Qualifying Der "fliegende Finne" ist wieder da
Zeltweg - Michael Schumachers Pole-Serie ist gerissen. Nach zuletzt drei Trainingsbestzeiten in Folge musste der zweimalige Formel-1-Weltmeister im Qualifying zum Großen Preis von Österreich als lediglich Viertplatzierter eine bittere Niederlage einstecken. Nicht nur das Silberpfeil-Duo Mika Häkkinen und David Coulthard vertrieb den WM-Führenden am Samstag im Jagd-Paradies in der Steiermark erfolgreich von der Spitze, auch sein Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello lag als Dritter noch vor ihm. "Ich habe heute keine einzige gute Runde zu Stande gebracht. Das scheint kein Schumacher-Kurs zu sein", konstatierte der 31 Jahre alte Kerpener auch mit Verweis auf den enttäuschenden 19. Rang seines Bruders Ralf, der in Spielberg sein bislang schlechtestes Ergebnis kassierte.
Für Michael Schumacher hatte die Schlappe einen einfachen Grund. "Offenbar war unsere Abstimmung nicht so gut wie die der McLaren, vor allem im letzten Streckensektor", sagte er. Mit 1:11,046 Minuten auf dem 4,326 km langen Berg-und-Tal-Kurs wies der 40-malige Grand Prix-Sieger bereits 0,636 Sekunden Rückstand auf Häkkinen auf. Trotz der deutlichen Niederlage sieht Schumacher keinen Grund, die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen. "Ich hoffe, ich kann beim Start ein, zwei Positionen wettmachen."
Titelverteidiger Häkkinen hat in seinem vom Team verordneten Kurzurlaub vor dem zehnten Saisonlauf offensichtlich neue Kraft getankt und sein Zwischentief überwunden. Der 31 Jahre alte Finne feierte auf dem A1-Ring in 1:10,410 Minuten seine insgesamt 25. Pole-Position. Erstmals seit Imola und damit über drei Monaten bzw. sechs Grand Prix steht der McLaren-Mercedes-Pilot am Sonntag (Start: 14 Uhr/live in RTL und Premiere World) wieder auf Startplatz eins. "Ich bin sehr zuversichtlich für das Rennen. Ich hoffe nur, dass alles hundertprozentig klappt und nichts - wie im Vorjahr - dazwischen kommt", erinnerte Häkkinen mit einem kleinen Seitenhieb gegen Coulthard an den von seinem Teamkollegen damals verschuldeten Unfall gleich in der ersten Kurve.
Der Schotte, der am Sonntag seinen 100. Grand Prix bestreitet, trauerte der fürs Jubiläum entgangenen zehnten Trainingsbestzeit seiner Karriere nach. "Mein Set up war besser, ich leider etwas schlechter. Bei der entscheidenden Runde habe ich in der ersten Kurve die entscheidenden Zehntel verloren", sagte Coulthard. Mit 0,385 Sekunden Rückstand komplettierte er als Zweiter dennoch das Glück der Silbernen. "Das war eine Super-Vorstellung von Mika. Gemeinsam mit David in der ersten Startreihe zu stehen, gibt uns die bestmögliche Ausgangsposition", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sein Fahrerduo. "Aber wir heben nicht ab. Das Rennen haben wir noch nicht im Sack."
Nach der dritten Doppel-Pole in diesem Jahr steigen im McLaren-Mercedes-Lager jedoch die Hoffnungen, den Rückstand auf den deutschen WM-Spitzenreiter weiter verringern zu können. Schumacher führt nach neun von 17 Rennen mit 56 Punkten und zwölf Zählern Vorsprung vor Coulthard (44). Häkkinen ist Dritter (38) vor Barrichello (32).
Nick Heidfeld hatte nach zuletzt vielen Nackenschlägen trotz des unfreundlichen Wetters endlich wieder einmal Grund zum Strahlen. "Ich bin heute der zweitbeste Deutsche und natürlich sehr zufrieden", jubelte der Mönchengladbacher Prost-Peugeot-Pilot nach seinem 13. Rang in 1:12,037 Minuten. "Meine schnellste Runde war nahezu perfekt."
Katzenjammer dagegen bei Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher: Das Jordan-Team des zweiten Mönchengladbachers hatte eine völlig falsche Strategie. "Wir hatten Regen erwartet, und waren mit harten Reifen unterwegs", entschuldigte Frentzen seinen 15. Platz - sein dieses Jahr schlechtestes Qualifikationsergebnis. "Manchmal geht es eben schief. Wir müssen das jetzt abhaken." Noch schlimmer kam es für "Little Schu", der mit 1,937 Sekunden Rückstand nur 19. wurde. "Wir sind bereits das ganze Wochenende unerwartet langsam. Das Auto entwickelt einfach nicht genug Haftung", schimpfte Ralf Schumacher. BMW-Sportdirektor Gerhard Berger grantelte: "Das war nicht unser Tag."