

Niki Lauda ist nach Jahren des Beobachtens in die Formel 1 zurückgekehrt. Der Österreicher wird eine führende Position im Jaguar-Team übernehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Silverstone - Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda soll den "Raubkatzen" die Krallen schärfen. Fast 16 Jahre nach seinem letzten Rennen tauscht der Österreicher seine markante rote Kappe gegen eine grüne und kehrt in einer leitenden Funktion bei Jaguar in die Königsklasse zurück. Das Team kündigte für Dienstag zu diesem Thema eine Pressekonferenz in einem Londoner Nobelhotel an. Dort soll die Verpflichtung offiziell bekannt gegeben und Laudas genaue Position vorgestellt werden. Im Gespräch ist ein Zweijahresvertrag.

Konzernmutter Ford fädelte den Deal ein


Möglich machte den Deal Jaguar-Chef Wolfgang Reitzle. Der ehemalige BMW-Vorstand ist mit Lauda befreundet. Nach dem Rückzug der Teamgründer Jackie und Paul Stewart und der enttäuschenden Debüt-Saison hatte Reitzle als Chef der Premier Motor Group der Konzernmutter Ford, zu der neben Jaguar noch Aston Martin, Lincoln und Volvo gehören, Ende der vorigen Saison eine grundlegende Umstrukturierung in der Teamführung eingeleitet. Bobby Rahal, Rennfahrer, Teambesitzer und zuletzt Chef der Cart-Serie in den USA, kam als neuer Rennleiter zu Jaguar.

Der 51-jährige, ehemalige Ferrari-Berater Niki Lauda wurde frei für eine Rückkehr in die Formel 1, nachdem er sich im Herbst 2000 aus der Führung der von ihm gegründeten Fluggesellschaft Lauda Air zurückgezogen hatte. Zuvor hatte der Hauptgesellschafter Austrian Airlines das Unternehmen übernommen. "Es ist fürchterlich, mit ansehen zu müssen, wie ein Unternehmen, das du 21 Jahre lang aufgebaut hast, plötzlich vom Hauptaktionär geschluckt wird. Als anständiger Mensch mit Rückgrat musste ich die Konsequenzen ziehen und gehen", sagte Lauda. Obwohl er noch kürzlich erklärt hatte, dass bis Ende Februar das Fluggeschäft Priorität habe, entschied er sich jetzt doch für den Wechsel in die Formel 1.

Dreimal Weltmeister


In der hatte Lauda zwischen 1971 und 1985 alle Höhen und Tiefen erlebt. 1974 feierte er mit einem Ferrari im spanischen Jarama seinen ersten Sieg, ein Jahr später wurde er mit Ferrari zum ersten Mal Weltmeister. 1976 fuhr er klar auf Titelkurs, bis ihn am 1. August der schwere Feuerunfall auf dem Nürburgring stoppte. Er überlebte das flammende Inferno und feierte nur sechs Wochen später sein Comeback, verlor aber im letzten Rennen der Saison den Titel an den Engländer James Hunt, weil er im Regen von Fuji aufgeben musste.

Ein Jahr später holte sich Lauda die WM-Krone zurück, verlor aber bald den Spaß an seinem Job. Die Konsequenz waren der Rücktritt 1979 und die Gründung der Lauda Air. Drei Jahre später gab der Österreicher dem Drängen von McLaren nach und kehrte in die Formel 1 zurück, wo er 1984 mit einem halben Punkt Vorsprung vor Alain Prost seinen dritten Titel holte. Ein Jahr später beendete Lauda nach 171 GP und 24 Siegen endgültig seine Karriere und hatte in den neunziger Jahren lediglich als Berater bei Ferrari, wo er 1998 in Unfrieden schied, und als Co-Kommentator von RTL Kontakt zur Rennszene.

Von Thomas Straka, sid

Mehr lesen über