"Pistenpatrouille" Eine irre Beschleunigung
Seit Jahren schon hatte ich es mir gewünscht, einmal Formel 1 zu fahren. Das European Minardi Team verschaffte mir jetzt die Gelegenheit, meinen Traum zu erfüllen. Der Formel-1-Rennstall hat acht F1-Doppelsitzer und veranstaltet damit sogar Rennen.
"Wir haben einen Platz für dich, wenn du nach Donington zu Thunder in the Park 2 kommst", hatte Minardi mir angeboten. Keine Frage, Flug gebucht und rüber nach England. Am Samstagmorgen bin ich zur Strecke gefahren und habe mich erst mal in Ruhe umgeschaut. Nervös war ich schon. "Mein armer Nacken", dachte ich nur, schließlich schmerzt es ja schon nach normalem Gokart-Fahren.
Bevor es richtig losgehen konnte, musste ich erst einmal jede Menge Formulare unterschreiben. Ja, ich weiß, es ist auf eigenes Risiko! Nein, ich bin nicht schwanger, und meine Angehörigen würden Minardi Team auch nicht verklagen, sollte etwas passieren! Das letzte EKG? Keinerlei Probleme!
Mal schauen, wie es denjenigen geht, die schon mitgefahren sind. Ich erkenne ein breites Grinsen. "Letztes Jahr war es schon absolut super mit Nigel Mansell, doch heute mit Damon Hill, das war unglaublich. Er fährt so sanft, es kam mir schneller vor als letztes Jahr", erzählt Jonathan Frost.
Gut 50.000 Euro hatte er für die Mitfahrgelegenheit bei Ex-Weltmeister Nigel Mansell gezahlt und war dann sogar in einen Crash verwickelt. Das hat Frost nicht abgeschreckt, sondern noch mehr motiviert. Für etwa die gleiche Summe - das Geld ist für wohltätige Zwecke, insgesamt kommen rund 500.000 Euro zusammen - fuhr er diesmal wieder mit, allerdings im Rennen über zwölf Runden, samt Qualifikation und Aufwärmrunden. Mir waren vier Runden vor dem Rennen versprochen, die Vorfreude stieg, während ich die anderen Passagiere beobachtete.
Dann wird es ernst. Der medizinische Check erfolgt. Hals, Nase, Ohren, Augen - alles okay. Gott sei Dank habe ich meinen eigenen Anzug und die feuerfesten Rennschuhe dabei. Die sind Pflicht, ebenso wie die lange, feuerfeste Unterhose samt Shirt, Handschuhen und Kopfhaube. Und auf einmal ging alles sehr schnell. Anziehen, fertig machen, Helm probieren.
"Als nächstes bist du dran", sagt ein Minardi-Techniker zu mir. Die Bremsen qualmen, der Motor ist noch heiß. Der vorige Passagier ist mit einem seligen Grinsen ausgestiegen, ich klettere ins Cockpit, um alles auszuprobieren. Doch viel Zeit für lange Erklärungen ist nicht. Formel-3000-Ass Giorgio Pantano ist mein Chauffeur. Ich setzte den Helm auf und steige ein. Eine halbe Ewigkeit scheint das Anschnallen zu dauern, ich werde wie ein Paket fest verschnürt, die Gurte so straff angezurrt, dass ich glaube, ich ersticke.
Seitlich sehe ich nichts außer schwarzen Mechanikerhosen, nach vorne kommt eine Handbreit vor mir schon die Abtrennung zum Piloten, nach hinten lehne ich den Helm an die Kopfstütze samt Überrollbügel. Ein bisschen Platzangst steigt in mir hoch.
Die Mechaniker erklären mir den Panikknopf. "Den Daumen drauf und festhalten", geben sie mir mit auf den Weg, "wenn du den loslässt, leuchtet die Warnlampe und ihr fahrt zurück zur Box - zu deinem Schutz." Das will ich natürlich nicht, sondern jede Sekunde genießen, die vier Runden auskosten.
Es geht los, die Beschleunigung ist irre, doch noch viel mehr beeindruckt mich die Bremskraft. Mein Kopf wird hin und her geschleudert, doch es ist längst nicht so heftig, wie ich befürchtetet hatte. Wir schießen durch die Kurven, die Boxengasse fliegt an uns vorüber. Ich verstehe, dass die Fahrer wirklich nicht mitbekommen, was um sie herum vor sich geht.
Alles ist rasend schnell, einzelne Menschen kann man gar nicht ausmachen, nur bunte Flecken. Das war wohl gerade die kleine Tribüne an der Seite. Was ist denn jetzt? Pantano schaltet runter, wird langsamer. Haben wir etwa Probleme, wir sind doch gerade erst los gefahren? Jetzt schon in die Boxengasse. Wirklich, die vier Runden waren schon vorbei?
Als ich aussteige, habe ich das gleiche riesige Strahlen im Gesicht wie die Passagiere vor mir. "Suuuper" grinse ich und strahle Pantano begeistert an. "Hattest du keine Angst?", fragt er. "Nein, wieso. Das war doch alles easy", lache ich, und er grinst verstehend.
Dann erklärt er mir noch das Lenkrad mit all seinen Knöpfen. Über Funk hatte ihn sein Team während unserer Runden angefeuert. Er hatte noch mal was draufgelegt und die schnellste Runde des Tages auf fast total abgefahrenen Reifen hingelegt. Na ja, vielleicht war ich auch einfach ein bisschen kleiner und leichter als die männlichen Passagiere vor mir.