Regelkompromiss: Formel 1 raucht Friedenspfeife - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Regelkompromiss Formel 1 raucht Friedenspfeife

Mit Erleichterung haben die Rennställe auf die verlängerte Frist reagiert, die ihnen zur Umsetzung der neuen Regeln gewährt wurde. Auch Weltmeister Michael Schumacher hat die neuen Beschlüsse als "sehr vernünftig" bezeichnet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Michael Schumacher ist froh, dass die Diskussionen um die Regeländerungen in der Formel 1 zu Ende sind. "Ich kann damit sehr gut leben", beurteilte Schumacher auf seiner Homepage die Entscheidung, den Rennställen Zeit bis zum Großen Preis von Großbritannien zu geben, um sich auf die neuen Regeln einzustellen. "Das ist sehr vernünftig", lobte Schumacher.

Der Automobil-Weltverband (Fia) hatte am Dienstagabend bekannt gegeben, dass das Verbot von Traktionskontrolle, Startautomatik und automatischem Getriebe erst beim elften Grand Prix des Jahres am 20. Juli in Silverstone in Kraft treten werden. In der vorigen Woche hieß es noch, die neuen Regeln würden bereits für das erste Rennen am 9. März in Melbourne umgesetzt. Wegen der fehlenden Zeit hatten die Automobilhersteller und Teams die Fia-Pläne heftig kritisiert. Nach zwei Sitzungen mit den Technikchefs der Teams zeigte sich der Verband jedoch kompromissbereit.

"Sinnvoller Kompromiss"


Auch im Lager von BMW wurde der Fia-Beschluss begrüßt. "Um am Ende eine vernünftige Lösung zu erzielen, hat die Fia ihre Forderungen anfangs drastisch formuliert und damit die Latte sehr hoch gelegt. Das war die Voraussetzung für eine vernünftige Diskussion. Nun ist ein sinnvoller Kompromiss erzielt worden", erklärte Sportdirektor Gerhard Berger am Mittwoch. Auch Technik-Direktor Mario Theissen lobte, dass die weit reichenden Reglement-Änderungen nun in einen "praktikablen Zeitrahmen" gestellt worden seien. "Die neuen Vereinbarungen sind für uns in Ordnung, wir arbeiten bereits daran", so Theissen.

Berger rechnet damit, dass "in Zukunft die Rennen wieder spannender werden, weil der Fahrer mehr Einfluss erhält". Von BMW erhält die Fia-Entscheidung volle Unterstützung. "Das neue Reglement zielt darauf ab, die Kosten zu begrenzen und die Rennen wieder attraktiver zu machen. Dieses Ziel unterstützt BMW ohne Einschränkung", betonte Theissen, dem zudem der Fia-Vorschlag gefiel, eine einheitliche Elektronik-Box für alle Autos einzuführen.

Auch der Schweizer Peter Sauber, Teamchef der beiden Deutschen Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen, zeigte sich zufrieden über die Fia-Entscheidungen. "Gut finde ich, dass man nach dem Training nur eingeschränkt an den Autos arbeiten darf, was den Einsatz spezieller Qualifikationsautos und -motoren unmöglich macht", so Sauber.

Beim Funkverkehr wird künftig mitgehört


Vom Tisch ist auch die Abschaffung des Funkverkehrs zwischen Box und Fahrern, allerdings können die Rennkommissare und Fernsehanstalten künftig mithören. So ist das künftige Teamorder-Verbot besser zu kontrollieren. Die Übertragung von Telemetrie-Daten vom Auto zur Box ist erst ab 2004 verboten, nur von der Box zum Auto dürfen ab sofort keine Daten mehr gefunkt werden. Unter bestimmten Bedingungen dürfen auch künftig Ersatzautos eingesetzt und unter Aufsicht der Rennkommissare zwischen Qualifikation und Rennen in einem genau festgelegten Rahmen an den Autos gearbeitet werden.

Mehr lesen über