Renn-Analyse: Respekt! - DER SPIEGEL
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Renn-Analyse Respekt!

Alles wie gehabt - und doch alles ganz anders. Michael Schumacher siegt in Imola mit Trauerflor und widerlegt nebenbei seine Kritiker, die ihm Nervenschwäche vorgehalten haben. Dominiert jetzt wieder Ferrari -oder lautet das Duell der Zukunft: Kimi gegen Schumi?
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es scheint fast, als solle es in dieser Saison kein Rennen geben, dass einfach nur ein Formel-1-Grand Prix ist. Nachdem das Wetter, die Reifen und die neuen Regeln bei den ersten drei Starts der Saison für Turbulenzen gesorgt hatten, war in Imola zwar das Ergebnis eines, das man Platz für Platz hätte erwarten können - und doch verlief das Wochenende spektakulär und tragisch zugleich.

So fand erst am vergangenen Freitag die Siegerehrung des letzten Rennens in Brasilien statt, das nach der Entscheidung am Grünen Tisch nun doch Giancarlo Fisichella gewonnen hat. Glückwunsch zum ersten und letzten Sieg von Jordan in dieser Saison (es sei denn, wir erleben noch einige Wolkenbrüche auf der Piste). Champagner gab es bei dieser Siegehrung übrigens nicht - genauso wenig wie beim Großen Preis von Imola am Sonntag. Da stand Michael Schumacher ganz oben auf dem Podest, kämpfte mit den Tränen und zog sich nach den Hymnen die Mütze schnell ganz tief ins Gesicht. Sein Bruder Ralf als Viertplatzierter wird froh gewesen sein, nicht auch dort oben stehen zu müssen.

Ralf Schumacher klar vor Montoya


Nur wenige Stunden vor dem Rennen war die Nachricht gekommen, dass Elisabeth Schumacher, die Mutter der beiden, in einem Kölner Krankenhaus gestorben war. Was immer man sonst von den Schumacher-Brüder denken mag: Ihre Leistung und ihre Haltung an diesem Wochenende verdienten höchsten Respekt - und man möchte hoffen, dass es von den Teams, den Fans und den Medien ebenso respektiert worden wäre, wenn sie das Rennen abgesagt hätten. Oder wäre das dann, später, bei einer Bilanz über die Saison 2003 vielleicht, doch klammheimlich zumindest gegen Michael Schumacher und für dessen vermeintliche Nervenschwäche ins Feld geführt worden?

Solche Gedanken sind Spekulation - ebenso wie die Vermutungen des zum britischen Boulevardblatt "The Sun" gewechselten Ex-Formel 1-Piloten Eddie Irvine übrigens, der dem einstigen Teamkollegen Schumacher nach dessen mäßigem Saisonstart vorgeworfen hatte, unter Druck "alles zu vermasseln". Viel mehr Druck als vor diesem Ferrari-Heimspiel mit den hochfliegenden Erwartungen zehntausender Tifosi kann aber auf Michael Schumachers Schultern gar nicht lasten.

Mal sehen, was "Eddie the Eagle", der zuletzt mit Jaguar hinterher fahren durfte, demnächst zu vermelden hat. Vielleicht auch nicht mehr die Erkenntnis, dass Ralf Schumacher "von Montoya regelmäßig an die Wand gefahren wird". Der Kolumbianer kam dieses Mal fast 37 Sekunden nach seinem Teamkollegen auf Platz sieben ins Ziel, allerdings musste er auch vier Mal die Box ansteuern.

Überraschungsmann Alonso


So aber ist nach dem vierten Rennen der Saison schon wieder eine gewisse Angst bei Fans und Fahrern zu spüren: Wird jetzt alles wieder so wie vorher? Dominiert Michael Schumacher mit dem neuen Ferrari, der in zwei Wochen erstmals zum Einsatz kommt, das Feld wie gewohnt? Oder heißt das Duell dieser Saison - und vielleicht auch der kommenden Jahre - nun tatsächlich Schumi gegen Kimi? Einstweilen gibt sich der finnische Jungstar bescheiden. Seinen zweiten Platz, den er haarscharf gegen Rubens Barrichello behaupten konnte, wertete er "als gutes Resultat", während sich sein Sportchef Norbert Haug gleich in Demut übte: "Der Abstand zu Ferrari war geringer, als zunächst gedacht."

Wenig ändern dürfte sich in jedem Fall in der Zwei-Klassen-Gesellschaft der Konstrukteurswertung. Auf den ersten sieben Plätzen fanden sich zweimal Ferrari, zweimal McLaren-Mercedes und zweimal BMW-Williams wieder - dazwischen geschoben hatte sich lediglich, siehe da, schon wieder Fernando Alonso im Renault. Es darf spekuliert werden, ob der 21-jährige Spanier nächste Saison auch noch dort im Cockpit sitzt.

Und mit welchen Reifen er dann fährt. Täuscht es eigentlich, oder ist noch in keiner anderen Saison so viel über die Bereifung der Rennautos gesprochen worden? Beim Wettrennen in den Industriegebieten von Hamburg bis München soll, so hört man, seit kurzem nicht mehr darüber diskutiert werden, ob GTI oder Manta schneller sind, sondern ob man nun mit Bridgestone oder Michelin ins Wochenende geht.

"Mit Tennisschuhen auf nassen Rasen"


Auch Max Mosley hat sich zu diesem Thema endlich zu Wort gemeldet. Nachdem die Sekretärin des Fia-Bosses offenbar nicht in der Lage war, ihm einen Flug nach Übersee zu buchen, tauchte der Brite nun in Imola auf - und kommentierte das Regenreifen-Desaster von Interlagos, bei dem nur durch ein bis drei Wunder nichts Ernstes passiert war. Die dafür verantwortliche Regelneuerung, nach der nur noch ein einziger Durchschnittsreifen für alle Wetterlagen erlaubt ist, hatte ein wütender Teamchef gegenüber Mosley mit den Worten kritisiert: "Das war, als ob man eine Fußballmannschaft in Tennisschuhen auf einen nassen Platz schickt." Mosleys antwortete kaltschnäuzig: "Vollkommen richtig, aber es waren die Teams, die sich die Schuhe ausgesucht haben."

In der Tat hatten die Teams auf massiven Druck der Fia neben anderen auch diese Regel vorgeschlagen - was aber verblüfft, ist die Menschenverachtung, die aus Mosleys Antwort spricht. Stimmt, das Material ist lebensgefährlich, hätte er auch sagen können. Na und? Schließlich gilt: "Wichtig ist: Die Formel 1 liefert den Leuten in der Kneipe Gesprächsstoff." Das hat er übrigens tatsächlich gesagt.

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