Renn-Analyse: Amüsement auf den billigen Plätzen - DER SPIEGEL
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Renn-Analyse Amüsement auf den billigen Plätzen

Mit einem spektakulären Unfall verdarb sich McLaren-Mercedes das Heimrennen auf dem Hockenheimring und vergab einen möglichen Sieg. So dominierte erneut Michael Schumacher. Dennoch war der zwölfte WM-Lauf überaus spannend. Es gab etliche brisante Duelle - im Verfolgerfeld und auch neben der Piste.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war das ekligste Bild dieses Wochenendes: Als Kimi Räikkönen, an die 280 Stundenkilometer schnell, mit seinem McLaren-Mercedes, in die Reifenstapel krachte, brachen Ferrari- und Renault-Anhänger hinter der Absperrung in lauten Jubel aus. Nicht eine, sondern Dutzende Fäuste wurden begeistert emporgereckt, noch ehe irgendjemand wissen konnte, dass Räikkönen gleich darauf aus dem Schrotthaufen herausspringen würde - zwar wutentbrannt, aber unverletzt. Diese durchaus krank zu nennende Reaktion wirft ein bezeichnendes Licht auf - manche - Rennsportfans, denen man weder auf den Rängen noch auf der Straße begegnen möchte.

Angesichts dieser Entgleisungen mag man sich gar nicht mehr so richtig ereifern über die neuerliche Pleite bei McLaren-Mercedes, die den guten Eindruck von Silverstone mit Räikkönens zweiten Platz gleich wieder zunichte machte. Der Finne muss sich allmählich wie ein Versuchskaninchen vorkommen im deutsch-britischen Experimentenstadl von Ron Dennis und Norbert Haug. Ausgerechnet beim heimischen Grand Prix in Hockenheim, der wie immer mit großem PR-Brimborium und eigener Tribüne begangen wurde, leisteten sich die Silberpfeile mit dem weggebrochenen Heckflügel eine so rätselhafte wie spektakuläre Panne.

Da es auch David Coulthard als Vierter nicht bis aufs Podium schaffte, obwohl sich BMW-Williams momentan vom Rennen um die Spitzenplätze abgemeldet hat und Ferrari-Bruchpilot Rubens Barrichello nur hinterher fuhr, muss man den Großen Preis von Deutschland wohl als den nächsten McLaren-Mercedes-Misserfolg dieser Saison werten. Sicher, das Team zeigt sich verbessert. Aber es könnte noch ein langer, langer Weg bis ganz nach oben werden - und es ist wenig hilfreich, wenn Räikkönen noch während des Rennens mal wieder darüber lamentiert, dass man doch eigentlich mehr Sprit im Tank hätte und hier hätte gewinnen können, wenn nicht ... tja, wenn es nicht schon viel zu viele "Wenn nicht"-Situationen für die Silberschwarzen in dieser Saison gegeben hätte.

Ganz im Gegensatz zu Ferrari: Zwar fuhr sich Barrichello schon in der ersten Runde bei einem Rempler gegen Coulthard den Frontflügel ab und verpasste die Punkteränge, aber Michael Schumacher hat jeden Konjunktiv, jeden Zweifel an ihm und seinem Dienstwagen längst in Grund und Boden gefahren. Da war es nur konsequent, dass die Fernsehregie in Hockenheim oft von der Spitze auf die Duelle dahinter umschaltete: Denn da lieferten sich vor allem Jenson Button im BAR-Honda und Fernando Alonso im Renault großartige Zweikämpfe. Der Brite, der wegen eines Motorschadens auf den 13. Rang in der Startaufstellung strafversetzt wurde, bot eine fahr-artistische Meisterleistung, als er über mehrere Runden hinweg seinen Helm bändigen musste, an dem sich der Halsgurt gelockert hatte.

Aber auch Buttons Teamkollege Takuma Sato, Jarno Trulli (Renault) und Mark Webber (Jaguar) konterten sich Runde für Runde munter und wagemutig immer wieder gegenseitig aus. Diese Duelle sprechen für die umgebaute und gut angelegte Piste im Motodrom von Hockenheim, auf der im Gegensatz zu (allzu) vielen anderen Rennstrecken Überholmanöver dank einer geschickten Kurvenführung gut möglich sind.

Rasanter noch als auf der Piste geht es momentan allerdings beim Wettrennen um die Fahrerplätze der kommenden Saison zu. Der Italiener Jarno Trulli, der Michael Schumacher als einziger in dieser Saison besiegen konnte, gab in Hockenheim seinen Abschied von Renault bekannt - er wird wohl der neue Teamkollege von Ralf Schumacher bei Toyota. Trullis Nachfolger bei Renault soll dessen Landsmann Giancarlo Fisichella werden, der bei Sauber eine exzellente Saison fährt. An Fisichella soll aber auch BMW-Williams interessiert sein, die sich wiederum bereits mit Webber einig geworden sind.

Auch Nick Heidfeld gilt neben Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve aus Kanada noch als BMW-Kandidat. Wenig Chancen auf ein festes Engagement dürfte dagegen trotz seines respektablen siebten Platzes in Hockenheim Testfahrer Antonio Pizzonia aus Brasilien besitzen. Während das Fahrerfeld also in jedem Falle kräftig durchgerührt wird, müsste schon eine Menge geschehen, damit sich auch beim Kampf um den Weltmeistertitel mal wieder Veränderungen anstehen. Sicher, Räikkönen im McLaren-Mercedes scheint mittelfristig in der Lage zu sein, mit Schumacher mitzuhalten. Auf mehr darf man ja kaum noch hoffen, wenn nicht ... Sie wissen schon.

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