Renn-Analyse: Die nächste Generation - DER SPIEGEL
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Renn-Analyse Die nächste Generation

Beim Großen Preis von Ungarn feierte der Spanier Fernando Alonso einen Sensationserfolg, der in vielfacher Hinsicht Zeichen setzt. Zeigt der Triumph des Renault-Piloten schon jetzt die Zukunft der Formel 1? Es sieht ganz danach aus.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kann sich noch jemand erinnern, wann zum letzten Mal ein Renault ein Formel-1-Rennen gewonnen hat? Und wer da am Steuer saß? Genau, es war niemand anderes als der vierfache Weltmeister Alain Prost - im Jahre 1983. Wenn das kein gutes Omen ist für die weitere Karriere von Jungstar Fernando Alonso, was dann? Abgesehen davon, dass Alonso beim Großen Preis von Ungarn ja ohnehin mehrfach Rennsportgeschichte geschrieben hat: Zum einen ist der 22-Jährige nun der jüngste Fahrer, der jemals ein Formel-1-Rennen gewann, zum anderen auch noch der erste Spanier, dem jemals dieses Kunststück gelang. Und en passant düpierte Alonso in Ermangelung jeglichen Respekts vor großen Namen mal eben Michael Schumacher, indem er den amtierenden F1-Champion wenige Runden vor Schluss noch überrundete.

Vielleicht liegt die besondere historische Bedeutung des außergewöhnlichen Sieges von Fernando Alonso aber darin, dass er eine neue Epoche in der Formel 1 vorweg nimmt. Jener Ära, die auf den alles dominierenden Fahrer der vergangenen Jahre, Michael Schumacher, folgen wird. Was keinesfalls bedeutet, dass der 34-jährige Schumacher seine Karriere vor dem angekündigten Schlusspunkt im Jahre 2006 beenden würde. Es mag auch sein, dass Ferrari die momentane Schwächephase des Teams überwindet, Ausrüster Bridgestone seine Reifen neu zusammenmischt und ein etwas konzentrierter Schumacher in diesem Jahr noch einmal die Weltmeisterschaft gewinnt. So schnell geht das eben nicht mit den Epochenwechseln, die vollziehen sich meistens langsam und mit vielen kleinen Schritten.

Trotzdem zeigt ein Paukenschlag wie jener von Fernando Alonso, in welche Richtung sich die Formel 1 bewegt. Zumal es nicht das einzige Zeichen an diesem Wochenende war: Mit einem souveränen Rennen fuhr Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes auf Platz zwei vor und meldete sich nach einer längeren Schwächephase eindrucksvoll im Kampf um die WM-Gesamtwertung zurück. Es ist keine Frage, dass die Youngster Räikkönen, 23, und Alonso, 22, jene Fahrer sind, denen man am ehesten zutraut, die Post-Schumacher-Ära zu beherrschen.

Montoya und Ralf Schumacher müssen aufpassen

Zwei andere Piloten sollten hingegen aufpassen, dass sie im Wettrennen um die besten Cockpit-Plätze der Formel 1 nicht von den Jungspunden überholt werden: Juan-Pablo Montoya, 27, und Ralf Schumacher, 28, müssen spätestens in der nächsten Saison beweisen, dass sie wirklich große Fahrer sind. An diesem Wochenende auf dem Hungaro-Ring gelang es beiden zum wiederholten Male nicht, im entscheidenden Moment an die Spitze zu fahren. Montoya landete mit seinem BMW-Williams schon im Training nur auf Platz 7, während Ralf Schumacher als Trainingszweiter alle Siegeschancen schon am Start vergeigte, als er zunächst überhaupt nicht vom Fleck kam und dann nach einem Dreher auf den letzten Platz zurückfiel.

Typisch auch eine Szene kurz vor Schluss, als sich Montoya mal wieder einen seiner unmotivierten Ausrutscher leistete und um ein Haar noch aus dem Klassement geflogen wäre. Über Funk meldete Montoya seiner Box anschließend verstört, dass er "keine Ahnung" habe, wie das passieren konnte. Es ist Montoyas Problem, dass er zu oft nicht genau weiß, warum er plötzlich wieder neben der Ideallinie entlang schliddert - während ein Michael Schumacher meistens sehr schnell und sehr präzise sagen kann, was nicht passte. Im Moment nutzt ihm seine Fähigkeit zur detaillierten Analyse allerdings herzlich wenig. Weil in diesem Jahr der beste Fahrer nicht im besten Auto sitzt, bleibt die WM so spannend wie lange nicht mehr.

Die kommende Epoche nicht mehr miterleben werden allem Anschein nach zwei deutsche Fahrer. Die Sauber-Piloten Heinz-Harald Frentzen, 36, und Nick Heidfeld, 26, erhalten wohl keine Verträge für die kommende Saison - und ein Wechsel zu einem anderen Team deutet sich auch nicht an. Für beide wäre das ein bitterer Abschied. Frentzen, kaum weniger begabt als Michael Schumacher, hat nie den ganz großen Durchbruch geschafft, der ihm jahrelang prophezeit wurde. In der vergangenen Woche erzählte er in einem Interview, dass er besser als Michael Schumacher fahren würde, "wenn ich nur einen Ferrari hätte". Würde und hätte sind leider zwei Wörter, die man im Zusammenhang mit Heinz-Harald Frentzen zu oft gehört hat.

Für Nick Heidfeld käme das Ende hingegen, bevor seine Karriere überhaupt richtig angefangen hat. Dabei sitzt der Mönchengladbacher genau an jenem Platz, von dem aus Kimi Räikkönen seinen Sprung zu McLaren-Mercedes schaffte. Doch es waren andere Fahrer aus der zweiten Reihe, die in dieser Saison eher auf sich aufmerksam machten: Jarno Trulli, 29, im zweiten Renault etwa oder Jaguar-Pilot Mark Webber, 27, der entgegen aller Prognosen seinen dritten Startplatz beim Großen Preis von Ungarn lange verteidigte und am Ende einen beachtlichen sechsten Rang ergatterte. Von Heidfeld (immerhin Platz 9) und Frentzen (mal wieder ausgeschieden) war hingegen wenig zu sehen. Das Rennen auf dem Hungaro-Ring hat gezeigt: Die Zukunft der Formel 1 hat schon begonnen. Es werden leider nicht alle dabei sein.

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